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Trumps voreilige Entwarnung : Iran hat mehr strategische Geduld

  • -Aktualisiert am

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2018 posierte Trump bei einem Truppenbesuch für amerikanische Soldaten – auf dem Al-Asad-Stützpunkt, den Iran nun angriff. Bild: Reuters

„Alles gut“, twitterte Trump nach Irans Raketenangriffen. Er will sich als Präsident feiern lassen, der es wieder allen gezeigt habe: den Feinden in Iran und zu Hause.

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          Das Pentagon war nach den iranischen Luftangriffen auf zwei irakische Stützpunkte mit amerikanischer Truppenpräsenz noch mit der ersten Lageeinschätzung beschäftigt, als Oberbefehlshaber Trump bereits ein „Alles gut“ in die Nacht twitterte und einen Auftritt für diesen Mittwoch ankündigte. Selbst der Dampf-Twitterer Donald Trump hätte kaum auf diese Art Entwarnung gegeben, wenn er zu dem Zeitpunkt noch Anlass zur Sorge gehabt hätte, um gefallene Amerikaner trauern zu müssen.

          Wenn sich also bestätigt, dass die iranische Vergeltung zunächst vergleichsweise glimpflich für die Vereinigten Staaten ausging, so hat Trump innenpolitisch nun eine goldene Gelegenheit. Er muss bloß eine halbwegs staatsragende Ansprache halten, die Tötung des „Terroristen“ Qassem Soleimani abermals als Maßnahme der Gefahrenabwehr rechtfertigen und beteuern, dass er keinen Krieg mit Iran, keine Eskalation anstrebe. Schon am Dienstag hatte Trump immerhin seine Ankündigung zurückgezogen, iranische Gegenschläge auch mit Angriffen auf iranische Kulturschätze zu sühnen, was ein Kriegsverbrechen wäre. „Wenn es das ist, was das Gesetz sagt“, so Trump lapidar, „dann befolge ich das Gesetz“.

          Trumps Unterstützer und Lautsprecher in Politik und Medien werden die Demokraten, Medien und ausländischen Verbündeten mit ihren laut ventilierten Warnungen vor einem neuen Golfkrieg nun abermals als eine Bande von Hysterikern hinstellen, die Amerikas Interessen aus dem Blick verloren hätten und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten nur Böses wünschten. Erst am Dienstag hatte sich der führende demokratische Präsidentschaftsanwärter Joe Biden aufgeschwungen, die „Rede ans Volk“ zu halten, die Trump den Amerikanern schuldig geblieben sei, und dessen „gefährliche Inkompetenz“ am Beispiel seiner Iran-Politik durchdekliniert.

          Warum erklärte Zarif die Vergeltung für abgeschlossen?

          Niemand weiß das besser als Dschawad Zarif; kein anderes Mitglied der iranischen Führung beherrscht das Spiel mit den amerikanischen Medien und der amerikanischen Innenpolitik besser als der Außenminister. Trotzdem tat Zarif Trump den Gefallen, auf Twitter mitzuteilen, dass die „verhältnismäßigen Maßnahmen zur Selbstverteidigung“ nach Soleimanis Tötung nun „abgeschlossen“ sein. Einige Stunden später verkündeten die Revolutionsgarden zwar das Gegenteil: Ihre „grimmige Rache“ habe erst „begonnen“. Ohne den Abschuss von mutmaßlich mehr als zwanzig iranischen Raketen auf irakische (!) Stützpunkte kleinzureden, lässt sich trotzdem festhalten: Zumindest ein Teil der iranischen Führung hat ein Interesse an Deeskalation.

          Warum? Womöglich wollte Iran zunächst „nur“ mit einer raschen Demonstration seiner militärischen Entschlossenheit Druck aus dem Kessel lassen, um sich dann in Ruhe auf den nächsten Schlag vorzubereiten. Trump und seine Leute werden freilich eine andere Version verbreiten: dass die Amerikaner Iran erfolgreich Angst vor einer weiteren Eskalation eingejagt hätten. Das liefe auf eine jubelnde Wiederbelebung von Richard Nixons „Madman-Theorie“ der internationalen Politik hinaus. Weil es in Washington einen Präsidenten gibt, dem alles zuzutrauen sei, steigt demnach das Risiko für Amerikas Feinde, sodass sie sich zurückhalten.

          Teheran ist seinem Ziel näher denn je

          In einer direkten Konfrontation wäre Iran den Amerikanern unterlegen. Was sie aber haben, ist strategische Geduld – mehr jedenfalls, als die Vereinigten Staaten unter Trump sowie die meisten anderen Demokratien. Beharrlich werden sie die antiamerikanische Stimmung im Irak schüren und für sich ausnutzen, dass Trump zwar die große Geste liebt, aber auch weiterhin kein Interesse an kriegerischen Verstrickungen in der Ferne hat. Das Ziel, die Amerikaner aus dem Nachbarland Irak zu vertreiben, ist für Teheran greifbarer denn je; Trump zu einem großen militärischen Aufwuchs in der Region zu zwingen, liefe diesem Ziel zuwider.

          Das werden besonnene Politiker und Kommentatoren den Amerikanern auch künftig darlegen. Doch der Präsident kann darauf zählen, dass bei vielen Landsleuten zunächst eine andere Botschaft ankommt: Trump hat es wieder einmal allen gezeigt – den Iranern, den Demokraten und dem „tiefen Staat“.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

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