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Fords Anhörung im Senat : „Die Erinnerungen haben mich immer wieder verfolgt“

  • -Aktualisiert am

Nach Jahrzehnten des Schweigens: Ford sagt am Donnerstag zur angeblich versuchten Vergewaltigung durch Kavanaugh aus. Bild: Reuters

Das Nominierungsverfahren für Brett Kavanaugh ist eine Schlacht geworden. Es geht längst nicht mehr nur um einen Posten, sondern um das Geschlechterverhältnis in Amerika. Jetzt hat die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford ausgesagt.

          Christine Blasey Ford ist nun da, wo sie nie sein wollte. Sie sitzt auf dem Stuhl des Justizausschusses im holzgetäfelten Saal des „Dirksen Senate Office Building“ auf dem Kapitolshügel in Washington und lauscht den Ausführungen des Ausschussvorsitzenden Charles Grassley. Zwischen ihr und dem 85 Jahre alten Republikaner aus Iowa liegen Fotografen und Kameraleute auf dem Boden. Vor ihr auf dem Tisch liegt eine Erklärung. Die Frau, die jahrzehntelang über die Ereignisse auf einer Schülerparty in den frühen achtziger Jahren geschwiegen hat, wird nun vor den Augen der Welt Zeugnis ablegen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Die Psychologie-Professorin stellt sich vor, beschreibt – mit gedrückter Stimme – ihren Bildungsweg, der sie einmal quer durch das Land von der Ost- an die Westküste geführt hat. Sie erwähnt ihren Mann, den sie 2002 heiratete, und ihre zwei Kinder. Dann sagt sie: „Ich bin hier nicht, weil ich es so wollte. Ich habe Angst. Ich bin hier, weil ich glaube, es ist meine bürgerliche Pflicht, Ihnen vorzutragen, was mir passiert ist, als Brett Kavanaugh und ich zur Schule gingen.“ Sie besuchte eine Mädchenschule in Bethesda, im Umland Washingtons.

          Verteidiger Kavanaughs bohren nach Details

          Kavanaugh war Schüler einer unweit gelegenen katholischen Privatschule. Die „Georgetown Prep Boys“, Jungs aus gutem Hause mit einer glänzenden Zukunft vor Augen, kannten die Mädchen, weil man gesellschaftlich in den gleichen Kreisen verkehrte und die Eltern in vielen Fällen denselben Country Club besuchten. „So habe ich Brett Kavanaugh kennengelernt, den Jungen, der mich sexuell genötigt hat“, sagt die Zeugin.

          Befreundet seien sie nicht gewesen. Nur über einen Klassenkameraden Bretts habe man einander gekannt. Über diesen Mitschüler sei sie auch im Alter von 14, 15 auf den Partys gelandet, auf denen auch Brett regelmäßig aufgetaucht sei. An einem Sommerabend 1982 sei sie mit Freundinnen nach einem Tag am Pool zu einer eher spontanen Zusammenkunft junger Leute in einem Privathaus in der Gegend gewesen. Neben Kavanaugh erwähnt sie Mark Judge und zwei andere Jungen. Sie wünschte, sagt die Zeugin nun, sie könne mehr Details liefern, etwa wo und wann die Party genau stattgefunden habe. Aber die Details über den weiteren Verlauf des Abends werde sie nie vergessen. „Diese Erinnerungen haben mich in unterschiedlichen Phasen meines Lebens immer wieder verfolgt.“ Ford weiß, das haben die Verteidiger Kavanaughs schon vorher deutlich gemacht, dass man hier bohren wird. Ohne genauen Tatort und Tatzeit sei es dem Angeklagten unmöglich, sich zu verteidigen.

          Ford macht deutlich, dass sie nur ein Bier an jenem Abend getrunken habe. Brett und Mark hingegen seien erkennbar betrunken gewesen. Dann beschreibt sie die Tat, die seit Wochen Amerika beschäftigt: wie Brett und Mark sie nach einem Gang zur Toilette abgefangen hätten, in ein Zimmer gedrängt, die Tür verriegelt, aufs Bett geworfen hätten und Kavanaugh dann versucht habe, sie zu vergewaltigen.

          Ford wollte eigentlich anonym bleiben

          Das sei daran gescheitert, dass der Betrunkene es nicht geschafft habe, sie auszuziehen, weil sie unter den Klamotten immer noch einen Badeanzug getragen habe. Ford atmet nun schwer und unterdrückt ein Schluchzen. Die Tat habe ihr Leben drastisch verändert, setzt die Zeugin fort. Lange habe sie sich geschämt, darüber zu reden. Auch ihren Eltern gegenüber habe sie geschwiegen. Sie habe geglaubt, sie komme damit klar, weil es ja nicht zur Vergewaltigung gekommen sei.

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