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Unterwegs in New York : „Ich glaube an das Wunder, dass Trump gewinnt“

  • -Aktualisiert am

Trump-Anhänger harren am Wahltag vor dem gleichnamigen Tower des republikanischen Kandidaten aus. Bild: AFP

Hillary Clinton oder Donald Trump? Viele New Yorker treibt diese Frage am Wahltag schon früh aus dem Haus. Der Andrang auf die Wahlkabinen ist groß, die Spannung ist hautnah zu spüren.

          Es war ein langer, schmutziger Wahlkampf - doch die Menschen, die jetzt schon seit einer Weile in einer langen Schlange vor dem Wahllokal stehen, sind nicht müde. Vielleicht waren sie noch nie so wach wie heute. Es ist Dienstagmittag in Midtown Manhattan, seit 8 Uhr Ortszeit können die New Yorker ihre Stimme abgeben, und der Andrang auf die Wahlurnen ist riesig.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          „So etwas habe ich noch nicht erlebt, so viele Leute vor einem Wahllokal“, sagt Dough Krug, als er sich schrittchenweise vorwärts schiebt. „Es ist wirklich eine historische Wahl. Ich habe schon oft gewählt, aber so etwas wie hier habe ich noch nie gesehen.“

          Umfragen

          Nur ein paar Blocks weiter liegt der Trump Tower, den die New Yorker Polizei mit einem großen Aufgebot schon am Mittag weiträumig abgesichert hat, aus Angst vor möglichen Anschlägen. Es sind nur ein paar hundert Meter - doch für viele in der Schlange könnte der Turm trotzdem nicht weiter entfernt sein. Die meisten, die man hier fragt, sind für Hillary Clinton - beim Stichwort Trump schütteln sie nur entnervt den Kopf.

          „Ich mag gar nicht daran denken, dass Trump gewinnen könnte“, sagt Sarah Worton. „Er würde viele Leute ausschließen und isolieren. Und meine Angst ist, dass er all die Fortschritte rückgängig machen könnte, die Obama in den letzten acht Jahren gemacht hat.“ Sie hofft, dass Clinton am Ende gewinnen wird - aber sicher ist sie sich nicht. 

          Überhaupt ist die Spannung, die zuletzt über dem ganzen Land lag, in Manhattan an diesem Dienstag mit Händen zu greifen. Viele New Yorker spüren, dass es bei dieser Wahl um mehr geht als nur um zwei Kandidaten, sondern um zwei Weltanschauungen, die so unversöhnlich nebeneinander stehen, dass sie das Land in den letzten Monaten immer tiefer gespalten haben.

          Für manchen Passanten, den man rund um den Times Square befragt, ist die spannendste Frage deshalb schon gar nicht mehr, wer Präsident wird, sondern was danach geschehen könnte.  Noch während am Mittag die Expertenrunden im Fernsehen die Chancen beider Kandidaten gegeneinander abwiegen und dabei mal einen deutlichen Vorsprung für Clinton, mal eine Aufholjagd von Trump prophezeien, kommt die Meldung, der Republikaner lasse weiterhin offen, ob er einen Wahlsieg Clintons akzeptieren werde.

          Clintons Anhänger lassen solche Sätze frösteln -  die Trump-Fans vor seinem Turm dürften sie hingegen noch einmal darin bestätigen, dass „The Donald“ nicht klein beigeben werde - selbst dann nicht, wenn das „korrupte System“ Clinton durch „Manipulationen“ an die Macht gebracht habe, wie viele fürchten.  „Ich werde nicht protestieren, wenn Hillary Clinton gewinnt“, sagt Cindy Hall, die sich in voller Trump-Montur auf der anderen Straßenseite aufgebaut hat und jetzt von den Journalisten umringt wird, die sich an den Absperrungen vorbei durch die dichte Menschenmenge schieben.

          „Wenn Gott Donald Trump nicht als Präsidenten haben will, dann ist er trotzdem einer seiner wichtigsten Boten und Gott wird eine andere Funktion für ihn vorgesehen haben“, sagt Hall. Und fügt hinzu: „Aber jetzt glaube ich erst einmal an das Wunder, dass Trump die Wahl gewinnt.“

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