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Mit Rechen gegen Waldbrände? : Finnen verspotten Trump auf Twitter

  • Aktualisiert am

Die Finnen und ihre Kultur der Waldboden-Pflege? Finnische Twitter-Nutzer spotten über eine Aussage Donald Trumps. Bild: Twitter/Pyry Luminen

Donald Trump hat einen Grund für die Brände in Kalifornien ausgemacht: die mangelnde Pflege des Waldbodens. Vorbild des amerikanischen Präsidenten ist Finnland und die Praxis „des Rechens“. Die Finnen können darüber nur lachen.

          Nach den schweren Waldbränden in Kalifornien hat der amerikanische Präsident Ursachenforschung betrieben – und wird dafür auf Twitter verhöhnt. Bei einem Besuch der am schwersten von den Bränden betroffenen Gegend hatte Donald Trump am Wochenende gesagt, Finnland habe keine Probleme mit Waldbränden, weil die Menschen dort viel Zeit mit dem „Rechen und Aufräumen“ des Waldes verbrächten. Trump berief sich dabei auf ein Gespräch mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinisto.

          Der wurde von der finnischen Zeitung „Ilta-Sanomat“ am Sonntag allerdings mit den Worten zitiert, er habe mit dem amerikanischen Präsidenten zwar über das finnische System zur Waldbrandprävention gesprochen. Um das Rechen des Waldbodens sei es dabei aber nicht gegangen.

          Ein ganz normaler Tag in Finnland ...

          Für viele Finnen war die Aussage Trumps eine Steilvorlage, um sich in den sozialen Netzwerken über ihn lustig zu machen. Auf Twitter etwa veröffentlichten zahlreiche Finnen Fotos, die sie beim Rechen von Waldstücken zeigen, mit Kommentaren wie: „Tue mein Bestes, um Waldbrände zu verhindern, indem ich den Garten hinter meinem Haus reche“.

          Eine Finnin ließ sich beim Laub-Staubsaugen fotografieren und schrieb dazu: „Einfach ein ganz normaler Tag in Finnland.“ Ihr Tweet wurde schnell von tausenden Nutzern geteilt und von Online-Medien aufgegriffen.

          Zu Trumps Rechen-Aussage entstanden auch schnell passende Hashtags: #raking, #haravointi (Englisch beziehungsweise Finnisch für „Rechen“) oder auch in Anlehnung an das Wahlkampfmotto Trumps „Make America Great Again“ („Macht Amerika wieder groß“) #RakeFinlandGreatAgain und #RakeAmericaGreatAgain.

          Veröffentlicht wurden auch Fotos, die Kinder beim Laubrechen zeigen – mit Kommentaren wie: „In Finnland rechen schon kleine Kinder Laub.“ Oder: „Schon finnische Vorschulkinder werden gezwungen, es jeden Tag stundenlang zu tun.“

          Ein Nutzer bezeichnete das Rechen gar als „größtes diplomatisches Werkzeug“ Finnlands – und gestaltete eine entsprechende Fotocollage, die Trump und den finnischen Präsidenten bei ihrem Treffen im Weißen Haus zeigt, mit einem Rechen und dem Slogan: „Wir bieten Hilfe an.“

          Dass Rechen eine hilfreiche Maßnahme gegen Waldbrände sei, hatte Donald Trump am Samstag erklärt, bei einem Besuch in der Gegend um den Ort Paradise nördlich der kalifornischen Stadt Sacramento. Bislang sind bei den Bränden mehr als 80 Menschen ums Leben gekommen, mehr als tausend galten am Wochenende noch als vermisst.

          Trump dankte bei seinem Besuch vor Ort nicht nur den Rettungskräften und versprach dem Bundesstaat Unterstützung. Er kritisierte auch die zuständigen Forstbehörden und führte Finnland als Vorbild für gelungenes Forstmanagement an.

          „Man muss sich um die Böden kümmern, die Waldböden. Sehr wichtig. Wann man sich andere Länder anschaut, was sie anders machen, dann ist das gleich eine andere Geschichte“, sagte Trump. Für einen finnischen Twitter-Nutzer sind das allerdings schlicht: #Rakenews.

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