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Ortsbesuch in Ohio : Rekordzahl von Frühwählern kämpft sich durch Stimmabgabe

Ist der Abgleich erfolgreich, ist der Wähler offiziell zugelassen und erhält einen individuellen, numerierten Wahlschein, auf dem ihm einer der 98 Wahlcomputer zugewiesen wird, die an diesem Samstag in Columbus aufgestellt sind. Weil in vielen der 1198 Wahlbezirke („precincts“) des Countys neben dem Präsidenten noch andere wichtige Ämter zur Wahl stehen, etwa Senatoren, Kongressabgeordnete, Generalstaatsanwälte oder Sheriffs und die jeweiligen Kandidatenlisten deshalb sehr unterschiedlich sind, ist jedem Wähler ein bestimmter Wahlcomputer zugeordnet, der auf die jeweilige Wahl in seinem Bezirk zugeschnitten ist.

Umfragen

Doch selbst dann kann der Wähler nicht einfach selbständig seine Stimme abgeben, sondern muss sich vorher bei einem der 15 „machine judges“ melden, offiziellen Vertretern des Wahlausschusses, die die Stimmabgabe an den Computern überwachen. Nur mit einem elektronischen Schlüssel, den jeder dieser Helfer bei sich trägt, kann der Wahlcomputer freigeschaltet werden und die Stimmabgabe erfolgen.

„Unsere Sicherheitsmaßnahmen, damit Stimmen nicht gefälscht werden können, sind sehr groß“, erklärt Aaron Sellers, der Sprecher des Wahlausschusses. Um Manipulationen auszuschließen, dürften die elektronischen Schlüssel, die die Stimmabgabe am Computer freischalten, das Wahllokal nie verlassen. Auch das Netzwerk, in dem die Computer arbeiten, sei abgekapselt und nur ein einziges Mal mit der Außenwelt verbunden: wenn die Wahldaten am Dienstag an John Husted geschickt werden, den Secretary of State und obersten Wahlbeauftragten Ohios.

Ob dabei Fehler passieren können? Ausschließen könne man das natürlich nicht, sagt Sellers. „Ich bin aber überzeugt davon, dass Manipulationen so gut wie nicht vorkommen.“ Dafür sorge auch die Tatsache, dass die Wahldaten im Wahllokal nur erhoben, nicht aber ausgewertet würden. „Wir können nicht sagen, wie viele Wähler für welchen Kandidaten oder welche Partei gestimmt haben. Das kann am Dienstagabend nur die Wahlkommission.“

Auf dem Parkplatz vor dem Wahllokal ist die Schlange der Wartenden in der Zwischenzeit noch ein wenig länger geworden. Zwei Anhänger der Demokraten tanzen mit Masken von Hillary Clinton und Barack Obama gut gelaunt zu Whitney Houstons „I wanna dance“, ein Helfer ermahnt die Wahlwerber, jenseits der gelben Linie zu bleiben, die auf dem Boden aufgemalt ist. Sie markiert die 100-Fuß-Linie um das Wahllokal, die in Ohio gesetzlich vorgeschrieben ist. Um eine Beeinflussung der Wähler zu vermeiden, darf Wahlkampf nur jenseits der Linie stattfinden, und auch die Presse darf Wähler nur außerhalb befragen.

Sie sind jetzt noch penibler in diesem Punkt; das ohnehin wichtige Thema Wählerbeeinflussung hat noch einmal einen neuen Schub bekommen, seit sich die Demokraten in Ohio über angebliche Einschüchterungsversuche von Wählern durch die Republikaner um Donald Trump beschwert haben. Ein Richter in Cleveland forderte am Freitag daraufhin Trumps Wahlkampfteam, aber implizit auch die Demokraten unter Androhung empfindlicher Strafen dazu auf, jegliche Form der Wählerbeeinflussung durch Freiwillige zu unterlassen. Demokraten hatten darüber geklagt, freiwillige Wahlhelfer von Trump hätten ihre Wähler eingeschüchtert, indem sie Fotos von ihnen machten oder sie nach ihrer Stimmabgabe zu ihrer Wahlentscheidung befragten und ihre Daten aufnahmen.

Zumindest vordergründig ist in Columbus an diesem Samstag aber nichts von einer illegalen Wählerbeeinflussung zu spüren. „Wir haben solche Fälle hier noch nicht gehabt, aber wenn wir so etwas mitbekommen würden, würden wir das sofort der Polizei übergeben“, sagt Sellers, der Sprecher des Wahlausschusses. Auch in der Schlange vor der Tür schütteln viele den Kopf. „Ich habe davon gelesen, aber in meinem Bekanntenkreis hat das noch niemand erlebt“, antwortet eine junge Frau. Auch der Mann neben ihr kann sich nicht an entsprechende Fälle erinnern.

Doch dann weiß die ältere Frau, die an der Ausfahrt des Parkplatzes steht, doch noch etwas zu sagen. Sie ist eine Republikanerin, die Werbung für den republikanischen Kandidaten als Generalstaatsanwalt macht, aber nicht für Trump stimmen will, weil der einfach nicht tragbar sei. „Ich habe von Leuten gehört, die vor dem Wahllokal von Fremden daraufhin angesprochen wurden, wie sie gewählt haben“, sagt sie. 

Man müsse einfach aufpassen bei dieser Wahl, schiebt sie dann noch hinterher. Bei dieser einzigartigen, verrückten Wahl.

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