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Texas : Wo Trump ein Held ist – und keine Hassfigur

  • -Aktualisiert am
September 2015: Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Dallas, Texas

Die Frage, ob sie denn überhaupt schon einmal persönlich Muslime kennengelernt hätten, verneinen viele Einwohner von Miami. Auch andere Minderheiten sucht man vergeblich in Roberts County. Fast 97 Prozent der Menschen hier sind weiß. „Wir sind aber keine Rassisten“, sagt Wirtin Ray und man spürt, wie wichtig ihr diese Klarstellung ist. „Völlig egal, welche Hautfarbe oder welche Religion du hast“, man sei gastfreundlich zu allen Menschen. „Wenn hier jemand eine Autopanne hat, dann kümmern wir uns. Wir reparieren das Fahrzeug und spendieren ein Essen.“ Dass Amerika wegen Trump jetzt tiefer gespalten sei als zuvor, stimme nicht, sagt sie. „Das war doch schon unter Obama so.“ Der trage die Schuld an der Eskalation, etwa weil er in seiner Amtszeit Gewalt gegen Polizisten nicht entschieden genug verurteilt habe.

Und doch: Der Hauptgrund, warum man Trump gewählt habe und ihn auch jetzt unterstütze, da scheinen sich die Einwohner von Miami einig zu sein, liege vor allem in der Tatsache begründet, dass er „kein Politiker“, sondern „ein Geschäftsmann“ sei. „Wir haben hier ein Problem damit, wenn sich die Bürokraten aus Washington in alles einmischen wollen“, sagt ein Mann, der Joe genannt werden will und an der Tankstelle gerade seinen Truck auftankt. „Mit Obama waren wir ja auf dem direkten Weg in den Sozialismus.“ Krankenversicherung für alle „und solche Sachen“ – das brauche man nicht. Die Regierung solle stattdessen „einfach die Steuern senken und uns in Ruhe lassen“.

„...so lange er nicht den dritten Weltkrieg anzettelt“

„Wir leben hier vor allem von der Rinderzucht und von der Ölindustrie“, sagt James Coombs, ein freundlicher Mann, der gerade aus seinem Auto ausgestiegen ist. Sein Arbeitgeber, der Konzern „Energy Transfer Partners“, baut im Norden des Landes eine umstrittene Pipeline. Dass Trump sich für den Bau und gegen die Bedenken der Umweltschützer eingesetzt habe, „war bereits Grund genug, ihn zu wählen“, sagt Coombs, auch wenn ihm der aggressive Ton des neuen Präsidenten gegenüber dem Rest der Welt durchaus Sorgen bereite. „Aber so lange er nicht den dritten Weltkrieg anzettelt, ist ja alles in Ordnung“.

Bereits am Nachmittag schließt Vicky Rays „Rafter B Cafe“, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass in Miami kein Alkohol ausgeschenkt werden darf. Roberts County ist einer der insgesamt sieben „trockenen“ Landkreise in den Vereinigten Staaten, und das puritanische Erbe wird geachtet. „Man kann aber auch einfach rüber nach Pampa fahren und sich ein paar Bier für zuhause kaufen“, sagt Museumsleiterin Bowers und lächelt vielsagend.

Zuletzt noch ein Rundgang durch ihre Ausstellung: Auf zwei Stockwerken ist Klein-Miamis bewegte Geschichte dargestellt. Neben unzähligen Erinnerungsstücken an diverse „Cow Calling“-Veranstaltungen der vergangenen Jahre findet man nachgebaute Indianerzelte, Möbelstücke der ersten Siedler, Autos aus den Zwanzigerjahren und Uniformen von Söhnen des Städtchens, die für das Land in verschiedenen Kriegen kämpften. Welche Epoche ist eigentlich genau gemeint, wenn Donald Trump davon spricht, dass er Amerika „wieder“ großartig machen werde? Nein, sagt die Museumsleiterin, das wisse sie auch nicht.

Und noch eine Frage lässt Emma Bowers zunächst unbeantwortet: Wer denn die gerade einmal zwanzig Personen im Wahlkreis waren, die im November nicht für Trump, sondern für Hillary Clinton stimmten? „Die werde ich Ihnen bestimmt nicht vorstellen, sonst bekommen Sie noch ein völlig falsches Bild von unserem Ort.“ Dann muss sie lachen. „Okay“, eine dieser Personen sei ihre eigene Tochter gewesen. „Aber ich liebe sie trotzdem noch.“

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