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Vor G-20-Gipfel : Der Protektionist und seine Vorgänger

Er sei mit dieser Haltung zu den Wurzeln der Republikanischen Partei zurückgekehrt, sagt Buchanan. Sie sei bis 1920 die Partei der Arbeiter und kleinen Geschäftsleute gewesen. Zwei führende republikanische Senatoren setzten 1930 das berüchtigte Smoot-Hawley-Zollgesetz durch, das die Importzölle auf ein in Amerika nie dagewesenes Niveau schraubte. Handelskriege brachen aus, der Welthandel schrumpfte dramatisch, es kam zu schweren Krisen. Der demokratische Präsident Franklin D. Roosevelt erbte bei Amtsantritt das fatale Gesetz und eine schwere wirtschaftliche Depression.

Protektionismus als Katalysator der Weltwirtschaftskrise?

Unter Wirtschaftshistorikern herrscht heute Konsens, dass die vielen protektionistischen Maßnahmen, mit denen nicht nur die Vereinigten Staaten auf die beginnende Weltwirtschaftskrise reagierten, das Desaster erst verschärften. Je mehr Importbeschränkungen die einzelnen Länder verhängten, desto tiefer versanken ihre Volkswirtschaften im nun selbstverschuldeten Schlamassel. Noch in dem Konjunktureinbruch, der auf die Finanzkrise von 2008 folgte, galt das als abschreckendes Beispiel. Auch deshalb tagt die Runde der G20 seither auf der höchsten Ebene der Staats- und Regierungschefs: Es galt als absolute Chefsache, eine Abschottungsspirale wie in den frühen dreißiger Jahren tunlichst zu vermeiden.

Der neue Präsident Roosevelt leitete damals mit seinem Außenminister Cordell Hull eine spektakuläre Wende ein. Er setzte ein Gesetz durch, das bei entsprechenden Gegenleistungen der Handelspartner Zollsenkungen erlaubte. Die Politik der ausgehandelten Zollsenkungen legte die Grundlage für die Gatt-Vereinbarungen, die Präsident Harry Truman, ebenfalls ein Demokrat, vor 70 Jahren auf den Weg brachte.

Das Versprechen vom „Fair Trade“

Die positive Sicht auf freie Märkte mischte sich mit dem politischen Wunsch, die Verlierer des Zweiten Weltkriegs wirtschaftlich aufzupäppeln und als Bollwerk gegen den aufkommenden Kommunismus aufzurichten. Die Amerikaner erlaubten den Japanern sogar, ihr Land vor Importen weitgehend abzuschotten, und nahmen dennoch deren Exporte ab.

Spätestens seit den Reagan-Jahren versuchen die Protektionisten einen neuen Trick: Sie sprechen von Fair Trade. Es klingt für deutsche Ohren so, als ob man bolivianischen Kaffeebauern noch einen Bonus gäbe. Doch gemeint ist das klassische „Wie du mir, so ich dir“ im Geschäftsleben. Der konservative Publizist Henry Olsen, der gerade eine vieldiskutierte Reagan-Biographie verfasst hat, beschreibt die Haltung des großen Mannes mit erkennbarer Sympathie so: Er war für freien Handel, und er war für fairen Handel. Das klingt nun ganz genauso wie Donald Trump.

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Ökonom Boudreaux kann sich über den Begriff des Fair Trade richtig aufregen. Wer leidet eigentlich, wenn das Ausland zum Beispiel den Stahl unter Produktionskosten verkauft?, fragt er rhetorisch. Etwa der Käufer? Neulich sagte Wirtschaftsminister Ross, Amerika sei das größte Opfer der Überkapazität in der Stahlindustrie, weil es der größte Importeur sei. Boudreaux fragt zurück: Wenn gutes Wetter zu gewaltigen Apfelernten führte, die die Äpfel verbilligten, wären dann die Käufer ebenfalls Opfer? Wohl kaum.

Korrekturhinweis

In einer früheren Version des Textes konnte der Eindruck entstehen, Pat Buchanan habe die Vowahlen gegen Bob Dole gewonnen. Das ist nicht korrekt, er hat nur Vorwahl im Staat New Hampshire gewonnen. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

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