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Vor G-20-Gipfel : Der Protektionist und seine Vorgänger

Die amerikanischen Autohersteller schufen nicht etwa neue Jobs oder sicherten wenigstens die bestehenden, wie es die Befürworter der Quoten versprochen hatten. Das Gegenteil geschah. Die Firmen feuerten Tausende Mitarbeiter, erhöhten die Preise und fuhren Rekordgewinne zu Lasten der Verbraucher ein. Auch Werkzeugmaschinen, Textilien, Zucker, Holz und Stahl wurden unter Reagans Ägide mit Handelsbarrieren bedacht.

Handelsbarrieren der Reagan-Regierung

Der große Wächter freier Märkte und Reagan-Verteidiger Milton Friedman schrieb damals einen harschen Brief ans Weiße Haus. „Kongress und Regierung gefallen sich darin, Amerika als Oase des Freihandels darzustellen, belagert von Protektionisten wie Japan“, hieß es darin. Doch Amerika sei keinen Deut besser als das Land in Ostasien. Knapp ein Viertel der Importgüter stehe unter Restriktionen. Vor Reagan sei es nur ein Achtel gewesen.

William Niskanen, zeitweise Chefökomom des großen Kommunikators im Weißen Haus, stellte nach seinem Ausscheiden nüchtern fest, Reagan sei der erste Nachkriegspräsident, der mehr Handelsbarrieren errichtet als geschleift habe.

Republikaner wenig wirtschaftsliberal

Der republikanische Präsident hatte offenkundig keine Angst, dass der Bluff auffliegen könnte. Selbst wenn: Die republikanischen Wähler waren immer schon weniger wirtschaftsliberal als oft unterstellt. Fabriken vor Konkurrenz zu schützen habe etwas verführerisch Einleuchtendes, sagt Boudreaux, weil die Kosten dafür lange unsichtbar blieben. Sie verteilen sich auf viele Konsumenten.

Einen schlagenden Beweis dafür, dass die Republikaner so arg wirtschaftsliberal nicht ticken, lieferte 1996 der erzkonservative Pat Buchanan, Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur. In den Vorwahlen trat er mit kleinem Budget gegen Parteiführer Bob Dole an. Er gewann immerhin im Staat New Hampshire mit einer klaren, seltsam bekannten Botschaft: America first. Weg mit dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen Nafta, keine illegale Einwanderung, keine Entwicklungshilfe und keine Militäreinsätze in anderen Ländern. In der eigentlichen Wahl ging dann Bob Dole gegen Amtsinhaber Bill Clinton krachend unter.

Der Ruf nach Protektionismus wird lauter

Auch der Unternehmer Ross Perot trat 1992 und 1996 mit scharfer Anti-Nafta-Rhetorik an. Er gewann in der Präsidentenwahl 1992 als Unabhängiger 19 Prozent der Stimmen – und damit mehr als jeder unabhängige Präsidentschaftskandidat seit dem Ersten Weltkrieg.

Die überraschende Parallele zur aktuellen Situation liegt in den ökonomischen Kennziffern: Der Ruf nach Protektionismus wird lauter, obwohl sich die Wirtschaftsdaten allesamt sehr erfreulich ausnehmen. Schon 1996 gab es aus der Sicht von Ökonomen wenig Grund zur Klage bei einer Arbeitslosenquote von wenig mehr als fünf Prozent und einer Wachstumsrate von 3,8 Prozent.

Parallen zwischen Buchanan und Trump

Buchanan erzählt die Geschichte anders. Er sei politisch als Freihändler unterwegs gewesen. Eines Tages habe ihn ein Onkel aus Pennsylvania angerufen und gefragt, ob er denn nicht wisse, dass in seiner alten Heimat die Fabriken reihenweise vor der Importkonkurrenz die Waffen streckten. Das habe ihm die Augen geöffnet für einen neuen ökonomischen Patriotismus, den er seither in seinen Kolumnen propagiert – mit ähnlichen Argumenten, wie sie auch der amtierende Präsident Donald Trump in diesen Tagen benutzt.

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