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Amerikanischer Botschafter : Grenell sieht Druck auf Deutschland nicht nachlassen

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Richard Grenell im Januar in Berlin Bild: dpa

Wer glaube, Amerika werde Deutschland in Ruhe lassen, kenne die Vereinigten Staaten nicht, sagt Richard Grenell. Politiker von Grünen und Linken hatten seinen möglichen Rückzug vorher begrüßt.

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          Grüne und Linke hoffen nach einem Ausscheiden des amerikanischen Botschafters Richard Grenell auf eine Verbesserung der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika. „Grenell ist seit längerem primär mit anderen Aufgaben beschäftigt, die seine Präsenz in Washington binden. So ist seine Demission folgerichtig“, sagte der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Linksfraktionschef Dietmar Bartsch sagte: „Ein in Deutschland anwesender US-Botschafter, der auch Botschafter und nicht Politiker ist, könnte als Nachfolger von Grenell hilfreich sein.“

          Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur will Grenell nach seiner Ablösung als kommissarischer Geheimdienstkoordinator der amerikanischen Regierung am kommenden Dienstag auch seinen Posten als Botschafter in Berlin innerhalb der nächsten Wochen räumen. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zwar zunächst nicht. Grenell bedankte sich am Sonntag auf Twitter aber bereits für mehrere Abschiedsgrüße. Und er antwortete auf einen Kommentar, nach dem ein kollektiver Seufzer der Erleichterung durch Deutschland gehe, mit den Worten: „Sie machen einen großen Fehler, wenn Sie glauben, der Druck Amerikas hört auf. Sie kennen die Amerikaner nicht.“

          Grenell gilt als extrem loyal zu Trump und rühmt sich immer wieder eines guten Drahtes ins Weiße Haus. Seine Aufgabe sah er in seinen bisher zwei Jahren als Botschafter vor allem darin, die Politik Trumps in Deutschland und Europa offensiv zu vertreten. Bei der Bundesregierung stieß er damit auf Verärgerung. Der Präsident nannte ihn am Sonntag in einem Fernsehinterview aber einen „Superstar“.

          Grenell war im Februar überraschend von Trump nach Washington berufen worden, um vorübergehend den Posten des Geheimdienstkoordinators zu übernehmen. Hintergrund war, dass der bis dahin ebenfalls geschäftsführende Koordinator Joseph Maguire bei Trump in Ungnade gefallen war und zurücktrat, weswegen eine schnelle Zwischenlösung gefunden werden musste. Nun ist aber ein neuer, permanenter Koordinator für die 17 Geheimdienste gefunden: Am vergangenen Donnerstag wurde der Kongressabgeordnete John Ratcliffe vom Senat bestätigt und soll nun am kommenden Dienstag vereidigt werden.

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