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Unangenehmes Interview : Wie Trump bei Fox News ins Schwitzen kam

Gegrillt? Chris Wallace interviewt Donald Trump. Bild: Imago

Fox News war lange der Lieblingssender von Donald Trump. Doch im Interview mit dem Moderator Chris Wallace wurde der Präsident ein ums andere Mal korrigiert oder mit unliebsamen Tatsachen konfrontiert. War es das?

          2 Min.

          Das Interview des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, das am Sonntag auf Fox News ausgestrahlt wurde, wird kaum dazu beigetragen haben, das Verhältnis zwischen dem Sender und Trump zu kitten. Chris Wallace stellte immer wieder kritische Nachfragen, wenn sich Trump in Unwahrheiten flüchtete; er stellte Fakten vor, die dem widersprachen, was der Präsident gesagt hatte. Das vergangene Woche aufgezeichnete Gespräch ließ den Präsidenten nicht gut aussehen. Mehrmals war Trump anzusehen, dass ihm das Vorgehen des Moderators dreist vorkam – vor allem dann, als Wallace dem Präsidenten ins Gesicht sagte, dass er Unrecht habe.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Schon früh gerieten die beiden aneinander.  Es ging um die Frage nach der Sterblichkeitsrate in der Corona-Pandemie. Trump sagte, die Vereinigten Staaten hätten eine der niedrigsten Raten der Welt, worauf Wallace antwortete: „Das stimmt nicht.“ Trump ließ sich einen Zettel mit einer Grafik reichen, die seine Behauptung unterstützen sollte. In einem Einspieler wies Wallace dann darauf hin, dass die Zahlen des Senders und von Trump aus unterschiedlichen Quellen stammten. Die Internetseite „The Intercept“ zeigte später, dass Trumps Grafik das Verhältnis von Toten zu Kranken abbildete – in dem die Vereinigten Staaten tatsächlich gut abschneiden –, während Wallace vom Verhältnis von Toten zur Gesamtbevölkerung sprach. Trump war von Wallace' Gesprächsführung sichtlich angefressen. „Ich hoffe, ihr zeigt das hier, denn es zeigt, was Fake News sind“, sagte der Präsident.

          Ungünstige Umfragen? Fake News!

          Hinter diese Verteidigungslinie zog sich Trump auch zurück, als Wallace ihm eine aktuelle Umfrage von Fox News präsentierte. Der zufolge liegt er in nationalen Umfragen acht Prozentpunkte hinter dem Demokraten Joe Biden. Wenn die Wahl jetzt wäre, würde Trump verlieren, sagte Wallace. „Ich verliere nicht, weil das Fake-Umfragen sind“, antwortete Trump. Es gebe andere Umfragen, die wesentlich besser für ihn seien. Die Umfragen von Fox News seien unter den schlechtesten, die durchgeführt werden, sagte Trump.

          Daraufhin ging er zum Angriff auf Biden über. Dieser sei mental nicht in der Lage, das Amt des Präsidenten auszuführen. Er selbst habe einen Test der geistigen Leistungsfähigkeit gemacht und großartig abgeschnitten. Biden solle das auch machen, doch er würde durchfallen, behauptete Trump. Auch hier hinterfragte Wallace den Präsidenten. Er habe den Test auch gemacht und er sei nicht besonders schwer. Zum Beispiel müsse man das Bild eines Elefanten erkennen, führte Wallace aus. Das sei eine Falschdarstellung, beschwerte sich Trump, denn die letzten fünf Fragen seien enorm schwierig und Wallace habe sie bestimmt nicht beantworten können. „Eine davon ist: ,Ziehen sie sieben von hundert ab.‘ [...] 93“, antwortete der Journalist.

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          Ein weiterer Streit entwickelte sich, als Trump behauptete, Biden wolle der Polizei die Gelder streichen. Das stehe auch in dem Programm-Papier, dass er kürzlich zusammen mit dem „demokratischen Sozialisten“ Bernie Sanders ausgearbeitet habe. Das stimme nicht, wies Wallace das zurück. Trump blätterte daraufhin in dem Papier, konnte die entsprechende Stelle jedoch nicht finden und das Gespräch ging weiter. In einem Einspieler sagte Wallace, dass das Weiße Haus keinen Beweis für Trumps Behauptung liefern konnte.

          Für seine Gesprächsführung wurde Wallace nach dem Interview gelobt. Er habe den Präsidenten „gegrillt“, hieß es in vielen Medien. Zu dem Eindruck mag auch beigetragen haben, dass das Interview auf einem Hof vor dem Oval Office aufgezeichnet worden war, auf dem eine Temperatur von 38°Celsius herrschte und Trump im Gegensatz zu Wallace sichtlich schwitzte.

          Ein solch herausforderndes Gespräch ist Trump bei Fox News sonst nicht gewohnt, wenn er mit den Moderatoren spricht, die zu seinen Anhängern zählen. Widerspruch muss er dort meist nicht befürchten. Wallace hingegen legt nach wie vor Wert auf seine journalistische Integrität. Er war auch schon in der Vergangenheit mit Trump aneinandergeraten. Der nannte ihn in Tweets „scheußlich“ und „unausstehlich“ und behauptete, er sei kein guter Journalist. Abseits von seinen Anhängern Sean Hannity, Tucker Carlson und einigen anderen, scheint Trump aber mit Fox News gebrochen zu haben. „Ich bin kein großer Fan von ,Fox‘“, bekräftigte er in dem Gespräch.

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