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Amerikanische Präsidentenwahl : Die Zeichen stehen auf Konflikt

  • -Aktualisiert am

Die letzten zwei Tage Wahlkampf sind auch für Donald Trump angebrochen. Bild: Reuters

Nach der Wahl wird es ungewöhnlich schwer, Amerika zu einen, ganz gleich, wer am Dienstag gewinnt. Das zeigt die andauernde Schlammschlacht zwischen Clinton und Trump. Selbst einige ranghohe Republikaner machen sich darüber Sorgen.

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          Von den freundlicheren Tönen, die Präsidentschaftskandidaten normalerweise in den finalen Tagen des Wahlkampfs an den Tag legen, um die Wogen nach der Wahl einfacher glätten zu können, ist bei Twitter nichts zu sehen. Auch noch zwei Tage vor der Wahl hetzt Clintons Team in dem sozialen Netzwerk über Trump, vergleicht ihn mit dem Ku Klux Klan und teilt abermals das Video aus dem Jahr 2005, in dem der Republikaner zutiefst abwertend über Frauen redet. Aber auch „The Donald“ lässt bei Twitter weiterhin nicht vom Thema E-Mails und Wikileaks ab.

          Es ist fast schon bewundernswert, wie Trump bei seinem straffen Programm die Zeit findet, so aktiv in die Tasten zu hauen. Denn auch am Sonntag ist er wieder quer im ganzen Land unterwegs, hält Reden in Iowa, Minnesota, Michigan, Pennsylvania und Virginia. In New Hampshire ist derweil Tochter Ivanka für Trump auf Tour. Der Terminplan des Republikaners deutet darauf hin, dass er es wohl auf einige Staaten abgesehen hat, die in der Vergangenheit eher demokratisch gewählt haben. Das könnte Trumps Plan B sein, seitdem die ersten Ergebnisse von den vorzeitig abgegebenen Wahlzetteln zeigen, dass Latinos in diesem Jahr bisher überwiegend demokratisch gewählt haben.

          Auf diesen ersten Ergebnissen ruht sich Clinton jedoch nicht aus. Auf ihrer Internetseite sind für Sonntag ganze 22 Veranstaltungen eingetragen, die meisten von ihren hochrangigen Unterstützern. Auch Präsident Obama wird heute nochmals für sie in Florida das Wort ergreifen. Die Demokratin selbst wird gemeinsam mit Basketballlegende LeBron James in Cleveland, Ohio, auf der Bühne stehen. Darüber hinaus werden mehrere ihrer Unterstützer im Fernsehen sprechen, darunter Vizekandidat Tim Kaine beim Sender „CBS“.

          Republikaner warnt vor dramatischer Polarisierung

          Auch Trumps Verbündete sind am Sonntag in der ein oder anderen Talkshow zu Gast. Newt Gingrich, der zuweilen als heißer Kandidat für Trumps Vize gehandelt wurde, war am Morgen (Ortszeit) beim Sender „NBC“ zu sehen. Im Interview gab sich Gingrich, der Paul Ryans Vorgänger als Sprecher des Repräsentantenhauses war, kritisch – gegenüber beiden Seiten. Clinton griff er wegen ihrer Unehrlichkeit an, aber auch Trump wäre besser dran, wenn er mehr Disziplin gezeigt hätte, so Gingrich. Der Republikaner warnte davor, dass die nächsten Jahre von einer dramatischen Polarisierung im Land geprägt sein würden, die sich, anders als sonst, nicht einfach nach dem Wahltag überwinden lassen werde.

          Paul Ryan selbst verteidigte am Samstagabend (Ortszeit) als Gast bei „CNN“ seine Unterstützung für Trump, den er in der Vergangenheit oft öffentlich kritisiert hatte. „Ich habe mich verpflichtet gefühlt, etwas zu sagen, wenn etwas schief gelaufen ist, etwas, dass nicht meine Einstellung reflektiert,“ sagte Ryan über seine Kritik an Trump. „Aber ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir den Obersten Gerichtshof mit guten Leuten besetzen.“ Darüber hinaus sagte Ryan, dass Trumps Agenda viel eher durchkommen würde als die von Hillary Clinton, die im Prinzip eine dritte Amtszeit von Obama reflektieren würde. „Ich glaube nicht, dass das für unser Land gut wäre,“ so Ryan.

          Was außerdem wichtig ist

          Ob Trump oder Clinton, der nächste Präsident wird auf das Repräsentantenhaus und den Senat angewiesen sein, um Gesetze zu verabschieden. Während Obamas zweiter Amtszeit hatten die Republikaner in beiden Häusern eine komfortable Mehrheit, doch jetzt ist es gut möglich, dass sich die Demokraten den Senat zurückholen. Verschiedenen Umfragen zufolge stehen die Chancen dafür Fünfzig-Fünfzig. Eng könnte es vor allem in New Hampshire, Missouri und Nevada werden.

          In Florida, einem der entscheidenden Staaten für das Rennen um die Präsidentschaft, kandidiert übrigens der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Marco Rubio für den Senat – mit einem derzeit großzügigen Vorsprung in den Umfragen. Im Repräsentantenhaus dagegen haben die Demokraten so gut wie keine Chance, die Mehrheit zu holen.

          Was Sie lesen sollten

          Wie könnten die Demokraten die Mehrheit im Senat gewinnen? Die Wahlprognosen-Seite „FiveThirtyEight“ hat sämtliche Umfragen interaktiv und nutzerfreundlich aufgearbeitet. Die wichtigsten zwölf Staaten für den Sieg im Senat, und wer dort gegen wen antritt, erklärt die „Washington Post“ hier.

          Wie es in den Wahllokalen, in denen vorzeitig gewählt werden kann, zugeht, hat F.A.Z.-Politikredakteur Oliver Georgi hier für Sie aufgeschrieben. Mit dabei ist ein Video von Abraham Lincoln, der jetzt demokratisch wählt.

          Wie sehr sich Amerika das Ende des wohl schmutzigsten Wahlkampfs der jüngeren Geschichte herbeiwünscht, zeigt eine Auswahl an politischen Cartoons aus der Zeitschrift „The New Yorker“. In einem Cartoon heißt es – kurz vor der Wahl am Dienstag: „Das Ende ist nah!“

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