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Muellers Untersuchung : „Nur Trump weiß, wie sehr Trump sich schuldig gemacht hat“

  • -Aktualisiert am

Weiß allein, wie schuldig er ist: Donald Trump Bild: AP

Robert Mueller untersucht, ob bei der Wahl des amerikanischen Präsidenten alles mit rechten Dingen zuging. Wie er vorgeht und was er für ein Mensch ist, erklärt sein Biograph Garrett Graff im FAZ.NET-Gespräch.

          Herr Graff, Sie kennen Robert Mueller, haben sich lange mit seiner Biographie beschäftigt und für ihr Buch über seine zwölfjährige Amtszeit als FBI-Direktor mit ihm gesprochen. Was ist Mueller für ein Typ?

          Bob Mueller gilt als Amerikas „straightest arrow“, als der aufrichtige Mann schlechthin. Er hat im Staatsdienst unter den vergangenen fünf Präsidenten gearbeitet. Er hat sich in wahnsinnig polarisierten Zeiten in Washington ein unglaublich apolitisches Ansehen erarbeitet. Zudem ist er nach J. Edgar Hoover der FBI-Direktor mit der längsten Amtszeit, nachdem Präsident Obama ihn 2011 in einer beispiellosen Aktion um eine Vertragsverlängerung von zwei Jahren bat. In einer Sondersitzung des Senats wurde er mit 100:0 Stimmen im Amt bestätigt.

          Wie ist er als Person?

          Mueller sieht sich seiner Arbeit als Staatsdiener zutiefst verpflichtet. Unter seinen Mitarbeiter gibt es den Witz, der eigentlich kein Witz ist, dass für ihn jedes Gespräch ein Kreuzverhör sei. Er kann durchaus kratzbürstig rüberkommen. Gleichzeitig ist er hochangesehen. Er wuchs in der Nähe von Philadelphia auf, ging in New Hampshire zur Schule, wo er das Eliteinternat St. Paul’s School besuchte. Der spätere Außenminister John Kerry war sein Klassenkamerad. Die Zeit hat ihn natürlich geprägt, aber mehr noch sein Vater, der ihm eine strikte moralische Richtschnur vorgab. Er hat ihm ein sehr klares Schwarzweiß-Denken beigebracht. Wenn es um Rechtsstaatlichkeit geht, gibt es für Mueller wenig Spielraum.

          Mueller wurde 2001 zum FBI-Direktor ernannt. Genau eine Woche vor dem 11. September. Wie hat ihn der Anschlag in seiner Arbeit beeinflusst?

          Er entpuppte sich als der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Aufgrund der Anschläge spielten die internen Machtspiele, die sich normalerweise mit jedem neuen Direktor ergeben, keine Rolle. Mueller unterzog das FBI schnell einer grundlegenden Transformation. In den 90 Jahren davor war das FBI eine Behörde, die Verbrechen untersuchte, nachdem sie stattgefunden hatten. Unter Mueller wandelte sich das FBI zu einer Organisation, die versuchte, Verbrechen zu antizipieren.

          Es ist ja nicht das erste Mal, dass Mueller mit einem Präsidenten über Kreuz liegt. 2004 drohte er zusammen mit dem damaligen stellvertretenden Justizminister James Comey, sein Amt hinzuschmeißen, falls das Weiße Haus unter Präsident Bush sich über die Entscheidung des Justizministeriums hinwegsetzen sollte, dass Inlandsüberwachungen ohne richterlichen Beschluss verfassungswidrig seien.

          Comey und Mueller eilten mit Sirenengeheul im März 2004 ins George Washington University Hospital, nachdem ihnen mitgeteilt wurde, dass Bushs Rechtsberater und sein Stabschef versuchen wollten, dort den damaligen Justizminister John Ashcroft davon zu überzeugen, das Abhörprogramm zu autorisieren. Ashcroft lag nach einer Operation auf der Intensivstation und war noch benommen, als Comey und Mueller wenige Minuten vor Bushs Abgesandten eintrafen. Ashcroft weigerte sich am Krankenbett, die Papiere aus dem Weißen Haus zu unterschreiben. Am Ende war es Bush, der in diesem Showdown blinzelte, indem er sich an die Vorgaben des Justizministeriums hielt. Aber erst, nachdem Mueller und Comey mit Rücktritt gedroht hatten.

          Garrett Graff ist Journalist und Mueller-Biograph.

          Was sagt das über Mueller?

          Der bedeutendste Detail dieser Geschichte ist die Tatsache, dass Mueller überhaupt an Ashcrofts Krankenbett auftauchte. Es gab für ihn keinen Grund, dort zu erscheinen. Mueller war lediglich Direktor einer speziellen Abteilung im Justizministerium. Der eigentliche Konflikt hatte nichts mit dem FBI zu tun, ausgetragen wurde er zwischen dem Justizministerium, dem Weißen Haus, und der NSA, die die Abhöraktionen zu verantworten hatte. Aber, und das ist der Punkt: niemand stellte Muellers Motiv infrage. Es unterstreicht, wie viel Respekt Bob Muellers Wort in Geheimdienstkreisen besaß.

          Dass Mueller jetzt als Sonderermittler Comeys Entlassung durch Trump untersucht, ist kein Interessenkonflikt?

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