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Geleakte E-Mails in Amerika : Der größte anzunehmende Tippfehler

Hillary Clinton Bild: AP

Es ist Stoff für Hollywood: Ein IT-Mitarbeiter bei den Demokraten vertippt sich mitten im Wahlkampf, das Missgeschick führt zur größten Panne. Nun verteidigt sich der junge Mann – kann man ihm glauben?

          Die größte Panne im jüngsten amerikanischen Wahlkampf beruht offenbar auf einem Tippfehler. Das sagte der IT-Mitarbeiter im Wahlkampfteam der Demokraten, Charles Delavan, der „New York Times“. Weil er sich vertippt hatte, erhielten russische Hacker Zugriff auf rund 60.000 private E-Mails von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta. Doch seine Rechtfertigung ist nicht ganz wasserdicht.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Ein Rückblick: Am 19. März erhält John Podesta, Wahlkampfmanager von Hillary Clinton, diese Nachricht: „Hi John, gerade hat jemand dein Passwort benutzt, um sich bei deinem Google-Konto anzumelden.“ Als Ort für den Zugriff ist eine IP-Adresse in der Ukraine angegeben. Der Absender, der sich als Google tarnt, empfiehlt Podesta in der E-Mail, sein Passwort zu ändern. Dieser fragt bei seinem Kollegen in der Informationstechnik nach. Die Antwort des IT-Fachmanns Delavan lautet: „eine seriöse E-Mail“, Podesta solle sein Passwort sofort ändern.

          IT-Mitarbeiter plagt schlechtes Gewissen

          Es war nicht das erste Mal: In der Vergangenheit waren schon zahlreiche Phishing-Mails bei Podesta und anderen Mitgliedern des „Democratic National Committee“ (DNC) eingegangen. Daher wurden die Mitarbeiter des Wahlkampfmanagers bei diesem Fall abermals misstrauisch. Doch die Einsicht kam zu spät. Die Podesta-Mitarbeiter änderten daraufhin tatsächlich das Passwort von Clintons Wahlkampfmanager – und die russischen Hacker, die hinter der Phishing-Attacke stecken sollen, erhielten plötzlich Zugriff auf Zehntausende sensible E-Mails.

          Rund 60.000 E-Mails leiteten die Hacker nach Informationen aus amerikanischen Sicherheitskreisen an die Enthüllungsplattform Wikileaks weiter. Und jene nahm mit der Veröffentlichung der geleakten E-Mails Einfluss auf die Dynamik des amerikanischen Wahlkampfs.

          Besonders bitter ist die Angelegenheit aber für Charles Delavan. Nach eigenen Angaben plagte ihn sein schlechtes Gewissen. Der „New York Times“ sagte er nun, er habe er sich beim Verfassen der Nachricht vertippt: Eigentlich habe er „unseriös“ („illegitimate“) schreiben wollen, aber versehentlich nur „seriös“ („legitimate“) eingetippt.

          Doch die Richtigkeit von Delavans Aussage wird angezweifelt. Die Zeitschrift „The Atlantic“ glaubt nicht an einen Tippfehler: So liege der Unterschied zwischen „a legitimate email“ und „an illegitimate email“ immerhin bei drei Buchstaben. Außerdem versah er seinen Ratschlag an Podesta mit dem Hinweis, dass das Passwort so schnell wie möglich geändert werden müsste.

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