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Gipfel in Hanoi : Kim Jong-uns bisher „beste“ Antwort

Die entscheidenden Verhandlungen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un in Hanoi haben begonnen. Bild: AP

Am zweiten Verhandlungstag in Hanoi beantwortet der nordkoreanische Machthaber sogar Journalistenfragen. Er erklärt sich zur Denuklearisierung bereit. Trotzdem werden die Erwartungen gedämpft.

          Kim Jong-un beantwortet normalerweise keine Journalistenfragen. Aber an diesem Donnerstag in Hanoi ist das anders. Da sitzt der nordkoreanische Machthaber an einem Tisch seinem amerikanischen Gesprächspartner Donald Trump gegenüber. Auf die Frage eines Reporters, ob er zu Denuklearisierung seines Landes bereit sei, sagt Kim: „Wenn nicht, wäre ich nicht hier.“ Donald Trump, der ihm gegenüber am Tisch sitzt, ist die Bedeutung dieses Moments bewusst. „Das ist eine gute Antwort. Das könnte die beste Antwort sein, die sie je gehört haben“, sagt der Präsident. Dann folgt die Anschlussfrage: „Sind sie auch bereit, konkrete Schritte zur Denuklearisierung zu unternehmen?“, fragt ein Reporter Kim. „Darüber sprechen wir gerade jetzt“, sagt der Nordkoreaner.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Zum Schluss wird noch gefragt, ob auch die Menschenrechte zur Sprache kommen soll. Da interveniert Trump: „Wir diskutieren alles!“ Der bemerkenswerte Austausch wirkt fast so, als habe Kim Jong-un seine erste Pressekonferenz gegeben. Und das bevor der medienerfahrene amerikanische Präsident in Hanoi vor die internationale Presse treten soll. Es ist ein weiterer Schritt zu einer Normalisierung im Verhältnis zu dem Machthaber und seinem brutalen Regime. Und es ist eine kleine Versicherung Fragen, ob es in den Gesprächen tatsächlich auch um die entscheidenden Dinge geht, oder ob am Ende alles doch nur Show ist. Auf dem Tisch sind für ein Abkommen ist dabei offenbar die Eröffnung sogenannter Verbindungsbüros der beiden Länder in den jeweiligen Hauptstädten. „Dies ist etwas, dass willkommen geheißen werden könnte“, sagte Kim Jong-un.

          Der amerikanische Präsident bezeichnete die Idee als „große Sache“. Klarheit wird es darüber aber erst nach Unterzeichnung des gemeinsamen Statements geben. Auch auf die Frage, ob eine bilaterale Friedenserklärung zwischen den beiden Ländern, die offiziell noch im Kriegszustand sind, Teil sein könnte, ließen sich die beiden jedoch nicht festlegen. „Egal was passiert, wir werden am Ende einen Deal bekommen, der sehr gut für den Vorsitzenden Kim und sein Land sein wird …“, sagt Trump. Wie dieser aussehen wird, ist in dem Moment aber noch nicht klar.

          Der Nordkoreaner macht am zweiten Verhandlungstag einen selbstbewussteren Eindruck als noch am Abend zuvor. Er scheint sich in dem Rampenlicht der internationalen Diplomatie wohl zu fühlen. Trump macht zunächst ernste Miene, dankt seinem Dialogpartner dann aber mit der mittlerweile üblichen Freundlichkeit. Es sei gut, ihn zu treffen. „In den kommenden Jahren werden wir noch viel Zeit zusammen verbringen. Wir werden auch zusammenkommen im Nachhinein, also wenn der Deal gemacht wurde“, sagt Trump. Der Präsident zeigt jedoch keine Anzeichen, dass ein solcher „Deal“ schon unmittelbar bevorstehen könnte. 

          Anscheinend gibt es auch eine Änderung des Zeitplans in Hanoi. Wie der Journalist Steve Herman auf Twitter schreibt, kehre Trump nach dem Ende der Gespräche in sein Hotel zurück, bevor es gegen 8 Uhr europäischer Zeit eine Pressekonferenz geben könnte. Von einer Unterzeichnungszeremonie sei keine Rede gewesen.

          „Ich kann zwar nicht unbedingt für heute sprechen, aber ich kann dies sagen: Etwas langfristiger, über einen gewissen Zeitraum, werden wir mit dem Vorsitzenden Kim und Nordkorea mit Sicherheit einen phantastischen Erfolg haben“, sagte Trump. Er wiederholte damit seine frühere Erwartung, dass Nordkorea sich zu einer wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte entwickeln könnte. Aber die Geschwindigkeit (bei den Verhandlungen um Nordkoreas Atomwaffen) spiele für ihn keine Rolle. „Aber ich weiß zu schätzen, dass es keine Tests stattfinden, weder Atomwaffen, noch Raketen, nichts davon“, sagt Trump.

          Tatsächlich gibt er einen Hinweis, dass der Verzicht Nordkoreas auf solche Tests an diesem Tag womöglich schriftlich festgehalten werden könnte. „Der Vorsitzende Kim und ich hatten ein tolles Gespräch darüber gestern Abend“, sagt Trump.

          Darüber hinaus wird spekuliert, ob die beiden Seiten eine Friedenserklärung unterschreiben könnten. Auch Teilzugeständnisse bezüglich des nordkoreanischen Atomprogramms scheinen noch möglich, wenn dann vermutlich gegen eine Erleichterung bei den Wirtschaftssanktionen. Aber die Aussage, er habe „keine Eile“, wiederholt der Präsident etwas später dann auf die Frage eines Journalisten sogar noch vier Mal. „Der Vorsitzende Kim und ich wollen den ‚richtigen‘ Deal erreichen, die Geschwindigkeit spielt keine Rolle“, sagt Trump. Damit rückt Amerika weiter von seinem früheren Ziel ab, dass ein vollständige und überprüfbare Denuklearisierung Nordkoreas die Voraussetzung für weitere Gespräche sei.

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