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White House Briefing : Zwischen Michigan und Moskau

  • -Aktualisiert am

Donald Trumps mögliche Verbindungen zu Moskau werden Wahlkampfthema. Bild: AP

Während Trump die E-Mail-Affäre seiner Kontrahentin ausschlachtet, kritisiert Clintons Wahlkampfteam abermals Trumps fragwürdige Nähe zu Russland – und das FBI. Wilde Gerüchte, wiederentdeckte Botschaften und neue Umfrageergebnisse sorgen für Spannung.

          Heute in einer Woche dürfte klar sein, wer auf Präsident Obama ins Weiße Haus folgt. Es sei denn, in den Wahllokalen kommt es zu technischen Aussetzern oder die Kandidaten liegen in dem ein oder anderen Swing State so eng beieinander, dass nochmal ausgezählt werden muss. Oder oder oder. In diesem völlig verrückten Wahljahr scheinen viele Szenarien möglich.

          Damit Sie im Wahlkampf-Endspurt nicht den Überblick verlieren, wollen wir Sie bis zum 8. November an dieser Stelle jeden Morgen auf den neuesten Stand bringen.

          Das ist der aktuelle Stand:

          Das wildeste Gerücht zuerst: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump werde vom russischen Geheimdienst erpresst und befinde sich in regelmäßigem Informationsaustausch mit russischen Agenten. Das berichtet unter anderem der in Geheimdienstkreisen gut vernetzte Journalist David Corn unter Berufung auf einen ehemaligen Spion. Auf Twitter wird am Dienstag sofort über ein angebliches Sex-Video mit Trump spekuliert, das auf einer seiner Russland-Reisen entstanden sein könnte.
           
          Auch wenn das alles vielleicht doch etwas zu sehr nach James Bond klingt, das Thema Russland beziehungsweise die Verbindungen zwischen Trumps Kampagne und Moskau befeuern den Wahlkampf in jedem Fall. Führende Demokraten beschuldigen das FBI weiterhin, auf belastendem Material zu Trumps Russland-Kontakten zu sitzen und, im Gegensatz zu den Ermittlungen zu Clintons E-Mail-Affäre, die Öffentlichkeit bewusst nicht darüber zu informieren. Der Fernsehsender NBC berichtet, dass die amerikanische Bundespolizei inzwischen unter anderem gegen Trumps ehemaligen Wahlkampfchef Paul Manafort ermittele. Im Fokus sollen fragwürdige Verbindungen nach Russland und in die Ukraine stehen.
           
          Und was macht das FBI sonst noch? Es veröffentlicht ausgerechnet jetzt einen alten Untersuchungsbericht zu einer umstrittenen Amnestieentscheidung von Ex-Präsident Bill Clinton. Eine Provokation gegen die Clinton-Kampagne? Vielleicht. Hillary und ihre Leute zumindest schäumen vor Wut. FBI-Chef James Comey wird, ob gewollt oder nicht, immer mehr zum Wahlkampfakteur.
           
          Das wird heute wichtig:
           
          Beide Kandidaten touren weiter unermüdlich durch das Land. Clinton tritt in Arizona auf, in Michigan wird ihr mal wieder ihr einstiger Vorwahlrivale Bernie Sanders unter die Arme greifen. Der ist gerade bei jungen Wählern immer noch äußerst beliebt. Für Donald Trump stehen unterdessen drei Termine in Florida an, bevor er nach New York zurückreist, um seine Frau Melania einzusammeln, die am Donnerstag mit ihm zusammen in Pennsylvania auf der Bühne stehen wird.  
           
          Inhaltlich spannend wird vor allem zu sehen sein, ob die Trump-Kampagne es schaffen wird, Clintons E-Mail-Affäre weiter auszuschlachten. Ansonsten dürfte sich der republikanische Kandidat weiterhin vor allem auf das Thema Krankenversicherung stürzen. Seitdem bekannt wurde, dass die Beiträge vieler Amerikaner im nächsten Jahr steigen werden, wettert Trump lauter denn je gegen „Obamacare“.
           
          Clinton wiederum will die neu entfachte Diskussion über die Nutzung eines privaten E-Mail-Servers in ihrer Zeit als Außenministerin endlich abschütteln. Im Wettstreit mit Trump versucht sie (neben den eingangs erwähnten Anschuldigungen bezüglich dessen Russland-Kontakten) zudem nun vor allem wieder Trumps respektloses Verhalten gegenüber Frauen auf die Agenda zu setzen. Auch Trumps dubiose Steuertricksereien, über die die „New York Times“ zuletzt abermals ausführlich berichtet hatte, dürften ein großes Clinton-Thema bleiben.
           
          Das zeigen die Umfragen:
           
          Kein Tag vergeht ohne neue Umfrageergebnisse und das Rennen scheint enger zu werden. So liegt Trump in gleich zwei am 1. November veröffentlichten Erhebungen auf nationaler Ebene vor Clinton, wenn auch nur knapp. Betrachtet man alle Umfragen, liegt insgesamt weiterhin Clinton in Front – vor allem wenn man sich die zu erwartende Verteilung der Wahlmänner anschaut, die in den einzelnen Staaten vergeben werden. Nur auf die kommt es am 8. November schließlich an.
           
          Um auf die Mehrheit von 270 Wahlmännern zu kommen, muss Trump nahezu alle heiß umkämpften Staaten holen, aber auch mindestens einen großen Staat, in dem die Demokraten derzeit noch deutlich vorne liegen, „umdrehen“ (Michigan oder Pennsylvania zum Beispiel). Die „Road to 270“ bleibt also steinig für Trump, aber es gibt einen Hoffnungsschimmer für ihn: Der Enthusiasmus der Clinton-Unterstützer, auch das zeigen Umfragen, ist zuletzt deutlich zurückgegangen. Weitere Spannung ist also garantiert.


















           
          Das sollten Sie sich näher anschauen:
           
          Die Plattform „RealClearPolitics“ veröffentlicht Tag für Tag alle öffentlich zur Verfügung stehenden Umfrageergebnisse. Tauchen Sie ein in die Welt der Demoskopen und erkunden Sie die „Road to 270“:
           
          Die „Washington Post“ schaut auf die (dramatisch schlechten) Beliebtheitswerte von Donald Trump und Hillary Clinton und vergleicht sie mit Zustimmungsraten anderer (mehr oder weniger beliebter) Personen und Institutionen. Hätten Sie gedacht, dass die Amerikaner ihre Waffenlobby mehr schätzen als ihre Präsidentschaftsanwärter?
           
          Sie wollen mehr wissen über Trumps angebliche Verbindungen zum russischen Geheimdienst? Hier finden Sie David Corns eingangs erwähnten Artikel. Entscheiden Sie selbst, ob Sie der Sache Glauben schenken oder nicht:
           
          Mein Kollege Oliver Georgi hat in New York mit begeisterten Trump-Fans und glühenden Trump-Gegnern gesprochen. Stimmen aus einem gespaltenen Land.









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