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Weltweite Umfrage : So schadet Trump dem Image Amerikas

  • Aktualisiert am

Proteste beim Besuch von Donald Trump in Rom im Mai 2017 Bild: Reuters

Charakterlich ungeeignet, politisch auf dem Holzweg: Das Bild Donald Trumps ist bei vielen Menschen auf der ganzen Welt das gleiche. Längst hat seine Politik negativen Einfluss auf das globale Ansehen der Vereinigten Staaten.

          Nach der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten hat das Image der Vereinigten Staaten im Ausland nachhaltig gelitten. Das geht aus einer am Montagabend (Ortszeit) veröffentlichten Erhebung des Forschungszentrums Pew Research in Washington hervor, für die in 37 Ländern rund 40.000 Menschen befragt wurden. Demnach haben nur 22 Prozent der Befragten Vertrauen in Trumps Außenpolitik. Unter seinem Vorgänger Barack Obama seien es zum Ende von dessen Amtszeit noch 64 Prozent gewesen.

          Das Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten ist besonders bei Amerikas engsten Verbündeten in Europa und Asien deutlich gewachsen, aber auch in den Nachbarstaaten Mexiko und Kanada. In Ländern, in denen das Vertrauen in Trump stark gesunken ist, ist nach der Umfrage auch das generelle Bild Amerikas besonders getrübt. In der Endphase Obamas hatten in diesen Ländern im Schnitt 64 Prozent der Befragten ein positives Bild der Vereinigten Staaten. Jetzt sind es nur noch 49 Prozent.

          Nur 16 Prozent der Umfrageteilnehmer unterstützen demnach die Pläne Trumps zum Mauerbau an der Grenze zu Mexiko, 76 Prozent der Befragten lehnen sie ab. Überhaupt ist der Widerstand gegen Trumps Vorhaben besonders beim Nachbarn Mexiko immens. 94 Prozent lehnen den Mauerbau dort ab. Auch in anderen lateinamerikanischen Staaten und in Europa stößt sein Vorhaben auf Widerstand. Das gilt auch für den Rückzug aus internationalen Handelsbeziehungen (72 Prozent dagegen) und Trumps Kurswechsel in der Klimapolitik (71 Prozent dagegen). Auch die Einreisebeschränkung für Bürger aus mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern wird bei der Mehrheit der Befragten kritisch gesehen: 62 Prozent lehnen sie ab.

          Donald Trump ist nicht der einzige politische Führer, dem in der Umfrage viele Menschen nicht vertrauen

          Charakterlich ungeeignet

          Auch, was die charakterliche Eignung Trumps für das Amt des Präsidenten angeht, haben die meisten ein klares Bild: 75 Prozent der Befragten gaben an, Trump sei arrogant, 65 Prozent halten ihn für intolerant, 62 Prozent gar für gefährlich. Nur 55 Prozent beschreiben Trump als starken Führer, 39 Prozent halten ihn für charismatisch, 26 Prozent glauben, er sei gut geeignet für das Amt des Präsidenten. Nur 23 Prozent der Befragten finden, dass Trump sich um die Anliegen normaler Menschen kümmert.



          Laut der Umfrage genießt Donald Trump nur in Russland und Israel ein größeres Vertrauen als Obama. Vor allem in Russland ist das Vertrauen in Trump mit 53 Prozent höher als jemals bei Barack Obama und George W. Bush. Auch das Vertrauen in Amerika ist in Russland mit 41 Prozent derzeit deutlich höher als in den letzten Obama-Jahren, als es nach 2014 auf nur noch elf Prozent sank. Unter George W. Bush war das Vertrauen in Amerika unter den Russen mit 8 Prozent nach 2002 auf einem Tiefpunkt.

          Viel Vertrauen in Angela Merkel

          In Israel ist das Vertrauen in die Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren annähernd konstant geblieben – und hat auch durch Donald Trump im Weißen Haus nicht gelitten. 81 Prozent der Israelis haben Vertrauen in Amerika, so viel wie in den letzten Amtsjahren von Obama, auch wenn die Zustimmung in seiner Präsidentschaft mit 84 Prozent zeitweilig noch ein wenig höher war. Das Vertrauen in den amerikanischen Präsidenten allerdings ist in Israel durch Donald Trump wieder gestiegen: 56 Prozent der Befragten gaben an, Trump zu vertrauen – damit hat der Republikaner mehr Rückhalt in Israel als Obama in seinen letzten Amtsjahren. 2015 war das Vertrauen in ihn in Israel auf einen Tiefpunkt von 49 Prozent gefallen.



          Donald Trump ist allerdings nicht der einzige politische Führer, dem viele Menschen auf der Welt nicht vertrauen. Auch der chinesische Präsident Xi Jinping und der russische Präsident Wladimir Putin schneiden in der Umfrage schlecht ab, wenn auch nicht so schlecht wie Trump. In den 37 befragten Ländern äußerten nur 28 Prozent Vertrauen für Xi, 27 Prozent für Putin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gilt vielen hingegen als sehr vertrauenswürdig: 42 Prozent der Befragten gaben an, Merkel zu vertrauen. Bei den Befragten in Europa sagten das sogar 60 Prozent – und das auch bei der politischen Linken, wie die Studie ergab. 





          Die Amerikaner sind weiter beliebt

          Wenig überraschend: In Deutschland unterscheidet sich die Bewertung von Obama und Trump fundamental. Während der Demokrat hierzulande teilweise auf eine Zustimmungsrate von 93 Prozent kam (2009) und auch am Ende seiner Präsidentschaft 2016 noch bei 86 Prozent lag, ist die Zustimmung für Trump seither auf 11 Prozent abgestürzt. Und mit ihr das Vertrauen in Amerika: Vor der Wahl Donald Trumps gaben noch 57 Prozent der Befragten an, Vertrauen in die Vereinigten Staaten zu haben – jetzt sind es nur noch 35 Prozent. Schlechter war dieser Wert bislang nur 2005, zu Beginn der zweiten Amtszeit von George W. Bush. Damals hatten nur 30 Prozent der Deutschen Vertrauen in die Vereinigten Staaten.

          Doch das positive Bild, das viele Menschen abseits der politischen Führung von den Amerikanern haben, wird auch durch Donald Trump nicht getrübt. 58 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten eine positive Einstellung gegenüber den Amerikanern – vor allem in Asien und Europa. Auch die amerikanische Kultur wird weiter hoch geschätzt. Auch die amerikanische Kultur in Form von Musik, Kino und Fernsehen wird vielerorts auf der Welt geschätzt: 43 Prozent der Befragten gaben in der Umfrage an, diese Dinge zu mögen.

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