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Ist Donald Trump ein Rassist? : Eine Äußerung zieht ihre Kreise

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Trotz möglicher Gedächtnisprobleme immer an der Seite des Präsidenten: Die beiden Senatoren Tom Cotton (links) und David Perdue (rechts) im August 2017 Bild: EPA

Hat er oder hat er nicht? Nach der Aufregung um Donald Trumps angeblicher Drecksloch-Aussage, scheint sich das Erinnerungsvermögen einiger Politiker plötzlich zu verbessern.

          Am Vorabend des Martin-Luther-King-Tags schien der Präsident nicht überrascht, ja nicht einmal verärgert, als er die Frage hörte: „Sind Sie ein Rassist?“ Vermutlich hatte Donald Trump zwischen den Golfpartien in seinem Klub Mar-a-Lago genug ferngesehen, um zu wissen, wie sehr die Frage die Kommentatoren beschäftigt, seitdem er afrikanische und andere Staaten am Donnerstag als „Drecksloch-Länder“ bezeichnet haben soll.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          „Nö, ich bin kein Rassist“, sagte Trump am Sonntagabend jovial. „Ich bin die am wenigsten rassistische Person, die Sie je interviewt haben.“ Das war eine nur leicht temperierte Variante von Trumps Feststellung im Jahr 2015, er sei „wahrscheinlich die am wenigsten rassistische Person auf der Erde“ – und eine Ergänzung seiner Antwort auf die Frage eines jüdisch-orthodoxen Reporters im vorigen Februar: „Ich bin die am wenigsten antisemitische Person, die Sie in ihrem ganzen Leben treffen werden.“

          Solche Beharrlichkeit funktioniert vermutlich nur mit bestem Erinnerungsvermögen. In dieser Disziplin können nicht alle Republikaner mit Trump mithalten. Nachdem die „Drecksloch“-Suada im Oval Office an die Öffentlichkeit gelangte, hatten sich die Trump-treuen Senatoren Tom Cotton und David Perdue zuerst mit der Erklärung aus der Affäre gezogen, sie könnten sich „nicht entsinnen, dass der Präsident genau diese Bemerkung fallen ließ“. Noch nicht einmal Trumps Sprecher hatte den Bericht über die Äußerung dementiert.

          Doch nachdem die Empörung nicht weichen wollte und Dick Durbin als einziger anwesender Demokrat öffentlich Trumps Worte bestätigte, lichtete sich der Nebel im Gedächtnis der beiden Republikaner. „Er hat dieses Wort nicht benutzt“, sagte ein von allen Zweifeln befreiter Perdue am Sonntag im Sender ABC.

          „Ich habe es nicht gehört“, bekräftigte Cotton fast gleichzeitig bei CBS, „und ich saß nicht weiter weg von Donald Trump als Dick Durbin.“ Doch der Republikaner Lindsey Graham widersprach nicht, als ihn Durbin dafür lobte, den Präsidenten im Oval Office für seine Wortwahl und die dahinterliegende Weltsicht gescholten zu haben.

          Das späte Dementi seiner Fraktionskollegen Cotton und Perdue rief auch Senator Jeff Flake auf den Plan. Der Kritiker Trumps war bei dem Treffen im Weißen Haus zwar nicht dabei, will aber noch vor den ersten Medienberichten mit Teilnehmern gesprochen haben. „Sie sagten mir gleich, dass diese Worte gefallen sind“, versicherte Flake.

          Trump-Unterstützer freilich glauben einem wie ihm kein Wort mehr. Immerhin hat der Senator für Mittwoch eine Rede angekündigt, in der er darlegen will, wie Trump in seinem Kampf gegen die Medien Begriffe benutze, die Josef Stalin geprägt habe – und die sogar Nikita Chruschtschow verboten habe, weil sie als Vorwand für die „Auslöschung“ kritischer Personen dienten.

          Nicht „Shithole“, sondern „Shithouse“?

          Trumps Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen suchte derweil im Sender Fox News einen Mittelweg. Sie erinnere sich nicht „an den exakten Begriff“, mit dem Trump seine Wunsch-Nichtherkunftsländer beschrieben hatte. Aber sie könne bestätigen, dass Trump „deutliche Worte fand und auch künftig finden wird“. Am Montag schließlich wollten mehrere Reporter erfahren haben, dass Perdue und Cotton nicht „Shithole“, sondern „Shithouse“ (Scheißhaus) verstanden und deshalb beinahe reinen Gewissens die Berichte bestritten hätten.

          Das Außenministerium hat seine Diplomaten aufgefordert, erboste Regierungen in Afrika und anderswo der engen Verbundenheit Amerikas zu versichern. Staatssekretär Steven Goldstein, vor Monaten noch Kommunikationschef beim Ölkonzern BP, machte muntere Miene zum schmutzigen Spiel: „Eine der besten Sachen daran, Präsident zu sein“, sagte er der Zeitung „Washington Post“, „ist ja, dass du sagen kannst, was auch immer du willst.“

          Das sehen demokratische Abgeordnete anders, die vom Kongress verlangen, Trump förmlich zu rügen. Da steht die republikanische Mehrheit vor. Der schwarze Demokrat John Lewis, einst ein enger Mitstreiter von Martin Luther King, erklärte Trump zum Rassisten. „Wir dürfen das nicht unter den Teppich kehren“, sagte der Abgeordnete im Fernsehen.

          Für die Demokraten ist es nun noch schwerer geworden, Trump bei der Einschränkung legaler Migration sowie beim Mauerbau entgegenzukommen, um die Legalisierung Hunderttausender junger Migranten zu erreichen. Einen von einzelnen Demokraten und Republikanern geschmiedeten Kompromiss hatte Trump bei dem Treffen am Donnerstag abgelehnt. „Ich glaube, die Demokraten wollen keinen Deal“, sagte Trump nun. „Es gibt eine ganze Reihe von Streitpunkten, aber es sind alles demokratische Streitpunkte.“ Er wisse nicht, ergänzte der Präsident im Ton eines unbeteiligten Beobachters, ob es über den Streit am Samstag zum Haushaltsnotstand und Verwaltungsstillstand kommen werde.

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