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Faktencheck zum Fernsehduell : Als Hillary Clinton die Mauer bauen wollte

  • -Aktualisiert am

Im Rededuell: Donald Trump und Hillary Clinton Bild: AFP

Während Trump mit einem simplen „Falsch!“ verbale Angriffe zurückwies, versuchte Clinton, sich öffentliche Anschuldigungen gegen ihren Gegner zu Nutzen zu machen. Wie genau nahmen es die Kandidaten dabei mit der Wahrheit? Der FAZ.NET-Faktencheck.

          Zum dritten und letzten Mal vor der Präsidentenwahl standen sich Hillary Clinton und Donald Trump am Mittwochabend im amerikanischen Fernsehen gegenüber. Sie bezichtigten sich gegenseitig der Lüge und stritten die Aussagen des anderen vehement ab.

          Trump fiel Clinton immer wieder mit einem blökenden „Wrong!“ ins Wort. Die Demokratin versuchte vor allem, sich die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den Republikaner zu Nutzen zu machen. Sie inszenierte sich als Verfechterin der Frauenrechte und versuchte immer wieder, von Trump das Bild eines frauenverachtenden Ekels zu zeichnen.

          Wie genau es beide Kandidaten bei ihrem Schlagabtausch mit der Wahrheit nahmen, haben wir nach dem Vorbild amerikanischer Medien an einigen ihrer Aussagen überprüft.

          Clinton: 33.000 Menschen sterben jedes Jahr durch Feuerwaffen.

          Stimmt: Der amerikanischen Bundesbehörde „Centers for Disease Control and Prevention“ zufolge sind im Jahr 2014 in den Vereinigten Staaten 33.599 Menschen durch Feuerwaffen ums Leben gekommen. Clinton hat also Recht. Rund 65,3 Prozent dieser Fälle sind allerdings Selbstmorde.

          Clinton: „Die Hälfte der undokumentierten Einwanderer in unserem Land zahlt Einkommenssteuern.

          Stimmt teilweise: In einem Bericht der Non-Profit-Organisation „Institute on Taxation and Economic Policy“ vom Februar heißt es, dass mindestens 50 Prozent aller Haushalte von illegalen Einwanderern Steuererklärungen abgäben. Darüber hinaus würden einigen illegalen Einwanderern auch ohne Steuererklärung Steuern vom Gehalt abgezogen, heißt es in dem Bericht. Allerdings ist nur von einer „bestmöglichen“ Schätzung die Rede. Dennoch wird Clinton wohl nah an der Wahrheit liegen — auch mit ihrer Behauptung, dass illegale Einwanderer somit wohl mehr Steuern zahlten als Trump, der sich nach wie vor weigert, seine Steuererklärung zu veröffentlichen.

          Clinton: Donald [] hat undokumentierte Einwanderer als Arbeiter benutzt, um den Trump Tower zu bauen.

          Stimmt: Sechs Monate lang arbeiteten illegale Einwanderer aus Polen an dem Grundstück in Manhattan, auf dem später Trumps New Yorker Wahrzeichen entstehen sollte, der Trump Tower in SoHo. Für Trump rissen die Arbeiter 1980 das alte Gebäude ab, um Platz für seinen Luxusturm zu machen. Dass es sich um illegale Einwandere handelte, steht fest. Trump bestreitet jedoch, davon gewusst zu haben. Angeblich beauftragte er eine Firma damit, Arbeiter für das Projekt zu finden und sich nicht weiter damit befasst. Ob er Recht hat oder lügt, wird sich wohl nicht beweisen lassen.

          Clinton: Wir haben 17 Nachrichtendienste, zivile und militärische, die alle zu dem Schluss gekommen sind, dass diese Spionageattacken, dass diese Cyber-Attacken aus den höchsten Kreisen des Kremls kommen und dazu ausgelegt sind, unsere Wahl zu beeinflussen.

          Stimmt: In einer Pressemitteilung vom 7. Oktober gab die amerikanische Intelligence Community, die aus 17 Nachrichtendiensten des Staats besteht, bekannt, dass die russische Regierung hinter den Hackerangriffen auf den E-Mail-Server des Organisationskomitees der Demokratischen Partei stehe. Demnach hätten ranghohe russische Regierungsbeamte den Cyberangriff autorisiert. Weiter hieß es in der Meldung, dass die Angriffe die amerikanische Präsidentschaftswahl beeinflussen sollten. Clinton sagt also die Wahrheit.

          Clinton zu den Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegenüber Trump: Mehrere Frauen haben sich gemeldet und gesagt, dass es genau das ist, was er ihnen angetan hat. Und was war seine Antwort? Nun, er veranstaltete mehrere Kundgebungen und sagte, dass er das diesen Frauen nicht angetan haben könne, weil sie nicht attraktiv genug für ihn seien.

          Stimmt teilweise: Mehreren Medienberichten zufolge haben sich inzwischen neun Frauen gemeldet, die angeblich von Trump sexuell belästigt worden sind. Trump bestreitet die Vorwürfe vehement, tut sie als Schrei nach Aufmerksamkeit ab. Bei einer Kundgebung in Florida vergangene Woche sagte er: „Schaut sie an. Schaut ihre Worte an. Ich glaube nicht.“ Und in North Carolina sagte er über eine Frau, die ihm vorgeworfen hatte, sie in einem Flugzeug belästigt zu haben: „Glaubt mir, sie wäre nicht meine erste Wahl. Das kann ich euch sagen. Ihr habt keine Ahnung. Das wäre nicht meine erste Wahl.“ Damit insinuierte er recht deutlich, dass die Frauen nicht attraktiv genug gewesen seien — auch wenn er es nicht wortwörtlich sagte.

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