https://www.faz.net/-gpf-9f18v
Bildbeschreibung einblenden

Minderjährige Einwanderer : Das Kinder-Camp in Texas

Die Zeltstadt wurde im Juni für 400 Jugendliche errichtet. Mittlerweile sollen 1600 Minderjährige dort leben. Bild: Reuters

Hunderte Kinder, die ohne Papiere nach Amerika gekommen sind, landen in einer Zeltstadt in der texanischen Wüste. Die Trump-Regierung interniert hier immer mehr Minderjährige. So will sie zeigen, wie hart sie gegen „Illegale“ vorgeht. Mit einer schnellen Schließung rechnet keiner mehr.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Zelte, die wie in einem Militärlager in Reihen angeordnet sind, dazwischen Kinder und Jugendliche im Gänsemarsch, am Rand ein paar Dixieklos: Luftaufnahmen eines Internierungs-Camps für unbegleitete minderjährige Einwanderer in Texas. Es liegt 35 Meile, etwa 56 Kilometer, entfernt von El Paso nahe der mexikanischen Grenze. Die Zeltstadt in der Wüste gibt es seit Juni, Aktivisten und Politiker wie der demokratische Senats-Kandidat Beto O'Rourke kritisieren sie schon seit dem ersten Tag als ein Mini-Gefängnis für Kinder. Doch in den vergangenen Tagen wurde klar, dass die Trump-Regierung das eigentlich als Provisorium gedachte Lager für die Lösung ihrer teils selbst geschaffenen Probleme in der Einwanderungspolitik hält. Hunderte Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Land werden seit einigen Wochen mit Bussen hier her gefahren. So will man Platz in den überfüllten Heimen schaffen – und die Abschiebung der Minderjährigen beschleunigen.

          Donald Trump lobt ihn gern als Erfolg seiner Politik: den „härteren“ Umgang mit Menschen, die ohne Papiere ins Land kommen. Dazu gehören auch unbegleitete Kinder und Jugendliche – und sie sind die schwächsten Leidtragenden der „Null Toleranz“-Politik. Seit dem vergangenen Jahr hat sich die Zahl der internierten Kinder und Jugendlichen von 2400 auf 12.800 verfünffacht. Das bedeutet nicht, dass mehr Minderjährige kommen, sondern dass die Behörden sie häufiger festsetzen. So will es der Präsident – es heißt aber auch, dass die Regierung Lösungen für fast 13.000 Kinder in ihrer Obhut finden muss.

          „Schule gibt es nicht“

          Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern kommen, landen bislang meist in privat betriebenen Heimen. Dort schlafen sie zu zweit oder zu dritt in einem Zimmer und können zur Schule gehen. Auch ihre Anwälte dürfen sie regelmäßig besuchen. Und die Behörden der Bundesstaaten haben die Aufsicht über diese Heime, setzen immerhin Mindeststandards. „Aber in den Reihen der sandfarbenen Zelte in Tornillo, Texas, schlafen Kinder in Gruppen von zwanzig, in Stockbetten, nach Geschlechtern getrennt“, berichtete die „New York Times“. „Schule gibt es nicht. Die Kinder bekommen Arbeitsbücher, die sie nicht durcharbeiten müssen. Der Kontakt zu Anwälten ist begrenzt.“ Beides sind entscheidende Unterschiede zu den etwa hundert Heimen.

          Ein im Juni herausgegebenes Handout der Regierung zeigt die Betten in den Zelten.

          Amerikanische Medien berichteten, dass hunderte Kinder und Jugendliche in den vergangenen Wochen nachts aus den Heimen abgeholt und auf die Reise nach Texas geschickt wurden. Dieses Vorgehen sei dazu da, möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Sozialarbeiter sagten, dass man nachts mit weniger Gegenwehr der Kinder zu rechnen habe. Aus den Heimen wurde berichtet, dass Mitarbeiter beim Abschied weinten; vereinzelt hätten sie auch versucht, zu protestieren.

          Jede Woche kommen jetzt Hunderte Minderjährige aus dem ganzen Land in der texanischen Wüste an. Bislang sollen es 1600 sein. Die Zelte sind klimatisiert und waren eigentlich nur als Provisorien gedacht. Als die Behörden im Juni die ersten Jugendlichen hierher brachten, sollte die Zeltstadt eigentlich nur 30 Tage lang in Betrieb bleiben und nur ältere Teenager beherbergen. Anfangs gab es 400 Plätze, nun sind es schon 3800 Betten und auch Kinder kommen hier an.

          Weitere Themen

          „Vollständig außer Kontrolle“

          Missbrauch auf Mallorca : „Vollständig außer Kontrolle“

          Nach der Vergewaltigung einer Dreizehnjährigen auf der spanischen Ferieninsel werden weitere Details bekannt. Die Sozialbehörde räumt ein, dass organisierte Rekrutierungsnetzwerke für die Prostitution von Minderjährigen existierten.

          Möglicher Bundeswehr-Einsatz in Libyen Video-Seite öffnen

          Klausurtagung Hamburg : Möglicher Bundeswehr-Einsatz in Libyen

          Zum Auftakt der zweitägigen Klausurtagung standen Themen wie Sicherheit und Verteidigung auf der Tagesordnung. Die CDU-Bundesvorsitzende und Verteidigungsministerin skizziert, welche Gedanken sich die Bundeswehr bei einem anhaltenden Waffenstillstand in Libyen machen muss.

          Wildwest-Methoden im Osten

          Trumps Ukraine-Affäre : Wildwest-Methoden im Osten

          Immer mehr Details kommen über die Schmutzkampagne von Trump-Anwalt Rudy Giuliani in der Ukraine ans Licht. Nun kooperiert dessen Geschäftspartner Lev Parnas mit den Behörden. Kann er Donald Trump schaden?

          Topmeldungen

          IBMs Quantencomputer „System Q“ ist auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas zu sehen.

          Quantencomputer : Die nächste Revolution

          Quantencomputer können Verschlüsselungen knacken, neue Batterien entdecken und an Finanzmärkten Geld verdienen. Und das sind nur die Möglichkeiten, die bisher bekannt sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.