https://www.faz.net/-gpf-9uk75

Impeachment eröffnet : Trumps kalkulierte Maßlosigkeit

Trump-Gegner demonstrieren in New York für die Amtsenthebung des Präsidenten Bild: AFP

Trump spricht von einem Putschversuch. Das Amtsenthebungsverfahren dürfte seine Chancen auf eine zweite Amtszeit aber eher vergrößern. Und er dürfte das wissen.

          1 Min.

          Das Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump wird aller Voraussicht nach so enden wie die früheren Versuche, einen amerikanischen Präsidenten abzusetzen: Mit einer Niederlage derjenigen, die diesen Versuch unternommen haben. Im Falle Trumps wird dafür die republikanische Mehrheit im Senat sorgen, die ihrem Mann im Weißen Haus die Treue hält, so unberechenbar er auch ist.

          Trump hätte also ganz gelassen reagieren können – wenn er nicht Trump hieße. Ein Egomane wie er vermag schon aus gekränkter Eitelkeit nicht zu schweigen, bis die Anklage im Senat abgewiesen wird. Und welcher Präsident würde in einem solchen Fall die Gelegenheit auslassen, die eigenen Reihen zu schließen und die schwachen Punkte der Kritiker anzugreifen?

          Trump tut das freilich auf eine Art, die wahrhaft das Attribut einzigartig verdient. Verfassungsbruch, Putschversuch, Lügen, Justizbehinderung, „offener Krieg gegen die Demokratie“ – wenn stimmte, was der Präsident den Demokraten und namentlich Nancy Pelosi vorwirft, dann befände Amerika sich in der schwersten Krise seit dem Bürgerkrieg. Mit solchen Behauptungen und Begriffen begründen üblicherweise autoritäre Herrscher, warum sie die Macht übernehmen müssten.

          Trumps Sechs-Seiten-Tweet

          Auch die Demokraten stellten im Ringen mit Trump fragwürdige Behauptungen auf. Doch halten sie sich an das in der Verfassung vorgesehene Verfahren, in dessen Verlauf alle Beschuldigungen überprüft werden.

          Trumps sechs Seiten langer Tweet an Pelosi, die Republikaner im Senat, seine Anhänger im ganzen Land und die in hundert Jahren lebenden Amerikaner stellt in seiner kalkulierten Maßlosigkeit alles in den Schatten, was Trump bisher von sich gab. Sein Geschäftsmodell ist die Spirale: Ein Wutpräsident, der von Wutbürgern gewählt wurde und wiedergewählt werden will, kann nicht kleinlaut werden – er muss immer noch einen drauflegen.

          Dieser Drang ließe wohl auch in einer zweiten Amtszeit nicht nach. Trump weiß, das zeigt auch sein Vergeltungsschlag, dass der angebliche Putschversuch seine Chancen eher vergrößert als verkleinert, sein größtes Ziel zu erreichen.

          Weitere Themen

          Trump macht Barr das Leben schwer

          Amerikanische Justiz : Trump macht Barr das Leben schwer

          Der Präsident und sein Justizminister streiten darüber, wer der oberste Gesetzeshüter des Landes ist. Und Donald Trump erregt wieder Aufmerksamkeit mit einer Reihe von Begnadigungen und Strafmilderungen.

          Elf Tote bei Schießereien Video-Seite öffnen

          Hanau : Elf Tote bei Schießereien

          Bei Schießereien im hessischen Hanau sind elf Menschen gestorben, darunter auch der mutmaßliche Schütze.

          Topmeldungen

          Der Milliardär Michael Bloomberg (links) in seiner ersten Fernsehdebatte zur Präsidentschaftskandidatur der amerikanischen Demokraten am Mittwoch in Las Vegas

          Fernsehdebatte der Demokraten : Bloomberg im Kreuzfeuer

          Zum ersten Mal nimmt Michael Bloomberg an einer Fernsehdebatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber teil. Sofort ist der „arrogante Milliardär“ der Lieblingsfeind seiner Konkurrenten. Doch er teilt auch aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.