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Ghostwriter über Trump : „Trump könnte das Ende der Zivilisation bringen“

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Das Buch, das Trump mit Sicherheit gelesen hat: „The Art of the Deal“. Bild: AP

Tony Schwartz schrieb Trumps berühmtes Buch „The Art of the Deal“, das die Marke Trump in den achtziger Jahren etablierte. Jetzt schämt sich Schwartz dafür. Das Buch hätte „Der Soziopath“ heißen sollen, sagt er.

          Am 16. Juni 2015 kündigte Donald Trump ganz offiziell an, dass er für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika kandidieren werde. In seiner Rede vor einem Haufen Journalisten nannte er als eine seiner Hauptqualifikationen für den Job im Weißen Haus: „Wir brauchen einen Führer, der 'The Art of the Deal' geschrieben hat“, sein Buch, das ihn mitunter berühmt gemacht hat.

          Tony Schwartz muss das stutzig gemacht haben. Hatte Trump etwa gerade nahegelegt, er, Schwartz, solle Präsident werden? Denn schließlich stammt „The Art of the Deal“ – auf Deutsch etwa „Die Kunst des Deals“ – aus seiner Feder, nicht aus Trumps. Als Ghostwriter hatte er das Buch vor fast 30 Jahren in Trumps Namen verfasst. Eine Entscheidung, die er seit Trumps Eintritt in das Rennen um den Präsidentschaftsposten zutiefst bereut, wie er nun dem amerikanischen Magazin „The New Yorker“ sagte.

          Ein geschminktes Schwein

          „Ich habe einem Schwein Lippenstift aufgetragen,“ sagte Schwartz, inzwischen Chef einer Firma für Unternehmensberatung und Autor von Artikeln und Büchern, die seinen eigenen Namen auf dem Cover tragen. „Ich fühle eine tiefe Reue, weil ich dazu beigetragen haben, Trump in einer Art zu präsentieren, die ihm breite Aufmerksamkeit gebracht und ihn attraktiver dargestellt hat, als er ist.“ Damit nicht genug: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Chancen gut stehen, dass wir das Ende der Zivilisation erreichen, falls Trump gewinnen und Kontrolle über die Atomwaffen bekommen sollte.“

          1985 bekam Schwartz von Trump das Angebot, seine Memoiren zu schreiben. Trump war damals 38 Jahre alt, deshalb wurde aus dem Projekt auch nicht die „Biografie von Donald Trump“ sondern ein Buch über Trumps erfolgreichste Geschäfte bis dato. 18 Monate verbrachte Schwartz für seine Recherchen mit Trump. „The Art of the Deal“ wurde ein Bestseller, als es 1987 erschien. 51 Wochen Platz eins der Bestsellerliste, über eine Million Mal verkauft. Die Marke Trump, der erfolgreiche Geschäftsmann, war geschaffen.

          „Bezweifle, dass Trump jemals ein Buch gelesen hat“

          Dabei sei Trump von Aufmerksamkeit besessen, habe selbst aber nur eine geringe Aufmerksamkeitsspanne, die sein „beeindruckendes Level an oberflächlichem Wissen und deutlicher Ignoranz“ erkläre, sagte Schwartz. In den 18 Monaten seiner Recherche habe er weder in Trumps Büro noch in dessen Wohnung jemals ein Buch gesehen. „Ich zweifle stark daran, dass Trump jemals in seinem Erwachsenenleben ein Buch von Anfang bis Ende gelesen hat,“ so Schwartz.

          Nach der Online-Veröffentlichung des Artikels legte Schwartz am Montag nochmal nach: „Seit Trump seine Kandidatur angekündigt hat, habe ich keine Nacht durchgeschlafen, weil ich glaube, dass er so unsicher, so leicht zu provozieren und nicht so schlau ist, wie die Leute denken.“ Trump habe „mehr soziopathische Tendenzen als jeder andere Kandidat meines Erwachsenenlebens“, sagte der 1952 geborene Schwartz.

          Als er den Auftrag für das Buch annahm und es schrieb, habe er das Geld gebraucht, sagte Schwartz im „New Yorker“. Er habe gedacht, das Buch würde sich besser verkaufen, wenn er Trump als sympathischen Charakter inszenieren würde. Wenn er das Buch heute nochmals schreiben könnte, er würde es „Der Soziopath“ nennen. Und wie reagierte Trump auf die Kritik? Er twitterte am Tag nach der Erscheinung des Artikels im gedruckten „New Yorker“ eine Liste zu „50 Fakten über betrügerische Hillary“. Der Artikel ist auch arg lang – vielleicht hat Trump ihn einfach nicht gelesen.

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