https://www.faz.net/-gpf-8zjm4

G-20-Gipfel, erster Tag : Trump und Putin wollen die Klimasitzung schwänzen

  • -Aktualisiert am

Donald Trump und Wladimir Putin werden sich heute am Rande des G-20-Gipfels in Hamburg treffen. Bild: dpa

Da schaut die Welt hin: Donald Trump und Wladimir Putin treffen am Rande des G-20-Gipfels erstmals aufeinander. Der Zeitpunkt verrät etwas über ihre Prioritäten. In Amerika herrscht über einen Aspekt des Gesprächs großes Unbehagen.

          3 Min.

          Donald Trump und Wladimir Putin könnten (absichtlich?) einen wichtigen Teil des G-20-Gipfels verpassen: Ihr erstes Aufeinandertreffen seit Trumps Amtsantritt ist parallel zur wichtigen Sitzung über den Klimaschutz an diesem Freitagvormittag geplant. Neben dem Handel ist das eines der ganz großen Themen des Treffens der Anführer der mächtigsten Länder der Welt.

          Wenn Trump Putin trifft, soll er zudem nur von Außenminister Rex Tillerson und einem Übersetzer begleitet werden, berichten amerikanische Medien. Auch Putin werde nur seinen Außenminister Sergej Lawrow mitbringen.

          Dass der Kreis bei dem Treffen so klein sein soll, löst in den Vereinigten Staaten Unruhe aus. Selbst Trumps Nationaler Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster wird nicht dabei sein – Beobachter fragen sich nun, ob sich das als Nachteil erweisen könnte. „Putin mag Treffen im kleinen Kreis. Dies bedeutet, dass das Weiße Haus den Kreml den Rahmen des Treffens diktieren lässt“, twitterte der ehemalige amerikanische Botschafter in Moskau, Michael McFaul.

          Trumps Dilemma

          Trump steckt im Hinblick auf Russland in einem Dilemma: Einerseits sehen seine Geheimdienste Beweise dafür, dass die Russen versucht haben, die Wahl 2016 zu beeinflussen. Andererseits steht er selbst im Verdacht, illegitime Kontakte mit russischen Vertretern gehabt zu haben. Angesichts der zu Hause laufenden Untersuchungen muss Trump den Eindruck vermeiden, er sei in irgendeiner Weise durch Putin beeinflussbar.

          Trump hat jedoch auch mehrfach angekündigt, dass er die Beziehungen zu Russland verbessern möchte. Wie das konkret geschehen soll, ist noch unklar.

          Während es von beiden Seiten offenbar Bemühungen gibt, zumindest im Syrien-Konflikt zusammenzuarbeiten, warf Trump den Russen beim Besuch in Polen „destabilisierendes Verhalten“ vor. In den Vereinigten Staaten kommt eine solche harte Rhetorik gegenüber Putin zur Zeit nicht schlecht an, scheint sie doch die Unabhängigkeit des Präsidenten zu bekräftigen. Trump sorgte allerdings auf der anderen Seite mit seinen widersprüchlichen Äußerungen zur möglichen Wahlkampf-Beeinflussung für Irritationen zu Hause. „Es könnte sehr gut Russland gewesen sein, es könnten aber auch andere Länder gewesen sein. Viele Länder versuchen eine Beeinflussung. Niemand weiß es so genau“, sagte der Präsident.

          Diese Relativierung der Vorwürfe und der Erkenntnisse seiner eigenen Nachrichtendienste ist vielen Beobachtern suspekt. Manche fragen sich, ob Wladimir Putin Donald Trumps Verhalten zu seinen Gunsten ausnutzen könnte. „Wenn ein Feind der Vereinigten Staaten und Opportunist wie Wladimir Putin sich entscheidet, Trumps Narzissmus, seine Ignoranz und seine Paranoia, oder auch seine Geschäftsinteressen und Skandale für sich zu nutzen, wird er das tun.“, schrieb Politikprofessor David Rothkopf in der Zeitung „Washington Post“. 

          Demokraten warnen Trump

          Unterdessen haben die Demokraten im Kongress Trump in einem Brief aufgefordert, die Wahlbeeinflussungsvorwürfe zum Thema des Treffens in Hamburg zu machen. „Wenn Sie das nicht ansprechen, ist das eine ernste Vernachlässigung der Pflichten ihres Amtes“, warnen die Abgeordneten am Vorabend der Zusammenkunft. „Sie müssen Putin absolut klar machen, dass so etwas nie wieder vorkommen darf.“

          Adam Schiff, Demokrat im Repräsentantenhaus, warf Trump vor, mit seinen Äußerungen die Interessen der Vereinigten Staaten zu verletzen. Wenn Trump Putin keine Grenzen setze, werde Russland das den Vereinigten Staaten als Schwäche auslegen – „mit schädlichen Folgen für die kommenden Jahre“, sagte Schiff.

          Gespaltenes Echo nach Polen-Auftritt

          Während das anstehende Treffen mit Putin also für Anspannung sorgt, sehen viele Beobachter Trumps bisherige Auftritte durchaus positiv. Seine Rede in Warschau etwa wurde von eher konservativen Journalisten freundlich aufgenommen. Das Magazin „National Review“ bezeichnete die Rede als „schön“, auch auf CNN sagte ein Kommentator, es sei eine gute Ansprache gewesen.

          Die Freund-Feind-Rhetorik, mit der Trump den „Westen“ und seine Werte als Bollwerk gegen äußere Bedrohungen beschrieben hatte, wurde von liberaleren Medien dagegen sehr kritisch bewertet. Die Zeitung „Washington Post“ bezeichnete Trumps Worte als nationalistisch und aggressiv. Das Magazin „The Atlantic“ urteilte, dass Trumps Vision vom „Westen“ geprägt sei von Rassismus, Anti-Islam-Ressentiments und dem Wunsch nach einer weißen, christlichen Vorherrschaft. Die viel gelesene Zeitung „New York Post“ dagegen verglich die Rede gar mit dem historischen Auftritt John F. Kennedys 1963 in Berlin und lieferte damit ein Beispiel für die gespaltene Wahrnehmung von Donald Trump im Lande.

          Gipfel-Gastgeberin Angela Merkel repräsentiert für viele indessen eine andere Variante des „Westens“ – pragmatischer, moderner, säkularer. Das kurze Zusammentreffen Trumps mit Merkel scheint trotz der Spannungen bei Handelspolitik und Klimaschutz zumindest kein Desaster gewesen zu sein. Außenminister Gabriel sprach von einer echten Diskussion trotz der Differenzen.

          Viele Details drangen nicht nach außen, die persönliche Begegnung mit der Kanzlerin schien aber auch vielen amerikanischen Beobachtern etwas freundlicher ausgefallen zu sein als das noch bei ihrem Besuch im Weißen Haus der Fall war. Damals hatte es viel Kritik am ausbleibenden Handschlag zwischen Trump und Merkel gegeben. Am Donnerstag nun lobte etwa die „New York Post“ die „warme Körpersprache“ des Präsidenten. Selbst, wenn diese Beobachtung zutreffen sollte, wird das nichts an der Härte der Auseinandersetzungen beim Gipfel ändern.

          Weitere Themen

          Trump attackiert die eigene Partei Video-Seite öffnen

          Ohne Rückhalt : Trump attackiert die eigene Partei

          Viel können die Demokraten nicht, wenn es nach dem amerikanischen Präsidenten geht. Aber wenigstens hielten sie zusammen – im Gegensatz zu den Republikanern, kritisiert Donald Trump.

          Trump auf dem Rückzug

          Einsatz in Syrien : Trump auf dem Rückzug

          Zahlreiche amerikanische Soldaten überschreiten die Grenze in den Irak. Doch noch könnte es sein, dass Amerikas Präsident seinen vollständigen Abzug ein zweites Mal relativiert.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.