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Hillary Clinton nominiert : Der große Riss in der gläsernen Decke

Geschichte geschrieben: Am 7. Juni verkündete Clinton, sie habe genug Delegierte für die Nominierung erreicht. Bild: AFP

Die Hürden, die Frauen am Aufstieg hindern, will Hillary Clinton mit ihrer Kandidatur einreißen. Fragt sich nur, ob das reicht, um Wähler davon zu überzeugen, für sie zu stimmen.

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          Jetzt ist es amtlich: Hillary Clinton ist die erste Frau, die von einer der beiden großen amerikanischen Parteien als Kandidatin für den Kampf um das Weiße Haus nominiert worden ist. Das ist ein politisches Ereignis von historischer Bedeutung. Vor acht Jahren war die damalige Senatorin und ehemalige First Lady noch im Vorwahlkampf der Demokraten Barack Obama unterlegen, der dann einen großen Sieg in der Präsidentenwahl errang. Gut möglich, dass also eine Frau auf den ersten Schwarzen im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten folgt. Ihre Nominierung feierte Clinton, wie es sich für eine Demokratin gehört, als „größten Riss“ in der „gläsernen Decke“, die den Aufstieg von Frauen behindere.

          Es fragt sich nur, wie viele Wähler dieses historische Novum so beeindruckt, dass sie tatsächlich schon deswegen für die Kandidatin Clinton stimmen werden, die, an der Seite ihres Mannes Bill, vor gut 23 Jahren schon einmal in das Weiße Haus eingezogen war.

          Schließlich ist Hillary Clinton eine Politikveteranin, die seit Jahrzehnten eine prominente Rolle in der Politik ihres Landes spielt. Im Vorwahlkampf gelang es ihr nur mit Mühe, den innerparteilichen Konkurrenten Sanders abzuwehren. Leichter wird der Hauptwahlkampf nicht werden, auch nicht gegen einen Donald Trump, den Populisten, den viele schon charakterlich für ungeeignet halten für das höchste Amt im Staate; von seinen programmatischen Kapriolen abgesehen.

          Politische Erfahrung ist nicht unbedingt ein Bonus

          Denn auch Hillary schlägt großes Wählermisstrauen entgegen, das sich, sogar an der demokratischen Basis, bis zum Hass steigern kann; ihre Glaubwürdigkeit wird massiv in Zweifel gezogen. Und in einer Wahlsaison, in welcher der Populismus und der Zorn auf die Eliten wüten, ist politische Erfahrung nicht unbedingt ein Bonus, vorsichtig formuliert. Wenn Bill Clinton seine Frau rührend als Kraft des Wandels preist, steht das einer Wahrnehmung entgegen, die Hillary Clinton mit dem Status quo assoziiert, mit Establishment und einem politischen System, das dysfunktional geworden ist.

          Trotz alledem hat Hillary Clinton, die Kandidatin der Demokraten, viele Wählergruppen auf ihrer Seite. Den Status der Favoritin hat sie. Und anders als ihr republikanischer Gegner Trump verfügt sie über eine hochtourig arbeitende, gut geölte Wahlkampfmaschine. Aber auch sie steht vor Hürden, die erst noch überwunden werden wollen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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