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Fernsehdebatte : Selbst die Konservativen sind von Trump enttäuscht

  • -Aktualisiert am

Trump und Clinton im Fernsehstudio Bild: AFP

Hillary Clinton lockt ihren Rivalen in der ersten Fernsehdebatte mit persönlichen Angriffen in die Falle. Vor lauter Verteidigung vergisst der seine Angriffslust. Und erklärt zur größten Leistung, bestimmte Sachen nicht gesagt zu haben.

          Selbst das Internetportal Breitbart gab sich enttäuscht. Kein Medium hat früher und aggressiver für Donald Trump geworben, der im Sommer sogar den Redaktionsleiter Stephen Bannon als Wahlkampfchef verpflichtete. Doch nach Trumps erster Fernsehdebatte gegen die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton addierten sich auf breitbart.com drei Feststellungen in Großbuchstaben zu einem brüllenden Vorwurf an den Republikaner: „Keine Diskussion über die Clinton-Stiftung. Keine Diskussion über Einwanderung. Keine Fragen zum privaten Server.“ Trump hatte am Montagabend in dem neunzigminütigen Rededuell keinen Hinweis auf kriminelle Einwanderer oder auf die Mauer untergebracht, die er an der Grenze zu Mexiko bauen will.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Er ging hingegen auf Clintons Vorwürfe ein, dass er die Verflechtungen seiner Firmen nicht darlege, ohne seiner Rivalin Interessenkonflikte mit der „Clinton Foundation“ vorzuwerfen. Als es um Transparenz ging, verwandte Trump nur wenige Sätze auf Clintons gelöschte E-Mails aus ihrer Zeit als Außenministerin. Vielmehr lenkte er das Gespräch selbst zurück auf seine Steuererklärungen, die er nicht veröffentlichen will. Trump hatte wohl nicht gelogen, als er den Amerikanern versprach, dass er nicht wie Clinton tagelang für die Debatte trainieren werde. Er wollte auf keinen Fall wie ein herkömmlicher Politiker wirken, der eingepaukte Sprüche abruft. Doch Trump schien nicht zu bemerken, dass seine Rivalin die Themen vorgab. Clinton ließ sich kaum provozieren, überging die meisten Vorwürfe und warf in beinahe jedem ihrer sichtlich einstudierten Redebeiträge neue Köder aus – und Trump schnappte zuverlässig zu. Nur zu Beginn der Debatte schaffte es der Unternehmer, Clinton als Fürsprecherin des Freihandels zu porträtieren und ihr so die Schuld an der Deindustrialisierung zuzuschieben. Trump nahm die frühere First Lady in Mithaftung dafür, dass ihr Mann Bill als Präsident den Nafta-Vertrag unterzeichnet und damit der Abwanderung von Firmen nach Mexiko Tür und Tor geöffnet habe. Er weckte Zweifel daran, dass Clinton ihre Ablehnung der geplanten Transpazifischen Partnerschaft (TPP) ernst meine. Doch schon bald sollte Trump in die Defensive geraten.

          Denn Clinton wusste, dass er alles verteidigen würde, was er jemals getan hat, um Profite zu maximieren. In zig Zwischenrufen zeigte der Baulöwe, dass ihm sein Ruf als harter Geschäftsmann wichtiger ist als das Bild eines fürsorglichen, am Gemeinwohl interessierten Unternehmers oder gar eines einfachen Bürgers, der die Sorgen der Leute aus eigener Anschauung kenne. Clinton beschrieb, wie Trump vor zehn Jahren auf die Hypothekenkrise gehofft habe, in der Millionen Amerikaner ihre Häuser verlieren sollten, weil er sich Immobilien billig unter den Nagel reißen wollte. Trump warf ein: „Das nennt man Business.“ Er bestritt nicht Clintons Darstellung, dass er sein Immobilienimperium nur dank eines 14-Millionen-Dollar-Darlehens seines Vaters aufbauen konnte, sondern er sagte, das sei ein „kleiner Kredit“ gewesen. Als Clinton davon sprach, dass Trump in- und ausländischen Banken mindestens 650 Millionen Dollar schulde, sagte Trump: „650 Millionen sind nicht so viel Geld.“ Clinton warf Trump vor, Geschäfte auf dem Rücken von Handwerkern gemacht zu haben – nicht zuletzt immer dann, wenn er Gläubigerschutz beantragte. „Ich habe nur die existierenden Gesetze zu meinem Vorteil genutzt“, sagte Trump ohne Anflug von Reue. Clinton legte den Verdacht nahe, dass Trump seine Steuererklärungen vor allem deshalb nicht freigebe, weil er dem Bund gar keine Steuern zahle, also „null für das Militär, null für Veteranen, null für Schulen und Gesundheit“ aufbringe. Wieder beugte Trump sich über sein Mikrofon: „Und das ist clever!“

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