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Reaktion auf Fake News : Mann stürmt Pizzeria wegen Pädophilievorwürfen

Die Polizei in Washington sperrte die Straße ab, in der die Pizzeria Comet Ping Pong ist, und nahm den bewaffneten Mann fest. Bild: dpa

Im amerikanischen Wahlkampf ging das Gerücht um, Hillary Clinton habe Verbindungen zu einem mutmaßlichen Pädophiliering in einer Pizzeria in Washington. Ein Mann mit einem Sturmgewehr wollte dies nun überprüfen.

          Die Nachwehen des aufgeheizten, von Gerüchten, falschen Geschichten und Fehlanschuldigungen geprägten Wahlkampfs in Amerika sind noch lange nicht vorbei. Am Sonntag mussten das die Besucher und Mitarbeiter einer Pizzeria in Washington erfahren, als ein mit einem Sturmgewehr bewaffneter Mann in das Restaurant stürmte, seine Waffe auf einen Angestellten richtete und – nachdem dieser geflohen war – mehrmals in die Decke schoss. Wie die „Washington Post“ berichtet, wollte der Mann Gerüchte über Hillary Clinton und einen Pädophiliering überprüfen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Angefangen hat alles mit den E-Mails von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta, die im Wahlkampf gehackt und dann von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht worden waren. In mehreren Nachrichten diskutiert Podesta mit dem Inhaber der Pizzeria Comet Ping Pong, James Alefantis, die Organisation einer Wahlkampfveranstaltung. Nutzer der Website 4Chan sahen im Sprachgebrauch Ähnlichkeiten zu den Codes, die Pädophile im Internet nutzen und warfen Alefantis vor, okkulte Veranstaltungen für Pädophile abzuhalten, schreibt die „New York Times“. Den Kontakt mit Podesta sahen sie als deutlichen Beweis dafür, dass Alefantis über Verbindungen in die höchsten Politikkreise verfügt und eigentlich Hillary Clinton hinter dem Pädophiliering stehe.

          Die Vorwürfe wurden auf vielen anderen Internetseiten aufgegriffen, die dafür bekannt sind, Verschwörungen zu verbreiten und gelangten bald unter dem Hashtag „#pizzagate“ auch in die sozialen Netzwerke. Alefantis und seine Mitarbeiter wurden beleidigt und bedroht, teils sogar mit Mord. Alefantis versuchte sich zur Wehr zu setzen, schaltete das FBI ein und forderte Betreiber sozialer Netzwerke wie Facebook, Twitter und die Betreiber der Webseite Reddit auf, sämtliche Inhalte mit diesem Hashtag zu sperren. Das geschah jedoch nicht. In den vergangenen Wochen gab es mehrmals Personen, die vor dem Restaurant protestierten, berichtet „Bloomberg“. Doch meist seien sie wieder abgezogen, erst recht, wenn Alefantis ihnen erlaubt hatte, sich die Örtlichkeiten anzusehen und sie keine geheimen Tunnel oder ähnliches gefunden hatten.

          Nun ist die Belästigung aber noch eine Stufe weitergegangen. Wie der stellvertretende Bürgermeister des Districts of Columbia, Kevin Donahue, in einer Pressemitteilung auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, sei der Mann aus North Carolina in das Restaurant gestürmt und habe mehrere Schüsse abgefeuert. Verletzt wurde bei dem Vorfall demnach niemand. Der Mann sei festgenommen worden und gegen ihn wurde Anzeige wegen Angriffs mit einer gefährlichen Waffe erstattet. Es seien zwei Waffen bei ihm gefunden worden, heißt es. Nach seiner Festnahme habe er in einem Verhör angegeben, dass er die Vorwürfe um „Pizzagate“ selbst habe überprüfen wollen.

          Die Verschwörungstheorien hören aber bei „Pizzagate“ nicht auf. Der Vorgang wurde oft als Beispiel herangezogen, um die Verbreitung von falschen Nachrichten („Fake News“) in sozialen Netzwerken aufzuzeigen. Darauf reagierten wiederum andere Verschwörungstheoretiker, die den Medien vorwerfen, mit der Berichterstattung über „Fake News“ Nachrichten über „Pizzagate“ ersticken zu wollen. Diese Einschätzung wird unter anderem von russischen Propagandakanal „RT-Deutsch“ verbreitet. Russland wiederum wurde von den Amerikanern vorgeworfen, hinter dem Diebstahl von John Podestas E-Mails zu stehen.

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