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Reaktionen auf Helsinki : „Es ist ein trauriger Tag für die Welt“

  • -Aktualisiert am

Trump habe sein Land im Stich gelassen, sagte Hagel bei CNN. Doch die Republikaner schreckten vor konkreten Forderungen zurück. Der Chef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, verlangte, dass es nach der Anklage der zwölf Russen nun schärfere Sanktionen gegen das Land geben müsse. Trump solle den russischen Präsidenten zur Auslieferung der Beschuldigten auffordern. Die Verantwortlichen für die nationale Sicherheit sollten vor dem Kongress aussagen und die Geheimdienste gegen den Präsidenten verteidigen, so der New Yorker Senator.

Auch in den amerikanischen Medien reagierten Kommentatoren entrüstet: „Er hat die Erklärung des Führers einer uns nicht freundlich gesinnten Regierung den Erkenntnissen seiner eigenen Geheimdienste vorgezogen“, hieß es in der „New York Times“. Der Auftritt markiere einen neuen Negativ-Meilenstein der Präsidentschaft, so die Zeitung – er sei „das außenpolitische Äquivalent zu Charlottesville“. Nach den rechtsradikalen Ausschreitungen in Charlottesville hatte der Präsident im vergangenen Sommer nach Ansicht vieler Beobachter die Neonazis mit den Gegendemonstranten auf eine Stufe gestellt.

Auch im Sender Fox News, den Trump am liebsten schaut und zu dessen Führungskräften er zum Teil enge Beziehungen unterhält, reagierten nicht alle begeistert auf die Pressekonferenz in Helsinki. Mehrere Talk-Gäste sagten, Putin habe Trump ausgespielt – Moderator Neil Cavuto nannte die Äußerungen des Präsidenten „Ekel erregend“. Auch von Rechtsaußen gab es Kritik. Der „Drudge Report“, eines der Medien, die in der „Alt-Right“-Szene gelesen werden, schrieb, Putin habe das Treffen „dominiert“.

Ist Trump erpressbar?

Dass Trump Putin nicht mit den Belegen für die russische Einmischung konfrontierte und sich damit gegen die eigenen Behörden und gegen die Erwartungen vieler Republikaner stellte, warf für manche Beobachter die Frage wieder auf, ob Russland etwas gegen den amerikanischen Präsidenten in der Hand haben könnte. Ari Fleischer, ehemals Pressesprecher von George W. Bush, twitterte: „Ich glaube weiterhin, dass es keine Zusammenarbeit zwischen der Trump-Kampagne und Russland gab. Aber wenn Trump es so leicht und naiv akzeptiert, dass Putin alle Einmischung zurückweist, kann ich verstehen, warum die Demokraten glauben, dass Putin etwas gegen Trump in der Hand hat.“ Auch Senats-Minderheitsführer Chuck Schumer sagte: „Die einzige mögliche Erklärung für dieses gefährliche Verhalten ist die Möglichkeit, dass Putin schädliche Informationen gegen Präsident Trump hat.“

Putin hatte das in Helsinki nicht verneint, sondern nur bemerkt, er kenne die Gerüchte – Trump habe Moskau seinerzeit aber als Geschäftsmann besucht. Statt die Frage zu beantworten, ob die Russen Material über Trump sammelten, bemerkte Putin, dass hunderte amerikanische Geschäftsleute das Land jedes Jahr besuchten. Er fragte: „Denken Sie, dass wir belastendes Material über jeden einzelnen von ihnen sammeln?“

Für viele Beobachter war Wladimir Putin der Gewinner des Tages. „Ich denke, er isst jetzt Kaviar“, sagte der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses im Senat, der Republikaner Bob Corker. Während Trump die vergangene Woche damit verbracht hatte, Verbündete wie Deutschland und Großbritannien zu beschimpfen, wollte er in Helsinki die Russen schließlich nicht öffentlich kritisieren – nicht für die Annexion der Krim und Russlands Rolle in Syrien und im Ukraine-Krieg, nicht für den Umgang mit Oppositionellen. Es war Putin, der auf die Frage, ob der amerikanische Präsident denn den Einmarsch auf der Krim 2014 kritisiert habe, sagte, natürlich habe Trump das getan. Und der Russe machte auch klar, dass er auf den Wahlsieg des republikanischen Kandidaten gehofft hatte: „Ja, das habe ich. Das habe ich, weil er davon sprach, die Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten wieder zu normalisieren.“

Trump meldete sich unterdessen via Twitter: „Ich habe es heute gesagt und viele Male zuvor: ich habe großes Vertrauen in meine Geheimdienst-Leute. Aber ich erkenne auch, dass wir uns, um eine bessere Zukunft aufzubauen, nicht nur auf die Vergangenheit konzentrieren können. Wir sind die beiden größten Atommächte der Welt, wir müssen miteinander auskommen!“

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