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Trump-Wähler : „Das ist unser Sieg“

  • -Aktualisiert am

Anhänger von Trump warten auf die Vereidigung des 45. Präsidenten Bild: Polaris/laif

Trotz Protesten und Demonstrationen: Zigtausende Anhänger des republikanischen Wahlsiegers sind zur Amtseinführung in die Hauptstadt gereist. Sie wollen Donald Trump feiern – aber auch sich selbst. Das erwarten sie von ihrem Präsidenten.

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          Tommy Smith und Joy Wimberley mussten nicht lange überlegen. Sobald klar war, dass Donald Trump 45. Präsident der Vereinigten Staaten werden würde, hat das Pärchen aus Alabama seine Reise gebucht. Dass die Hotels in Washington am Wochenende der Amtseinführung viele hundert Dollar mehr pro Zimmer berechnen, habe ihnen schon weh getan, sagen die beiden Endzwanziger. „Aber wir haben die Möglichkeit, einmal im Leben bei so etwas dabei zu sein“, sagt Joy und strahlt über das ganze Gesicht.

          „Dieser historische Moment ist das Geld allemal wert“, ergänzt Tommy. Beide haben sich zur Feier des Anlasses schick gemacht. Er, der in der Baubranche tätig ist und vor allem Trumps Pläne, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten, gut findet, hat ein dunkelblaues Jacket übergeworfen. Sie, die von der Grenzmauer wenig hält, aber vor allem darauf hofft, dass Trump „viele Arbeitsplätze schaffen wird“, trägt einen roten Kurzmantel und Perlenkette.

          Joy Wimberley und Tommy Smith

          Sichtlich bestürzt sind die beiden darüber, dass ihnen von einigen Einwohnern ihrer Hauptstadt eine gehörige Portion Hass entgegenschlägt. „Wir sind mit unsere Trump-Kappen ganz friedlich die Straße heruntergegangen und wurden sofort von verschiedenen Leuten angepöbelt“, sagt Joy. Dass in Washington und anderen Großstädten bei der Wahl im November nur wenige Menschen für Trump gestimmt haben, sei ihnen zwar bewusst gewesen, erzählen sie. Aber dass ihr zukünftiger Präsident hier derart unbeliebt ist, hätten sie dann doch nicht gedacht. „Wir sind ganz freundlich geblieben und einfach weitergegangen“, sagt Tommy in breitem Südstaatenakzent.

          Etwa 800.000 Menschen werden Trump, so wird geschätzt, bei seiner Amtseinführung an diesem Freitag zujubeln. Deutlich weniger als Obama vor acht Jahren, was aber eben auch daran liegt, dass die meisten seiner Fans nicht aus Washington und Umgebung, sondern aus dem zum Teil weit entfernten republikanischen „Heartland“ kommen. Die bunten Nummernschilder an den Autos und Wohnmobilen verraten die Herkunftsorte der politischen Wallfahrtsteilnehmer.

          Steve Ranion und Audrene Meyers

          Der Rentner Steve Ranion etwa saß zehn Stunden im Auto, ist aus Tennessee hergefahren. Zusammen mit seiner Schwägerin Audrene Meyers hat er sich in der Nähe des Trump-Hotels an der Pennsylvania Avenue positioniert. „Ich habe mir nie etwas aus Politik gemacht, aber Trump unterstütze ich, seitdem er damals in New York die Rolltreppe heruntergekommen ist und seine Kandidatur angekündigt hat“, sagt Audrene. „Er hat so viel aufgegeben, seine Geschäfte, hat so viel von seinem eigenen Geld in den Wahlkampf gesteckt, nur um für unser Land zu arbeiten. Das weiß ich sehr zu schätzen.“

          Ein Sieg der normalen Leute „gegen das politische Establishment“

          „Er wird das Land sicher machen und die Wirtschaft ankurbeln, nicht mehr und nicht weniger“, sagt Chris Overton, ein Einzelhandelskaufmann aus South Carolina. „Das ist unser Sieg“, sagt er und meint „uns, also die ganz normalen Leute“, die Trump zum Sieg verholfen hätten – „gegen das politische Establishment und die ganzen Lobbyisten“.

          Chris Overton

          Gleichzeitig könne er die Leute nicht verstehen, die jetzt noch gegen Trump demonstrieren, sagt Chris. „Wenn man gegen den Präsidenten ist, dann ist das, als ob man in einem Flugzeug sitzt und sich wünscht, dass das Flugzeug abstürzt“, sagt er und rückt sich seine Trump-Mütze zurecht. „Obwohl ich Obama nicht gewählt habe, habe ich mir nie gewünscht, dass er scheitert oder dass unser Land zerfällt.“ Diesen Patriotismus erwarte er nun von den Trump-Gegnern.

          Auch Tommy Smith und Joy Wimberley, die höflichen Trump-Wähler aus Alabama, hoffen auf Harmonie. Sie sind sich sicher: Trump werde auch seine Gegner bald überzeugen können. „Alle zusammen werden wir Amerika wieder großartig machen“, sagt Tommy.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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