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Fangemeinde in Aufruhr : Bannons Anhänger beklagen „Putsch“ im Weißen Haus

  • -Aktualisiert am

„Das ist ein ausgewachsener Putsch, Leute,“ sagte der bekannte rechte Aktivist Mike Cernovich an seine über 330.000 Follower gerichtet in einem Video auf Twitter. Schuld seien Jared Kushner und Ivanka Trump – „Javanka“, wie Cernovich es ausdrückte. „Breitbart“-Redakteur Joel Pollak twitterte nur: „WAR”. Matt Drudge vom rechten „Drudge Report”, der eine halbe Million Follower auf Twitter hat, schrieb: „Bannon hatte einen fantastischen Lauf“. Lee Stranahan, dem über 80.000 Menschen folgen und der ein bekannter Anhänger Bannons ist, sagte in einem Video auf Twitter: „Unleash the Beast“ – lasst das Monster los. Trump schulde seinen Anhängern jetzt Antworten.

Jack Posobiec, mit 186.000 Followern ebenfalls eine viel gehörte Stimme rechts außen, nannte Bannons Rauswurf ebenfalls einen Putsch oder Staatsstreich („Coup“). Schuld hätten die „Globalisten“ im Weißen Haus – damit ist Wirtschaftsberater Gary Cohn gemeint – „Globalisten“ ist für viele ein antisemitisches Schimpfwort. „Sie haben jeden Trump-Unterstützer im Weißen Haus isoliert“, sagte Posobiec in einem Video bei Twitter. Paul Joseph Watson von „InfoWars“ sagte: „Bannon wird jetzt einen viel größeren Einfluss haben als unter den Beschränkungen des Weißen Hauses.“

Der Chefstratege hatte nicht nur im nationalistischen und rechten Blogger-Universum Freunde. Auch der Chef des „Freedom Caucus“ im Repräsentantenhaus, Mark Meadows, hatte Trump noch in der letzten Woche explizit davor gewarnt, sich von Bannon zu trennen. Ein Angestellter des Weißen Hauses sagte gegenüber „The Hill“, auch von einflussreichen Spendern habe es entsprechenden Druck gegeben. Robert Mercer einer der Top-Spender von Trumps Kampagne, dessen Renaissance-Hedgefonds Milliarden in politisch wichtigen Branchen wie der Pharmaindustrie investiert, ist ebenfalls rechtsgerichtet und ein Unterstützer Bannons.

Bannon könnte trotz des Abschieds aus dem Weißen Haus ein Verbündeter der Regierung bleiben – manche Beobachter meinen, er nehme Trump nichts übel und es könne eine freundschaftliche Trennung sein. Dann würde Bannon die wichtige Aufgabe zukommen, Teile der aufgebrachten Basis wieder zu beruhigen und ihnen klar zu machen, dass sie immer noch Gehör beim Präsidenten finden. In einem Interview sagte Bannon dazu: „Sollte es da draußen irgendwelche Unklarheiten geben, lassen Sie mich klarstellen: Ich verlasse das Weiße Haus und ziehe für Trump gegen seine Widersacher in den Krieg.“

Sein Abschied könnte bei Trumps Gegnern jedoch auch als positives Signal nach den Auseinandersetzungen der vergangenen Tage verstanden werden. Viele Kritiker von Trump hatten nach seiner Reaktion auf die Gewalt in Charlottesville gefordert, dass der Präsident sich von Bannon trennt, um sich deutlich vom Rechtsradikalismus zu distanzieren. Einige könnten den Schritt jetzt als Versuch der Versöhnung und Wiedergutmachung werten. Es ist aber wahrscheinlich, dass viele Kritiker sich so leicht nicht beruhigen lassen werden, denn die Entlassung Bannons ist keine inhaltliche Stellungnahme von Trump zu dem Konflikt über den Umgang mit rechter Gewalt.

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