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Vor Gipfeltreffen mit Trump : Kim: Unveränderter Wille zur Denuklearisierung

  • Aktualisiert am

Kim Yong-un und Sergej Lawrow bei ihrem Treffen. Bild: Reuters

Nordkoreas Kim Jong-un nennt weiterhin Denuklearisierung als Ziel, obwohl er sich das wohl anders vorstellt als Trump. Von Putins Außenminister bekam er eine Einladung nach Moskau.

          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat seine Bereitschaft zur atomaren Abrüstung bekräftigt. Sein Wille zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel sei „unverändert, beständig und fix“, sagte Kim laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA vom Freitag. Er hoffe, dass eine stufenweise Lösung erzielt werde. Amerikanische Forderungen nach einer einseitigen nuklearen Abrüstung Nordkoreas weist die Führung in Pjöngjang zurück. Auch plädiert sie für eine phasenweise Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel.

          Kim machte die Äußerungen dem Bericht zufolge während eines Treffens mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, der zu Besuch in Nordkorea war. Die beiden hätten sich auch darauf verständigt, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen ihren Ländern zu fördern. Noch in diesem Jahr solle es einen bilateralen Gipfel zwischen Nordkorea und Russland geben. „Kommen Sie nach Russland, wir würden uns sehr freuen, Sie zu begrüßen“, sagte Lawrow laut einer Mitteilung des russischen Außenministeriums.

          Trump wartet auf Brief von Kim

          Der amerikanische Präsident Donald Trump erwartet nach eigenen Angaben ein Schreiben von Kim Jong-un. Trump sagte am Donnerstag in Washington, er rechne damit, dass der Brief am Freitag übergeben werde. Er fügte hinzu, die Gespräche seines Außenministers Mike Pompeo in New York mit dem nordkoreanischen Spitzenunterhändler Kim Yong-chol kämen „sehr gut“ voran.

          Zudem teilte Trump der Nachrichtenagentur Reuters mit, er wolle sich am Freitag persönlich mit Kim Yong-chol treffen. Die Begegnung zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem Vize-Vorsitzenden der nordkoreanischen Arbeiterpartei solle nach Abschluss der Unterredung Kims mit Pompeo im Weißen Haus stattfinden.

          Pompeo und General Kim setzten am Donnerstag ihre Gespräche vom Vorabend fort. Sie loten Möglichkeiten für ein Gipfeltreffen zwischen Trump und Machthaber Kim aus. Ursprünglich war es für den 12. Juni in Singapur vorgesehen. Trump hatte es zwischenzeitlich abgesagt und dies mit Pjöngangs „Feindseligkeit“ begründet. Kurze Zeit später hatte er den Termin für den Gipfel aber erneut in Aussicht gestellt. Das historische Treffen zwischen Trump und Kim soll zur Beilegung des Atomstreits mit Nordkorea beitragen.

          General Kim hatte sich zu einem anderthalbstündigen Abendessen mit Pompeo getroffen. „Es war großartig“, sagte der  amerikanische Außenminister anschließend vor Journalisten. „Gutes Arbeitsessen heute Abend mit Kim Yong-chol in New York“ schrieb er dann bei Twitter. „Steak, Mais und Käse auf dem Speiseplan.“

          Pompeo und der General wollten ihre Gespräche am Donnerstag fortsetzen, sie hatten sich auch bereits zwei Mal in Pjöngjang getroffen. Kim Yong-chol ist ein enger Vertrauter von Kim Jong-un und der ranghöchste nordkoreanische Beamte seit 18 Jahren, der in die Vereinigten Staaten reiste.

          Das Essen mit Pompeo fand in der Wohnung eines amerikanischen Diplomaten nahe des Sitzes der Vereinten Nationen statt. Kim kam in Begleitung eines Beraters, Pompeo zusammen mit dem beim Geheimdienst CIA für Korea zuständigen Andrew Kim. Das Außenministerium veröffentlichte anschließend Fotos von dem Treffen. Sie zeigen, wie Pompeo den nordkoreanischen Gästen die Skyline von Manhattan zeigt.

          Ein ranghoher amerikanischer Regierungsmitarbeiter sagte, bei den Gesprächen solle abgeklärt werden, was bis zu dem für den 12. Juni in Singapur geplanten Gipfel noch zu tun sei. „Falls der Gipfel stattfindet, müssen sie bis dahin deutlich machen, was sie zu tun bereit sind“, sagte der amerikanischer Vertreter über die Nordkoreaner.

          Ob der Gipfel überhaupt zustande kommt, ist allerdings weiterhin nicht gesichert. Trump hatte das Treffen in der vergangenen Woche in einem Brief an den nordkoreanischen Machthaber unter Kritik an „offener Feindseligkeit“ Nordkoreas abgesagt. Da sich Pjöngjang aber dennoch weiter offen für Gespräche zeigte, änderte Trump kurz danach seinen Kurs und erklärte, der Gipfel sei weiterhin möglich.

          Der Regierungsmitarbeiter sagte, die Entscheidung für oder gegen den Gipfel liege „zu hundert Prozent in der Hand des Präsidenten“. Bei dem Gipfel soll es um den Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms gehen. Die Vereinigten Staaten fordern die vollständige und überprüfbare Denuklearisierung Nordkoreas im Gegenzug für wirtschaftliche Erleichterungen.

          Nordkorea hat jedoch offenbar eine andere Auffassung von Denuklearisierung. Beobachter gehen davon aus, dass Pjöngjang ohne Sicherheitsgarantien Amerikas nicht zum Abbau seines Atomprogramms bereit sein wird. Der Regierungsmitarbeiter stellte solche Garantien in Aussicht: „Wir müssen sie überzeugen, dass ihr Atomprogramm ihre Unsicherheit verstärkt“, sagte er.

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