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Fernsehdebatte : Selbst die Konservativen sind von Trump enttäuscht

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Amerika müsse dringend von einem Mann mit solchen Gewinnerinstinkten regiert werden. Ansonsten bleibe es dabei, dass er seine Steuererklärungen „gegen den Rat meiner Anwälte“ sofort veröffentlichen werde, wenn Clinton ihre 33.000 gelöschten Mails herausrücke. Die Demokratin gab unumwunden zu, dass ihr Verzicht auf eine dienstliche Mailadresse ein „Fehler“ gewesen sei, für den sie „volle Verantwortung“ übernehme. Trump bestritt diese Version: Clinton habe sich bewusst gegen einen Regierungsserver entschieden. Doch dann kam er selbst auf seine Steuererklärungen zurück, und schon war Clinton vom Haken.

Auch im außenpolitischen Teil verhedderte sich Trump. Anstatt von Clinton zu lernen und Vorwürfe zu ignorieren oder knapp abzuhandeln, lieferte er sich einen Streit mit dem Moderator, als der auf Trumps anfängliche Unterstützung des Irakkriegs verwies. Mal sagte Trump, entsprechende Äußerungen aus einem Interview im Jahr 2002 seien von den „Mainstream-Medien“ Clinton zuliebe erfunden worden. Dann wieder rechtfertigte er seine damaligen Worte mit dem Hinweis, er sei damals nach Dingen gefragt worden, über die er nie zuvor nachgedacht habe. Clinton wiederholte ihre erprobte Parole, dass man einen Mann, der sich von Tweets reizen lasse, nicht an die Atomcodes gelangen lassen dürfe. Trump gab eine wirre Antwort auf die Frage, was er von angeblichen Plänen Barack Obamas halte, einen nuklearen Erstschlag auszuschließen. „Wir würden einen Erstschlag nicht machen“, versprach Trump einerseits, denn „wenn einmal Nuklearwaffen zum Einsatz kommen, dann ist es vorbei“. Sekunden später erklärte er, dass er „nichts vom Tisch nehmen“ könne.

Wieder und wieder warf Trump Clinton vor, sie habe dreißig Jahre lang Zeit gehabt, Probleme zu lösen, aber auf ganzer Linie versagt. Unerklärt blieb seine Wendung, dass Clinton „den ,Islamischen Staat’ schon ihr ganzes Erwachsenenleben lang bekämpft“. Hatte Trump nicht erst vor kurzem versichert, Obama und Clinton hätten den IS vor einigen Jahren gemeinsam gegründet? Mit einer Frage nach den Rassenspannungen gab der Moderator Clinton eine Vorlage, um die für ihre Wahl entscheidenden Afroamerikaner zu umwerben.

Trump hatte ein anderes Publikum im Sinn. „Wie wollen Sie die Spaltung beseitigen?“, fragte der Moderator, und Trump antwortete: „Wir brauchen Recht und Ordnung. Sonst haben wir kein Land.“ In Amerikas Innenstädten lebten Afroamerikaner und Latinos wegen der Gewalt „in der Hölle“. Er forderte, der Polizei das Recht zu geben, Personen auf der Straße ohne begründeten Verdacht zu durchsuchen. Diese Praxis war in New York für verfassungswidrig erklärt worden. Hillary Clinton warf dem Republikaner Rassismus vor, was in jedem früheren Wahlkampf eine Ungeheuerlichkeit gewesen wäre, am Montag aber nicht weiter aus dem Rahmen fiel. Sie erinnerte daran, dass Trumps Firma 1973 vom Justizministerium verklagt wurde, weil sie angeblich keine Wohnungen an Afroamerikaner vermieten wollte. Trump bestritt den Vorwurf nicht, sondern verwies auf den Deal, den er mit dem Ministerium damals schloss. „Mit null Schuldeingeständnis“, versicherte Trump, „es war ganz leicht.“ Weniger leicht fiel es Trump zu erklären, warum er Barack Obamas Geburt in den Vereinigten Staaten in Zweifel zog. Clinton sprach von einer „rassistischen Lüge“ und ging nicht auf Trumps Unterstellung ein, sie selbst habe die Gerüchte im Vorwahlkampf von 2007 und 2008 verbreitet. Trump wiederholte, dass er Obama und der Nation einen großen Gefallen getan habe, indem er den Präsidenten 2011 zur Herausgabe der Langfassung seiner Geburtsurkunde zwang. Er wich der Frage aus, warum er die Verschwörungstheorien über Obamas Herkunft auch danach weiter befeuerte.

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