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Grenell-Kommentar : Wie der Boss

Richard Grenell, der neue Botschafter der Vereinigten Staaten, steht nach der Akkreditierung durch Bundespräsident Steinmeier zur Verabschiedung vor dem Schloss Bellevue. Bild: dpa

Richard Grenell wäre nicht der erste amerikanische Botschafter, der von Europa wenig verstünde. Aber er ist der erste, der seine Mission als politisch-populistischen Kampfauftrag versteht.

          Richard Grenell hat jahrelang als Sprecher der amerikanischen UN-Mission sein Geld verdient, aber mit Diplomatie, in Stil und Ton, hat er es nicht so. Da ist er ganz bei Donald Trump, der ihn, womöglich deswegen, zum Botschafter in Deutschland berufen hat.

          Wenn Grenell so weitermacht wie in den ersten Wochen, wird das Verhältnis zu seinem Gastland ein Spiegel der Beziehung des Präsidenten zu Deutschland: keine glückliche.

          In einem Interview mit einer ultrakonservativen Plattform ließ er sich kenntnisarm über Wahlen in Europa aus und haute der Bundesregierung das Thema Verteidigungsausgaben um die Ohren.

          Grenell wäre nicht der erste amerikanische Botschafter, der von Europa wenig verstünde. Aber er ist der erste, der seine Mission als politisch-populistischen Kampfauftrag versteht. Das deutsch-amerikanische Verhältnis wird wegen Grenell nicht zerbrechen, aber besser wird es nicht werden.

          Die Regierung Trump hat Deutschland auf dem Kieker, und Botschafter Grenell ist ihr Mann an der Front. Er sollte dennoch nicht gleich am Anfang die ganz große Lippe riskieren.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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