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Fernsehdebatte : Alle gegen Bloomberg

  • -Aktualisiert am

Michael Bloomberg, Elizabeth Warren und Bernie Sanders stehen während einer Debatte auf der Bühne des Paris Theaters in Las Vegas Bild: CALLA KESSLER/The New York Times

Michael Bloomberg steigt erst spät in den Wahlkampf ein. Umso hitziger attackieren die übrigen Präsidentschaftsbewerber der Demokraten den Unternehmer nun in einer Fernsehdebatte.

          3 Min.

          Wenn die Demokraten am Samstag in Nevada über ihre Präsidentschaftsbewerber abstimmen, steht der Kandidat, der zuletzt die größte Aufregung hervorgerufen hat, gar nicht zur Wahl. Michael Bloomberg, der Milliardär und frühere New Yorker Bürgermeister, hat die Partei so aufgemischt, dass sie unfreiwillig einen Einblick in ihre wahre Seelenlage gewährte. Bei der Fernsehdebatte am Mittwochabend in Las Vegas vor dem „Caucus“ in dem Wüstenstaat erinnerte manches an die Präsentation der Republikaner vor vier Jahren.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Der Späteinsteiger ins Präsidentschaftsrennen, der erst am „Super Tuesday“ am 3. März, wenn in 14 Bundesstaaten gewählt wird, auf dem Wahlzettel stehen wird, war der Buhmann des Abends. Das lag daran, dass die Parteiorganisation eigens für ihn die Teilnahmekriterien für die Debatten geändert hatte. Und das lag auch daran, dass Bloomberg, der über ein Vermögen von rund 60 Milliarden Dollar verfügt und seinen Wahlkampf aus eigener Tasche finanziert, nach Meinung der Konkurrenz den Wettbewerb verzerrt.

          Höhepunkt der Debatte war ein Schlagabtausch zwischen dem Selfmade-Mann und dem selbsterklärten Sozialisten Bernie Sanders. Bloomberg hatte gleich zu Beginn der Debatte seine späte Kandidatur begründet: Sanders, der derzeit das Bewerberfeld anführt, habe keine Aussichten, im Herbst gegen Donald Trump zu gewinnen. Jemand, der 160 Millionen Amerikanern die Krankenversicherung wegnehmen wolle, habe „keine Chance“. Der Senator aus Vermont erwiderte: Es sei falsch, dass Bloomberg über so viel Geld verfüge wie 125 Millionen Amerikaner der unteren Einkommensklassen zusammengenommen.

          Bloomberg: Er habe das Geld nun einmal hart erarbeitet und auch Glück gehabt. Heute spende er viele Milliarden – unter anderem an die Demokratische Partei. Dann schaltete er richtig auf Angriff: Ob Sanders denn die Kapitalisten aus dem Land schmeißen wolle? Das alles habe man schon einmal probiert. Es habe Kommunismus geheißen und sei gescheitert. Sanders: „Das ist billig.“ Demokratischer Sozialismus sei etwas anderes. Bloomberg wiederum höhnte, Amerika sei ein „wunderbares Land“, in dem der bekannteste Sozialist ein Millionär sei, der drei Häuser besitze. Da fing Sanders an zu rechtfertigen, warum er ein Haus in Washington, eines in Burlington und zudem eines auf dem Lande in Vermont besitze. Trump dürfte seine Freude gehabt haben.

          Pete Buttigieg, der in den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire erfolgreichste moderate Demokrat, fragte entgeistert, ob man nach dem „Super Tuesday“ mit zwei polarisierenden Bewerbern an der Spitze aufwachen wolle: zur Linken der unabhängige Senator Sanders und zur Rechten der frühere Republikaner Bloomberg? „Warum nicht jemanden nehmen, der wirklich Demokrat ist?“, fragte Buttigieg.

          Bloomberg profitiert

          Der frühere Bürgermeister aus South Bend in Indiana beschrieb damit ziemlich exakt die derzeitige Lage: Die Demoskopen sagen Sanders nach seinen Erfolgen in Iowa und New Hampshire auch einen Sieg am Samstag in Nevada voraus. Und in South Carolina, wo eine Woche später gewählt wird, ist er Joe Biden dicht auf den Fersen. Der frühere Vizepräsident, der lange Zeit die landesweiten Umfragen anführte, steht nach seinen Niederlagen in den ersten Vorwahlen enorm unter Druck. Moderate Demokraten orientieren sich um: In den Umfragen profitiert Bloomberg davon am meisten.

          Die anderen moderaten Kandidaten, Buttigieg und Amy Klobuchar, versuchten sich in Las Vegas der politischen Mitte anzubieten, doch führte das nur dazu, dass beide sich fürchterlich in die Haare kriegten. Buttigieg erinnerte daran, dass die Senatorin aus Minnesota, die stets hervorhebt, wie gut sie sich in der Washingtoner Arena auskenne, kürzlich nicht habe sagen können, wie der mexikanische Präsident heiße.

          Der 38 Jahre alte Harvard-Absolvent, der selbst seinerzeit ohne jedes Zögern den Namen Andrés Manuel López Obrador abrufen konnte, setzte den Punkt bewusst: In Nevada geht es auch um die Stimmen der Latinos – und in dieser Gruppe tun sich sowohl Buttigieg als auch Klobuchar schwer. Die Senatorin jedenfalls zeigte Nerven und konterte schnippisch: Es könne ja nicht jeder so perfekt sein wie er. Buttigieg nahm das zufrieden lächelnd zur Kenntnis.

          Suche in der Mitte

          Elizabeth Warren, die zeitweise Sanders als linke Kandidatin Konkurrenz gemacht hatte, sucht nach ihrem bescheidenden Abschneiden in den ersten beiden Vorwahlen ihr Heil mittlerweile auch in der Mitte. In Las Vegas sprach sie kaum noch über ihre von Sanders geborgten Pläne einer Pflichtversicherung. Stattdessen versuchte auch sie, mit Attacken gegen Bloomberg Punkte zu machen. Sie wolle deutlich machen, gegen wen man antrete – gegen einen Milliardär, der Frauen „fette Weiber und lesbische Pferdegesichter“ nenne. In dessen Medienunternehmen habe ein frauenfeindliches Klima geherrscht. Und als Bürgermeister von New York habe er eine rassistische Polizeistrategie verteidigt.

          Auch Biden versuchte sich mit Attacken gegen Bloomberg wieder ins Gespräch zu bringen. Er forderte den Milliardär auf, frühere Mitarbeiterinnen, die ihn verklagt hätten, von ihren Verschwiegenheitsverpflichtungen zu entbinden, damit sie offen über die Zustände in seinem Unternehmen reden könnten. Und weil man gerade beim Thema Transparenz war: Seine Steuerbescheide müsse er auch öffentlich machen.

          Wie ernst die Lage für die Demokraten ist, machten die Bewerber ganz am Schluss deutlich. Da wurden sie gefragt, was man machen solle, wenn am Ende kein Kandidat über die absolute Mehrheit der Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag in Milwaukee verfüge. Nur Sanders forderte, dass dann die relative Mehrheit im ersten Wahlgang ausreichen solle. Alle anderen bekannten sich zum vereinbarten Verfahren, wonach in einem zweiten Wahlgang die nicht gewählten „Superdelegierten“ den Ausschlag geben sollten, also die Stimmen der Mandatsträger und Funktionäre. Es könnte ein heißer Sommer werden.

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