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Ausschreitungen in Amerika : Die Polizei wird der Lage nicht Herr

  • -Aktualisiert am

Ein Fahrzeug der New Yorker Polizei ist von Protestierenden in Brand gesetzt worden. Bild: Reuters

In Atlanta verletzt ein Wurfgeschoss einen Polizisten. In New York fährt ein Polizei-SUV in eine Menschenmenge. In Richmond wird ein Brand gelegt. Präsident Trump setzt auf die Armee, um „Amerika wieder großartig zu machen“.

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          „Die wussten nicht, wie ihnen geschah“, twitterte ein offenbar zufriedener Donald Trump am Samstag über das „harte“ Vorgehen von Secret Service und Polizei vor dem Weißen Haus. „Demonstranten“ setzte der Präsident dabei in Anführungszeichen. Die Menschen, die in Washington und im ganzen Land protestierten, versammelten sich zum Teil in der fünften Nacht in Folge. Sie erinnern an den Anfang der Woche von einem weißen Polizisten in Minneapolis getöteten Afroamerikaner George Floyd und an die Afroamerikanerin Breonna Taylor, die Anfang März in ihrer Wohnung in Louisville von Polizisten erschossen wurde.

          Der Protest richtet sich gegen Polizeigewalt, die für viele Menschen im Land eine alltägliche Bedrohung ist, aber auch gegen die strukturelle Ungleichheit zwischen Weißen und Schwarzen, die in der Coronakrise besonders deutlich zutage tritt.

          Vielerorts wurden Demonstranten und Polizisten auch am Samstag gewalttätig. In Atlanta wurde ein Polizist schwer verletzt, als ihn ein Wurfgeschoss traf. Im New Yorker Stadtteil Brooklyn fuhr ein Polizeiauto in eine Menschenmenge, nachdem es mit Gegenständen beworfen wurde.

          In Los Angeles zündeten Menschen ein Polizeigebäude an, und in Indianapolis wurde eine Person unter noch ungeklärten Umständen erschossen. In Virginias Hauptstadt Richmond legten Aktivisten in der Nacht zum Sonntag Feuer am Gebäude des Vereins „Daughters of the Confederacy“, der sich dem Gedenken an die Soldaten der im Amerikanischen Bürgerkrieg unterlegenen Südstaaten verschrieben hat.

          In New York, wo Demonstranten zeitweise die Stadtautobahn FDR Drive blockierten, wurden mehrere Lokalpolitiker verletzt. Polizisten besprühten ein Mitglied des New Yorker Senats mit Pfefferspray. Mittlerweile verhängten 25 Städte in 16 Bundesstaaten nächtliche Ausgangssperren, aber viele Demonstranten missachteten die Auflagen. In Minnesota und mehreren anderen Bundesstaaten sowie dem Hauptstadtbezirk Washington mobilisierten die Regierungen die Nationalgarde. Anders sei der Frieden auf den Straßen nicht wiederherzustellen, sagte der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti.

          Trump bietet die Armee an

          Donald Trump ist kein Präsident, der den Menschen in dieser Situation eine Lösungsperspektive aufzeigen oder Hoffnung schenken wollte. Gut fünf Monate vor der Präsidentenwahl blieb er bei seiner Eskalationsstrategie. Nachdem er am frühen Freitagmorgen bereits gedroht hatte, dass mit dem Plündern „das Schießen“ kommen werde, bekräftigte er am Wochenende mehrmals die Einsatzbereitschaft der Armee. Militärpolizei könne schnell überall dort sein, wo sie gebraucht werde, so der Präsident. Für den Abend freue er sich auf die „MAGA-Nacht“, zu der konservative Aktivisten aufgerufen haben sollen. MAGA steht für Trumps Wahlkampfversprechen von 2016, Amerika „wieder großartig“ zu machen: „Make America Great Again“.

          In Minneapolis, wo ein Polizist George Floyd so lange die Luft abgedrückt hatte, bis der starb, galt am Samstag abermals eine Ausgangssperre. Polizisten griffen Demonstranten mit Tränengas an, die über eine Brücke von Minneapolis nach St. Paul laufen wollten. Inzwischen wurden dort 51 Menschen festgenommen, weil sie geplündert oder Polizisten angegriffen hatten. Im Laufe des Samstags hatten Meldungen für Aufregung gesorgt, dass fast alle Festgenommenen aus anderen Bundesstaaten gekommen seien. Am Abend korrigierten die Behörden das: 80 Prozent seien Einheimische. Trump und andere unterstellen, dass Antifa-Aktivisten die Unruhen anzettelten. Andere äußerten den Verdacht, dass in Minneapolis und anderswo Rechte die Gewalt anfachen wollten.

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