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TV-Duell in Amerika : Clintons Chance und Trumps Risiko

  • -Aktualisiert am

Letzte Vorbereitungen auf das erste TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump Bild: AFP

Das erste TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump markiert den bisherigen Höhepunkt im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Der enorme Druck auf beiden Kandidaten steigt stetig. Und Trump beschwert sich schon im Vorfeld.

          Es ist angerichtet. Auf dem Campus der Hofstra-Universität in Hempstead auf Long Island im Bundesstaat New York laufen die allerletzten Vorbereitungen. Hier, wo normalerweise Vorlesungen besucht oder Sportmannschaften angefeuert werden, ist in den vergangenen Wochen ein riesiges Fernsehstudio entstanden. „Es ist alles sehr aufregend“, sagt die Psychologie-Studentin Erin Casey, die nächstes Jahr ihren Abschluss machen wird und in diesen Tagen als Freiwillige im Uni-Medienzentrum aushilft.

          Einen der begehrten Plätze in der Basketballarena, in der das Live-Duell am Montagabend (3 Uhr am Dienstagmorgen deutscher Zeit) ausgetragen wird, hat sie leider nicht ergattern können. „200 Kommilitonen haben Glück gehabt und ein Ticket zugelost bekommen, der Rest von uns wird sich die Debatte vor einer der vielen Großleinwände anschauen“.

          Wie viele Fernsehzuschauer werden dabei sein?

          Die im Vorfeld des TV-Duells wohl am heißesten diskutierte Frage ist eine, die niemand der zahlreichen Experten beantworten kann: Wie viele Zuschauer, von denen die große Mehrheit wahlberechtigte Amerikaner sein werden, werden die Debatte an den Bildschirmen verfolgen? „Mehr als 100 Millionen“, sagen besonders optimistische Medienvertreter, andere gehen eher von „80 bis 100 Millionen“ aus. Dass es dieses Jahr mehr Zuschauer werden als die 67,2 Millionen Amerikaner, die 2012 das meistbeachtete Duell zwischen Präsident Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney sahen, gilt als ausgemacht.

          Gut möglich sogar, dass der Rekord aus dem Jahr 1980 (Reagan gegen Carter, fast 81 Millionen Zuschauer) übertroffen wird, zumal dieses Jahr (allein in den Vereinigten Staaten) mehr zwölf Fernsehsender übertragen und die Debatte zudem auch bei Youtube, Facebook, Twitter und anderen Social-Media-Diensten live zu sehen sein wird. Fest steht: Derart ungeteilt wie an diesem Abend ist die Aufmerksamkeit der amerikanischen Öffentlichkeit sonst nur beim alljährlichen Super-Bowl-Finale. Wobei es beim American Football, anders als bei den Präsidentschaftsdebatten, Werbeunterbrechungen bei den Fernsehübertragungen gibt.

          Wer moderiert?

          Die zuständige Kommission der Präsidentschaftsdebatten, die die insgesamt vier TV-Duelle (drei zwischen Trump und Clinton, eine Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten Tim Kaine und Mike Pence) produziert, hat die Gastgeber bereits vor einigen Wochen auserkoren. Demnach wird das erste Duell von NBC-Starmoderater Lester Holt geleitet. Der 57-Jährige, der bei seinem Sender die „NBC Nightly News“, eine der meistgesehenen Abendnachrichtensendungen des Landes, moderiert, gilt als erfahren, themensicher und unabhängig. Letzteres hielt den republikanischen Kandidaten Donald Trump allerdings nicht davon ab, sich beim konservativen Talkshow-Haudegen Bill O’Reilly auf Fox News über die angeblich ungerechte Moderatorenwahl zu beschweren.

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          „Lester ist ein Demokrat“, so Trump zu O’Reilly über Holt. „Das sind alles nur Demokraten, es ist ein sehr unfaires System“. Die Tatsache, dass Holt seit 2003 als Republikaner registriert ist, scheint Trump entweder nicht zu wissen oder es nicht zu glauben. Vielleicht versucht der Kandidat so aber auch einfach nur, schon im Vorfeld ein wenig Druck von sich selbst zu nehmen, um dann seinen Auftritt im Nachhinein erfolgreicher aussehen lassen zu können.

          Und noch eine andere Aussage Trumps sorgt in Bezug auf den Moderator des TV-Duells für Verwunderung. So erklärte er am Donnerstag in einem Telefoninterview, dass er nicht wolle, dass Holt während der Live-Debatte von den Kandidaten getroffene Aussagen einem Faktencheck unterziehe. Das sollten, so Trump, die Kandidaten lieber einfach „unter sich ausdiskutieren“.

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