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Flüchtlingstreck nach Norden : Endstation Mexiko?

  • -Aktualisiert am

Migranten aus Mittelamerika klettern auf den Anhänger eines Lastwagens. Bild: dpa

Tausende Menschen schieben sich aus Honduras durch Mexiko in einer langen Karawane Richtung Vereinigte Staaten. Doch Donald Trumps Drohung zeigt bei den ersten Flüchtlingen Wirkung.

          Auf der Tartanbahn, wo sonst Athleten sprinten, sammelt sich eine Menschentraube. Ein Mann mit Megafon begrüßt die Ankommenden. Sie tragen Flaggen und Schilder, um einander wiederzufinden. Fast einen Monat sind sie schon gemeinsam auf dem Weg in die Vereinigten Staaten. Hubschrauber fliegen so tief über das Sportstadion im Norden von Mexiko-Stadt, dass sie fast die Palmen streifen könnten. Bachata-Musik schallt aus Lautsprecherboxen. An den Geländern der Tribüne hängt frisch gewaschene Wäsche.

          Für die Geflüchteten scheint Mexiko-Stadt wie eine Verschnaufpause zu sein. Mehr als 7000 Personen haben sich seit Anfang Oktober der Migrations-Karawane angeschlossen. Sie kommen aus Guatemala, Honduras und El Salvador. Ihr gemeinsames Ziel ist es, in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Der nächstgelegene Grenzübergang liegt gut tausend Kilometer entfernt.

          „Ich kenne den Weg schon”, sagt Alexander Gonzales Herrarte und räuspert sich. Seit er auf der Reise ist, sei er erkältet, so wie viele andere auch. Er ist auf dem Weg zu seiner Mutter, erklärt der 17 Jahre alte Junge auf der Tribüne des Sportstadions. Sie floh, als er sechs Monate alt war, um in den Vereinigten Staaten Arbeit in einem Restaurant zu finden. Zehn Jahre sei es nun her, dass er sie das letzte Mal gesehen habe.

          „Ich habe keine Hoffnung mehr“

          Damals, so erinnert sich Alexander, durchquerten sie gemeinsam Mexiko und Texas. Endlich in den Vereinigten Staaten angekommen habe er saubere Straßen gesehen, sich sicher gefühlt. Nach drei Monaten sei er aber abgeschoben worden. Die Mutter, mittlerweile in den Vereinigten Staaten verheiratet, sei geblieben. Seitdem wisse er, dass er wieder in die Vereinigten Staaten gelangen wolle, sagt Alexander, egal ob mit Visum oder „mojado”, zu deutsch: nass, also durch den Fluss, als illegaler Migrant.

          „Ich will leben, wo ich sicher bin.“ Alexander Gonzales Herrarte auf der Tribüne des Sportstadtions in Mexiko-Stadt

          Anfang Oktober fällen in der honduranischen Stadt San Pedro Sula gut 500 Menschen eine ähnliche Entscheidung. Fernsehbilder zeigen, wie die immer weiter wachsende Gruppe die Grenze zu Guatemala durchbricht. Es sind jene Bilder, die Alexander zu einer schnellen Entscheidung bewegen. Er packt seinen Rucksack und sitzt wenige Stunden später im Bus Richtung „Puente“, der guatemaltekisch-mexikanischen Grenze.

          „Ich habe keine Hoffnung mehr in Guatemala“, sagt Alexander. Dort habe er seine Freundin zurückgelassen, für die der Weg zu gefährlich gewesen sei. Er trägt eine kleine Bibel in der einen Hosentasche, sein Smartphone in der anderen. Täglich textet er mit seiner Mutter. „Ich warte hier auf dich. Pass auf dich auf“, schreibt sie per Whatsapp. Es gebe viele Kinder und Jugendliche, die zu ihren Familienangehörigen in die Vereinigten Staaten wollten. „Alle hier haben Träume. Wir wollen auch etwas erreichen.“ Zweimal habe er in seiner Heimatstadt nur knapp einen Überfall überlebt: „Ich will in einem Land leben, in dem Gesetze respektiert werden, wo ich sicher bin.“

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