https://www.faz.net/-gpf-8lbrc

Clintons Gesundheit : „Lungenentzündung? Typisch für Parkinson-Patienten“

  • -Aktualisiert am

Ob sie hier auch ein Kissen im Rücken hat, ist nicht erkenntlich Bild: AP

Verschwörungstheorien über Clintons Gesundheitszustand kursieren schon lange. Durch ihre Lungenentzündung dürfte sie nun aber in Zugzwang geraten, diese Theorien endgültig zu widerlegen.

          3 Min.

          Verschwörungstheorien sind ein alter Hut und in jedem Wahlkampf beliebt, um den Gegner ins Zwielicht zu rücken. Die Geschwindigkeit und die Intensität, mit der Hillary Clintons Gesundheit von Seiten rechtspopulistischer Medien – und ihrem republikanischen Widersacher Donald Trump selbst – angezweifelt wird, ist allerdings neu. Denn durch soziale Netzwerke und rechtspopulistische Onlinedienste lösen sich immer neue angebliche Belege für den schlechten Gesundheitszustand der Präsidentschaftskandidatin ab.

          Begonnen hat das Ganze nicht erst mit der heißen Wahlkampfphase 2016. Schon 2012 titelte das amerikanische Boulevardmagazin „National Enquirer“, Hillary Clinton leide an einem Hirntumor. Tatsächlich hatte sie damals eine Gehirnerschütterung erlitten, nach der sich ein Blutgerinnsel in ihrem Kopf bildete. Clinton sagte daraufhin mehrere Auslandsreisen ab. In den vergangenen Wochen und Monaten haben Verschwörungsseiten, Blogs und rechtspopulistische Medien bei der demokratischen Präsidentschaftskandidatin weitere schwere Krankheitsbilder diagnostiziert. Hier ein paar Beispiele:

          Der Titel eines Artikels des Bouelvardmagazins “Heatstreet“ vom 16. August lautete: „Das müssen Sie sehen: Fotos von Hillary Clinton auf Kissen gestützt.“ Der Artikel bestand aus wenig Text und einer Handvoll Bildern, die zeigten, dass Hillary Clinton bei Reden und Fernsehinterviews Kissen im Rücken liegen hat. Unter dem letzten Bild stand der Satz: „Das Kissen gibt ihr den Halt, den sie braucht.“

          Spekulationen anhand von Videosequenzen

          Sean Hannity, ein sehr konservativer Moderator von FOX News, ist neuerdings scheinbar Gesundheitsexperte und diagnostizierte bei Clinton vor einiger Zeit gar die Sprachstörung Aphasie. Der Verdacht basiert auf ein paar Videoaufnahmen, bei denen Clinton kurz um Worte ringt und bei Reden den Faden verliert. Auch kurze Hustenattacken, die die demokratische Kandidatin jüngst während eines Auftritts plagten, kurz nachdem sie einen Schluck Wasser getrunken hatte, genügten dem Fox-Reporter als Beleg dafür, dass Clinton ernsthafte gesundheitliche Probleme habe.

          Auch auf Twitter finden sich eine Unmenge an Beiträgen, die Verschwörungstheorien zu Clintons angeblichen Krankheitsbildern aufstellen. Am Montag schrieb eine republikanische Anhängerin in dem Netzwerk, eine Lungenentzündung sei typisch für Parkinson-Patienten.

          Clintons republikanischer Rivale Donald Trump, über den der Sender CNN zunächst berichtet hatte, er wolle sich nicht explizit zu dem Schwächeanfall äußern und „respektvoll“ mit Clintons möglicher Erkrankung umgehen, meldete sich am Montag dann doch noch zu Wort. „Ich hoffe, dass es ihr bald besser geht“, sagte er im amerikanischen Sender Fox. Und weiter: „Irgendwas geht vor sich – ich hoffe, dass sie bald wieder auf den Beinen und zurück im Rennen ist. Natürlich ist das Ganze ein Problem.“

          „Irgendwas geht vor sich“

          Mit seiner Bemerkung „irgendwas geht vor sich“ lieferte Trump seinen Anhängern weitere Munition für die anhaltenden Verschwörungstheorien um den Gesundheitszustand von Clinton. Die 68-Jährige gilt ohnehin als angeschlagen, seit sie sich am Samstag in einer Erklärung bei Trump für eine Äußerung vom Vortag entschuldigen musste. Darin hatte sie die Hälfte der Trump-Unterstützer als „kläglich“ bezeichnet.

          Neuer Aufwind durch Hillary Clintons Schwächeanfall?

          Durch Clintons jüngsten Schwächeanfall und ihre Lungenentzündung dürften sich ihre Kritiker nun nur noch in ihren Zweifeln bestätigt sehen. Schlimmer noch: Indem sie trotz ihres offenkundig wackligen Gesundheitszustands schon nach wenigen Stunden behauptet, wieder topfit zu sein, könnte sie die Verschwörungstheorien über ihren Gesundheitszustand nur noch weiter befeuern.

          Ist Hillary Clinton noch bei „exzellenter Gesundheit“?

          So oder so dürfte das Thema Gesundheit in diesem Wahlkampf nicht mehr von der Agenda verschwinden. Am Montag kündigte Donald Trump in einem Telefoninterview des Senders Fox News an, er werde die Ergebnisse einer ärztlichen Untersuchung aus der vergangenen Woche detailliert veröffentlichen. Denn auch Trumps eigener Gesundheitszustand war zuletzt wegen eines veröffentlichten Attests in Frage gestellt worden. In ihm hatte sein Leibarzt Trumps Gesundheitszustand überschwänglich gelobt – und musste später zugegeben, den Brief eilig in wenigen Minuten ausgestellt zu haben.

          Hillary Clinton könnte durch Trumps Offenlegung trotzdem unter Zugzwang geraten, sich einer neuerlichen gesundheitlichen Untersuchung zu unterziehen und die Ergebnisse ebenfalls offenzulegen. Der Brief ihrer Ärztin vom Juli 2015, in dem ihr eine „exzellente Gesundheit“ bescheinigt wird, dürfte nach ihrem Schwächeanfall vielen Wählern nicht mehr als aussagekräftig gelten. 

          Weitere Themen

          Regierungspartei gewinnt Parlamentswahl Video-Seite öffnen

          Polen : Regierungspartei gewinnt Parlamentswahl

          In Polen zeichnet sich ein klarer Wahlsieg der regierenden national-konservativen Partei PiS ab. PiS-Parteichef Kaczynski erklärte seine Partei umgehend zum Wahlsieger.

          Topmeldungen

          Dorothee Blessing, Deutschlandchefin von JP Morgan.

          JP-Morgan-Chefin im Gespräch : „Frankfurt wird wichtiger“

          Befindet sich die deutsche Industrie im Ausverkauf? Für Dorothee Blessing ist das keine plötzliche Erscheinung. Im Interview spricht die Deutschlandchefin von JP Morgan, über Brexit-Folgen rebellische Investoren – und die Angst vor der Börse.
          Der amtierende indische Ministerpräsident Narendra Modi

          Hohe Verschuldung : Weltbank warnt vor indischer Krise

          Die Lage der Banken wird prekärer. Von faulen Krediten im Volumen von rund 150 Milliarden Dollar ist die Rede. Nun schlagen die Probleme aus dem Finanzsektor auf die Binnenwirtschaft durch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.