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Wahlen in Amerika : Eine Gefahr namens Trump

Schwere Stunden für Trump Bild: AP

Sein frauenverachtendes Gerede kommt Donald Trump teuer zu stehen. Zahlreiche einflussreiche Republikaner haben ihrem Kandidaten die Unterstützung entzogen. Doch warum hat die Partei so lange gezögert? Ein Kommentar.

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          In vielen Erklärungen, die führende Republikaner nach Veröffentlichung des skandalösen Trump-Videos abgaben, war von Amerikas „großartiger Demokratie“ die Rede. Doch Amerikas Selbstverständnis als demokratischer Leuchtturm hat Risse. Das lange Spektakel des Vorwahlkampfs hat dafür gesorgt, dass zwei Kandidaten um die Präsidentschaft wetteifern, denen je zwei Drittel der Amerikaner misstrauen. Bei den Demokraten gab es trotz aller Zweifel an Hillary Clinton und trotz Bernie Sanders kaum echte Konkurrenz, weil die Clintons ihren ungeheuren Einfluss ausübten. Und bei den Republikanern konnte sich ein mit allen Wassern des „Reality-TV“ gewaschener Egomane auch deshalb gegen seriösere Bewerber durchsetzen, weil es zu viele von ihnen gab.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Trumps frauenverachtendes Gerede reicht, um ihn für das Amt des Präsidenten zu disqualifizieren. Es ist gut, dass eine weitere Handvoll Republikaner das jetzt offen zugibt. Doch mussten sie dafür wirklich bis jetzt warten? Kann irgendjemand glaubhaft machen, Trumps Sprache habe ihn überrascht? In Wahrheit war nicht nur Trumps Chauvinismus seit langem dokumentiert. Auch mit seinen Attacken auf Minderheiten, grob fahrlässigen Sprüchen zur Außenpolitik und seinem Hang zur dreisten Lüge hat er längst gezeigt, dass in ihm kein Diener des Volkes steckt. Es spricht deswegen viel Feigheit aus den späten Absetzbewegungen einiger Republikaner: Erst nachdem klar war, dass Trump den entscheidenden Kampf um die wohl ausschlaggebenden Stimmen von Frauen verloren haben dürfte, sprechen sie Klartext. Dabei verdienen noch am ehesten die Politiker Respekt, die das Kind beim Namen nennen: Es geht um sexuelle Nötigung.

          Schändlich dagegen bleibt das Verhalten von Parteiführern wie Paul Ryan. Es reicht nicht, die allerübelsten Entgleisungen des Kandidaten beim Namen zu nennen. Ryan und andere müssen auch die Konsequenz benennen: Ein Präsident Trump wäre eine Gefahr. Daran ändert weder der Umstand etwas, dass Abermillionen loyale Unterstützer Trump seine vulgäre Sprache verzeihen werden, noch die Tatsache, dass jüngste Enthüllungen Zweifel an Clintons Aufrichtigkeit bekräftigen. Wenn sie über Präsident Obama schimpfen, fordern die Republikaner gern Führungsstärke ein. Nun müssen sie selbst beweisen, dass Führung auch in der Demokratie nicht Nachlaufen bedeutet.

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