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Minderjährige Einwanderer : Das Kinder-Camp in Texas

Die Zeltstadt wurde im Juni für 400 Jugendliche errichtet. Mittlerweile sollen 1600 Minderjährige dort leben. Bild: Reuters

Hunderte Kinder, die ohne Papiere nach Amerika gekommen sind, landen in einer Zeltstadt in der texanischen Wüste. Die Trump-Regierung interniert hier immer mehr Minderjährige. So will sie zeigen, wie hart sie gegen „Illegale“ vorgeht. Mit einer schnellen Schließung rechnet keiner mehr.

  • -Aktualisiert am

          Zelte, die wie in einem Militärlager in Reihen angeordnet sind, dazwischen Kinder und Jugendliche im Gänsemarsch, am Rand ein paar Dixieklos: Luftaufnahmen eines Internierungs-Camps für unbegleitete minderjährige Einwanderer in Texas. Es liegt 35 Meile, etwa 56 Kilometer, entfernt von El Paso nahe der mexikanischen Grenze. Die Zeltstadt in der Wüste gibt es seit Juni, Aktivisten und Politiker wie der demokratische Senats-Kandidat Beto O'Rourke kritisieren sie schon seit dem ersten Tag als ein Mini-Gefängnis für Kinder. Doch in den vergangenen Tagen wurde klar, dass die Trump-Regierung das eigentlich als Provisorium gedachte Lager für die Lösung ihrer teils selbst geschaffenen Probleme in der Einwanderungspolitik hält. Hunderte Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Land werden seit einigen Wochen mit Bussen hier her gefahren. So will man Platz in den überfüllten Heimen schaffen – und die Abschiebung der Minderjährigen beschleunigen.

          Donald Trump lobt ihn gern als Erfolg seiner Politik: den „härteren“ Umgang mit Menschen, die ohne Papiere ins Land kommen. Dazu gehören auch unbegleitete Kinder und Jugendliche – und sie sind die schwächsten Leidtragenden der „Null Toleranz“-Politik. Seit dem vergangenen Jahr hat sich die Zahl der internierten Kinder und Jugendlichen von 2400 auf 12.800 verfünffacht. Das bedeutet nicht, dass mehr Minderjährige kommen, sondern dass die Behörden sie häufiger festsetzen. So will es der Präsident – es heißt aber auch, dass die Regierung Lösungen für fast 13.000 Kinder in ihrer Obhut finden muss.

          „Schule gibt es nicht“

          Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern kommen, landen bislang meist in privat betriebenen Heimen. Dort schlafen sie zu zweit oder zu dritt in einem Zimmer und können zur Schule gehen. Auch ihre Anwälte dürfen sie regelmäßig besuchen. Und die Behörden der Bundesstaaten haben die Aufsicht über diese Heime, setzen immerhin Mindeststandards. „Aber in den Reihen der sandfarbenen Zelte in Tornillo, Texas, schlafen Kinder in Gruppen von zwanzig, in Stockbetten, nach Geschlechtern getrennt“, berichtete die „New York Times“. „Schule gibt es nicht. Die Kinder bekommen Arbeitsbücher, die sie nicht durcharbeiten müssen. Der Kontakt zu Anwälten ist begrenzt.“ Beides sind entscheidende Unterschiede zu den etwa hundert Heimen.

          Ein im Juni herausgegebenes Handout der Regierung zeigt die Betten in den Zelten.

          Amerikanische Medien berichteten, dass hunderte Kinder und Jugendliche in den vergangenen Wochen nachts aus den Heimen abgeholt und auf die Reise nach Texas geschickt wurden. Dieses Vorgehen sei dazu da, möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Sozialarbeiter sagten, dass man nachts mit weniger Gegenwehr der Kinder zu rechnen habe. Aus den Heimen wurde berichtet, dass Mitarbeiter beim Abschied weinten; vereinzelt hätten sie auch versucht, zu protestieren.

          Jede Woche kommen jetzt Hunderte Minderjährige aus dem ganzen Land in der texanischen Wüste an. Bislang sollen es 1600 sein. Die Zelte sind klimatisiert und waren eigentlich nur als Provisorien gedacht. Als die Behörden im Juni die ersten Jugendlichen hierher brachten, sollte die Zeltstadt eigentlich nur 30 Tage lang in Betrieb bleiben und nur ältere Teenager beherbergen. Anfangs gab es 400 Plätze, nun sind es schon 3800 Betten und auch Kinder kommen hier an.

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