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Faktencheck : Wie hältst Du’s mit der Wahrheit, Hillary?

  • -Aktualisiert am

Wie genau hat sich Hillary Clinton in ihrer Rede an die Fakten gehalten? Bild: AFP

Hillary Clinton gilt vielen Amerikanern als nicht besonders vertrauenswürdig. Aber ist sie ehrlich? Wir haben ihre Rede auf dem Parteitag überprüft.

          5 Min.

          Jetzt ist es auch offiziell: Hillary Clinton wird für die amerikanischen Demokraten als Präsidentschaftskandidatin gegen den Republikaner Donald Trump antreten. Ein Selbstläufer ist die Wahl aber nicht – gerade Clinton gilt vielen Amerikanern als Vertreterin des Establishments, das mit Skepsis und Misstrauen betrachtet wird.

          In ihrer Rede auf dem Nominierungsparteitag in Philadelphia hat Clinton viele Themen angesprochen und vor allem ihren Rivalen Trump scharf angegriffen. Wie genau hat sie es bei ihrem Auftritt mit den Fakten genommen? Viele amerikanische Medien wie die „New York Times“ machen nach den Reden der Kandidaten einen „Faktencheck“ – auch wir haben uns die Rede genauer angesehen.

          Hillary Clinton über Donald Trump:

          „Ich alleine kann es wieder gut machen – das waren Donald Trumps Worte in Cleveland.“

          Stimmt: Während seiner Rede in Cleveland, in der er die Nominierung der Republikaner als Präsidentschaftskandidat formell annahm, sagte Donald Trump in der Tat, dass nur er alleine „es“ reparieren könne. Damit meinte er das politische System des Landes, das gegen die eigenen Bürger arbeite. Er sagte, keiner kenne dieses System besser als er.

          „America First? Trump-Krawatten aus China, Trump-Möbel aus der Türkei, Trump-Bilderrahmen aus Indien. Trump will Amerika wieder großartig machen, nun, er könnte damit anfangen, Dinge wieder in Amerika herzustellen.

          Stimmt: Dass die Waren seiner „Donald J. Trump“-Kollektion nicht in Amerika hergestellt werden, sagte Trump selbst in einem Interview mit dem Sender „ABC News“ Mitte Mai. Dabei hatte er eigentlich dafür plädiert, Firmen, die ihre Produktion aus Kostengründen ins Ausland verlegen, stärker in die Verantwortung zu nehmen. Als Verteidigung, warum er dabei nicht gerade mit gutem Beispiel vorangehe, gab Trump an, dass man die Waren seiner Kollektion in Amerika gar nicht kaufen könne.

          Seine berühmten „Make America Great Again“-Kappen dagegen lasse er in Amerika produzieren, sagte Trump. Der Zeitung „Los Angeles Times“ zufolge stimmt das. Es sind überwiegend Latinos, die eigentlich nicht in Trumps Vorstellung von Amerika passen, aber in einer südkalifornischen Firma die Kappen für seine Kampagne zu Tausenden herstellen.

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          „Er (Trump) beleidigt Kriegsgefangene wie John McCain (ehemaliger republikanischer Präsidentschaftskandidat).

          Stimmt: Nachdem John McCain, Senator des Bundesstaates Arizona, Trump im Juli vergangenen Jahres kritisierte, ließ der mit seiner Gegenreaktion nicht lange auf sich warten. Bei einer Rede in Iowa sagte Trump über McCain, der während des Vietnam-Einsatzes der Amerikaner ins Kriegsgefangenschaft geraten war: „Er ist ein Kriegsheld, weil er gefangen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden.“

          Viele Republikaner und amerikanische Medien sprachen danach von einer „roten Linie“, die Trump überschritten habe. Es war nicht das letzte Mal, dass Trump seine Beliebtheit verspielt zu haben schien – und trotzdem ist er inzwischen Präsidentschaftskandidat.

          „Donald Trump hat gesagt – und das ist ein Zitat: ‚Ich weiß mehr über Isis als unsere Generäle‘.

          Stimmt: Auch das hat Trump so gesagt. Als er Anfang Juni in der Fernsehshow „Face The Nation“ des amerikanischen Senders CBS zu diesem Zitat gefragt wurde, antwortete er dem Moderator: „Sie (die Generäle) wissen nicht viel, weil sie nicht gewinnen, das kann ich Ihnen sagen. Nun, ich denke, sie gewinnen aus einem anderen Grund nicht. Ich denke, Obama tut ihnen nicht gut.“

          „Er behauptet, unser Militär sei ein Desaster.

          Stimmt: In der Fernsehdebatte am 14. Januar erklärte Trump, dass das amerikanische Militär ein Desaster sei. Er wollte mit dieser Aussage demonstrieren, warum er so wütend ist.

          *** 

          Über ihre Verdienste als Politikerin:

          „Als Ihre Außenministerin habe ich 112 Länder besucht.

          Stimmt: Das amerikanische Magazin „The Atlantic“ hat die Reisen Clintons Anfang 2013, zum Ende ihrer Amtszeit als Außenministerin, überprüft und mit Daten des Ministeriums belegt. Insgesamt reiste die ehemalige First Lady den Angaben zufolge von 2009 bis 2013 mehr als 1,5 Millionen Kilometer.

          An ihm wird sich Clinton in den kommenden Monaten abarbeiten müssen: an ihrem republikanischen Rivalen Donald Trump

           „Ich habe mit Anführern beider Parteien gearbeitet, um die Krankenversicherung für Kinder zu schaffen, die heute acht Millionen Kinder in unserem Land abdeckt.“

          Stimmt: Nach Angaben von Medicaid, der sozialen Krankenversicherung Amerikas, waren 2014 8,1 Millionen amerikanische Kinder über das „Children’s Health Insurance Program“ versichert. Unter einem anderen Namen wurde das Programm 1997 ins Leben gerufen – Hillary Clinton war damals die First Lady, ihr Mann Bill Präsident.

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