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Fernsehdebatte : Selbst die Konservativen sind von Trump enttäuscht

  • -Aktualisiert am

Wann Clinton zwischendurch auch einmal ihre Pläne erläuterte, hörten die Amerikaner typische Politikersätze und geübte Pointen. Viele dürften in diesen Phasen lieber weggehört und Donald Trump beobachtet haben, der Grimassen zog und seiner Rivalin ungestüm ins Wort fiel. Allenfalls in ihrer Rolle als Anti-Trump dürfte die Demokratin am Montag junge Wähler auf ihre Seite gezogen haben, die sich weiter schwertun, die Vorwahlniederlage von Bernie Sanders zu schlucken und sich für Clinton zu begeistern. Trump allerdings dürfte es erst recht nicht gelungen sein, die Skepsis vieler Republikaner und Unabhängiger auszuräumen, die von Clinton nichts halten, aber Trump rundweg das Zeug zum Präsidenten absprechen. Er wiederholte seinen Vorwurf, dass Clinton nicht den „Look“ und nicht die „Ausdauer“ habe, um das Land zu führen. Doch es war nicht die Demokratin, die sichtlich Mühe hatte, die anderthalb Stunden konzentriert durchzustehen. Und während die kürzlich zu Trumps Freude an Lungenentzündung erkrankte Clinton keinmal hustete, schnaubte der offenbar verschnupfte Trump ins Mikrofon. „Ich glaube“, sagte Clinton spitz, „dass Donald mich dafür kritisiert hat, dass ich mich auf diese Debatte vorbereitet habe. Ja, das habe ich. Und wissen Sie, worauf ich mich noch vorbereitet habe? Auf die Präsidentschaft. Und das ist gut so.“

Trumps Freunde bei Breitbart und andere konservative Kommentatoren waren nicht die einzigen, denen an der Debatte vor allem auffiel, was nicht zur Sprache kam. Trump selbst erklärte es nach der Debatte für seine womöglich größte Leistung des Abends, dass er es sich verkniffen habe, „gewisse Dinge“ über das „Familienleben“ der Clintons zu sagen, weil ja nicht nur Bill, sondern auch Tochter Chelsea im Publikum saßen. Schon auf der Bühne hatte Trump auf seine untypische Enthaltsamkeit beim Beleidigen verwiesen. Clinton hatte daran erinnert, dass Trump Frauen unter anderem als Schweine tituliert habe. Die hispanische Teilnehmerin eines Schönheitswettbewerbs habe er erst als „Miss Piggy“ beleidigt und dann als „Miss Zimmermädchen“. Nun also wollte Trump auf seine menschliche Größe verweisen, nicht mit einem Verweis auf Bill Clintons Sexaffären zurückzuschlagen. „Ich wollte etwas äußerst Grobes zu Hillary sagen, zu ihrer Familie“, erklärte Trump, „aber ich habe mir gesagt: Das kann ich nicht machen. Es ist unangemessen. Es ist nicht nett.“

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