https://www.faz.net/-gpf-8i8hb

Nach Massaker in Orlando : Obama rechnet mit Trump ab

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Barack Obama will sich nicht länger von Donald Trump belehren lassen. In Washington keilt der amerikanische Präsident gegen den designierten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner.

          2 Min.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama wirft dem voraussichtlichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump, vor, das Land zu spalten. Mit seinem fahrlässigen Gerede über einen Einreisestopp für Muslime und seiner Achtlosigkeit bringe Trump Amerikaner gegen Amerikaner auf, sagte ein deutlich erzürnter Obama am Dienstag in Washington.

          Trump hatte nach dem Massaker von Orlando mit Dutzenden Toten seinen Vorschlag erneuert, Muslimen die Einreise in die Vereinigten Staaten zu verweigern. Der Täter hatte sich auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) berufen.

          Zum ersten Mal und sehr vehement wehrte sich Obama gegen Trumps wiederholten Vorwurf an seine Adresse, radikalen Islamismus nicht beim Namen nennen zu wollen. Wie er Terrorismus benenne, spiele keine Rolle, sagte Obama. „Was genau würde es bringen, den Islamischen Staat „radikale Islamisten“ zu nennen? Das soll das Problem sein? Würde das mehr Alliierte bringen, steckt eine Strategie dahinter?“

          Die Arbeit der Terroristen

          Obama sagte, diese Vorhalte seien ein politisches Ablenkungsmanöver und leeres Geschwätz. Worthülsen wie diese nicht zu benutzen, habe nichts mit „political correctness“ zu tun. „Glaubt wirklich irgendjemand, wir wüssten nicht, wen wir bekämpfen?“, rief Obama. „Wir können ja die Tausenden Terroristen fragen, die wir von den Schlachtfeldern geholt haben.“

          Obama sagte: „Wenn wir alle Muslime über einen Kamm scheren, gehen wir denen auf den Leim, die einen Krieg zwischen dem Islam und dem Westen oder den Vereinigten Staaten wollen, dann erledigen wir die Arbeit der Terroristen.“

          Zwar habe sich der Todesschütze von Orlando zum IS bekannt, sagte Obama. „Aber der Killer von Orlando war ein amerikanischer Bürger. Wollen wir jetzt deswegen alle Muslime wegen ihres Glaubens diskriminieren?“

          Das Team Amerika

          „Dieses Land ist auf Freiheiten gegründet“, sagte Obama. „Wir haben keine Glaubenstests. Die Gründungsväter haben das nicht vorgesehen. Wir würden genau die Dinge verraten, die wir schützen wollen.“

          Zu Trumps Auftreten und Rhetorik sagte Obama: „Das ist nicht das Amerika, das wir wollen. Das macht uns weniger sicher.“ Zu Trumps Forderungen sagte er: „Wo hört das auf? Wo führt uns das hin?“

          Obama fragte: „Stimmen die Republikaner wirklich mit ihm überein?“

          Obama verwies darauf, wie unterschiedlich das amerikanische Militär besetzt sei, das „Dich und mich“ beschütze, auch mit homosexuellen oder muslimischen Soldaten. „Das ist Amerika“, sagte Obama. „Ein Team.“

          Hacker-Angriff auf Demokraten

          Kurz vor Obamas Rede wurde außerdem bekannt, dass sich russische Spione nach Angaben der Demokratischen Partei in das Computer-Netz des nationalen Komitees gehackt haben. Dabei hätten sie sich Zugang zu allen Daten verschafft, die über den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Trump angelegt worden seien, sagte die Vorsitzende des Komitees, Debbie Wasserman Schultz, am Dienstag. Sie bestätigte damit einen Bericht der "Washington Post". Es habe sich um zwei getrennte Hackergruppen gehandelt, die den E-Mail- und den Chat-Verkehr hätten verfolgen können.

          Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Regierungsvertreter weiter, einige der Hacker hätten etwa ein Jahr Zugang zum Computernetz gehabt. Sie seien am Wochenende wieder ausgesperrt worden. Russische Spione hätten zudem auch das Netzwerk Trumps und der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton angegriffen.

          Weitere Themen

          War es ein Terrorakt?

          Attentat auf Militärstützpunkt : War es ein Terrorakt?

          Die Ermittler in Florida können noch nicht sagen, ob der Attentäter von Pensacola allein handelte oder Mittäter hatte. Weil es sich um einen saudischen Soldaten handelte, diskutieren aber auch die Republikaner über die Beziehungen des Präsidenten zum Königreich.

          Topmeldungen

          Schriftsteller Peter Handke

          Streit über Peter Handke : Groteske Geschichtsklitterung

          Heute wird Peter Handke in Stockholm der Literaturnobelpreis verliehen. Die Debatte um seine Auszeichnung zeigt, wie anfällig selbst solche Milieus für Verschwörungstheorien sind, die sich für aufgeklärt und weltoffen halten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.