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Andreas Ross (anr.)

G-20-Gipfel in Osaka : Alte Allianzen bröckeln

  • -Aktualisiert am

Kein Traumpaar: Donald Trump und Angela Merkel auf dem G-20-Gipfel in Osaka. Bild: dpa

Der G-20-Gipfel in Osaka zeigt im Jahr drei der Präsidentschaft Trumps offen die Risse in der westlichen Allianz. Kein Formelkompromiss in der Abschlusserklärung kann dies übertünchen.

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          Deutschland kann sich nichts dafür kaufen, dass Donald Trump beim G-20-Gipfel von seiner „grandiosen Beziehung“ zu Angela Merkel schwärmte. Die „phantastische Person und phantastische Frau“, die sich der amerikanische Präsident in Osaka so glücklich schätzte, seine Freundin nennen zu dürfen, regiert schließlich seit 14 Jahren ein Land, das Trump vor Abflug wieder einmal hart angegangen war: Mit seinen Gasimporten aus Russland „bezahlt“ Deutschland demnach einen „potentiellen Feind“, bleibt der Nato zugleich viele Milliarden schuldig und ist ansonsten die größte jener europäischen Nationen, die bekanntlich „gebildet wurden, um die Vereinigten Staaten auszunutzen“ – und deren Union Amerika „schlimmer behandelt als China“. Das Übliche.

          Was also ist es wert, wenn Trump nun das deutsch-amerikanische Handelsvolumen preist und überlegt, ob es vielleicht „noch besser“ ginge? Nicht mehr, als wenn er kurz danach an Wladimir Putins Seite die Reporterfrage bejaht, ob er Russland vor einer Einmischung in den amerikanischen Wahlkampf 2020 warnen werde, um dem Kremlchef dann schelmisch zu sagen: „Misch dich nicht in unseren Wahlkampf ein.“ Alles Show. Doch so sehr Entertainer Trump für Überraschungen gut sein mag, an ein paar Überzeugungen hält er fest. Dazu gehört die Vorstellung vom Welthandel als Nullsummenspiel, in dem Handelsüberschüsse anderer Länder wie Außenstände sind, Zölle aber eine Art Allzweckwaffe, um den eigenen Willen durchzusetzen und nebenbei die Staatskasse aufzufüllen. Weil diese Denkweise so absurd ist, fällt es Europa schwer, gemeinsam mit Washington China auf faireren Handel festzunageln. Dabei wäre ein Quantum Trumpscher Robustheit in dieser überfälligen Auseinandersetzung durchaus zu gebrauchen.

          Stattdessen wird im Jahr drei seiner Präsidentschaft immer deutlicher, wie alte Allianzen bröckeln und neue Zweckbündnisse entstehen. Im Atomstreit mit Iran haben die Europäer soeben einen Kraftakt gestartet, um Teheran Einkünfte zu bescheren und den von Trump bekämpften Nuklearpakt zu retten. In der Klimapolitik wiederum finden immer mehr Mächte Gefallen daran, im Windschatten Trumps vom Pariser Abkommen abzurücken. Kein Kompliment des Amerikaners, aber auch kein Formelkompromiss in irgendeinem Gipfeldokument kann das Auseinanderdriften überdecken.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

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