https://www.faz.net/-gpf-9k8ea

Gipfeltreffen in Hanoi : Werden Kim und Trump zu Friedensstiftern?

  • -Aktualisiert am

Die Demokraten sind ebenfalls skeptisch, was die Ergebnisse des Gipfels angeht. Sie beklagten in den vergangenen Tagen, dass Trump den Kongress nicht ausreichend über den Stand der bisherigen Verhandlungen informiere. Die Vorsitzenden der Ausschüsse für Auswärtige Angelegenheiten, Nachrichtendienste und Streitkräfte im Abgeordnetenhaus schrieben an Trump: „Wir werden daran gehindert, im Auftrag des amerikanischen Volkes die Politik gegenüber Nordkorea zu überwachen, weil Ihre Regierung dem Kongress die erforderlichen Informationen vorenthält.“

Außenminister Mike Pompeo habe dem Kongress immer noch keinen ordentlichen Bericht über den letzten Gipfel erstattet. Die drei Demokraten zitierten auch die Geheimdienstberichte, nach denen Nordkorea sein Ziel eines atomaren Rüstungsarsenals nicht aufgegeben habe.

Die Mehrheit der Amerikaner ist in Umfragen ebenfalls zurückhaltend, was die Erwartungen an Trumps Nordkorea-Diplomatie angeht. In einer neuen Erhebung für den Sender CBS gaben 57 Prozent der Befragten an, nicht zu glauben, dass Kim nach dem letzten Gipfel sein Atomprogramm verändert habe – darunter auch die Mehrheit der republikanischen Wähler. Hinter dem zweiten Gipfeltreffen stehen aber dennoch 70 Prozent der Republikaner, während 77 Prozent der Demokraten es zum jetzigen Zeitpunkt nicht befürworten. Vertrauen in Trumps Nordkorea-Politik drückten insgesamt 43 Prozent der Bürger aus.

Erwartungen runterschrauben

Die amerikanische Regierung ist bereits seit einigen Wochen bemüht, die Erwartungen an den Gipfel herunterzuschrauben. Trump sagte in der vergangenen Woche, er habe „keine Eile“ und „würde nicht überrascht sein, wenn etwas klappen würde“, da er schließlich eine „sehr gute Beziehung“ mit Kim aufgebaut habe. Vor dem Abflug nach Vietnam am Montag gab er sich optimistisch: „Wir wollen nukleare Abrüstung, und ich denke, er wird ein Land haben, das viele Rekorde aufstellen wird, wenn es um das Tempo der Wirtschaft geht.“

Hanoi am Dienstag im Zeichen des Treffens von Donald Trump mit Kim Jong-un

Stephen Biegun, der Sondergesandte für Nordkorea, sagte, man gehe davon aus, dass es sich um einen längeren Prozess handeln werde. Biegun, der nach dem Gipfel im vergangenen Sommer ernannt worden war, hatte zunächst Schwierigkeiten gehabt, überhaupt Termine mit der nordkoreanischen Seite zu bekommen.

Die Nordkoreaner schienen Trump unterdessen schon einmal gewogen stimmen zu wollen. Ein Kommentar der staatlich gesteuerten Nachrichtenagentur KCNA warnte Trumps Gegner davor, den „Traum“ einer Annäherung kaputt zu machen. Als Schuldige dafür hatte der Kim-treue Kommentator genau die Kräfte ausgemacht, die auch Trump regelmäßig beschimpft: die amerikanischen Geheimdienste und die Demokraten, die „Opposition um der Opposition willen“ machten. Ein anonymer Korea-Fachmann der amerikanischen Regierung sagte in einem Interview: „Wenn Kim Trump darin unterstützt, die Gespräche innenpolitisch auszuschlachten, erhofft er sich vielleicht bessere Konditionen von Trump.“

Manche Trump-Kritiker haben tatsächlich Sorge, dass der Präsident zu viele Zugeständnisse machen könnte, um zu Hause mit einem vermeintlichen „Deal“ zu glänzen. „Trump ist ein Geschenk für Kim, weil er sich so leicht manipulieren lässt“, sagte Sung-Yoon Lee, Professor für Korea-Studien an der Tufts Universität, in einem Interview. „Im Grunde geben wir Kim mehr Zeit und Geld, in Form von laxerer Durchsetzung von Sanktionen, um die Bombe zu perfektionieren.“

Andere glauben, dass Kim sich längst auf dem Weg des Einlenkens befinde und letzten Endes einer Denuklearisierung unter Aufsicht zustimmen könnte. „Im Allgemeinen gehen nordkoreanische Unterhändler langsam und vorsichtig vor, manchmal auf Umwegen“, schrieb etwa Robert Carlin vom Nordkorea-Blog „38 North“. „Der Weg zum ‚Ja‘ ist selten eine gerade Linie.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Frankfurt (Oder) aus der Vogelperspektive – in Brandenburg sind die Grundsteuern eher niedrig.

Kommunalen Abgaben : Die Gemeinden erhöhen weiter die Steuern

Wer in Nordrhein-Westfalen lebt, zahlt mehr für die Grundsteuer als ein Bayer oder Brandenburger. Viele Gemeinden erhöhten zuletzt wieder ihre Steuern – besonders oft im Saarland.

AKK in Jordanien : Eine Ministerin lässt sich beeindrucken

Annegret Kramp-Karrenbauer besucht die Tornado-Flieger in der jordanischen Wüste. Dabei betritt die Verteidigungsministerin eine Welt, die fern vom deutschen Alltag liegt – und doch eine ganze Menge mit ihm zu tun hat.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.