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Trumps früherer Anwalt : Cohens Schlammschlacht

  • -Aktualisiert am

Der frühere Anwalt von Donald Trump, Michael Cohen Bild: Reuters

Michael Cohen war einer der engsten Vertrauten Trumps - und dessen Ausputzer. Nun führt der Anwalt offen Krieg gegen seinen ehemaligen Mandanten. Doch noch ist nicht klar, ob Cohen nur blufft.

          Michael Cohen und Donald Trump hatten einst eine sehr enge Beziehung: Kaum etwas war geheim zwischen dem Immobilienunternehmer und seinem Anwalt, dem „Ausputzer“, der Trump über zehn Jahre lang den Rücken freihielt. Seit der Sonderermittler Robert Mueller Material über Cohen an die New Yorker Staatsanwaltschaft übergab, führt zu dieser innigen Beziehung aber kein Weg mehr zurück.

          Gegen Cohen wird ermittelt, unter anderem wegen mutmaßlich illegaler Finanzpraktiken. Die Ermittler interessieren sich unter anderem für eine Schweigegeldzahlung Cohens an die Pornodarstellerin Stephanie Clifford alias Stormy Daniels, die nicht über einen One-Night-Stand mit Trump sprechen sollte.

          Seit Cohen mit den rechtlichen Folgen seines treuen Dienstes für Trump kämpft, gibt es für ihn keine alten Loyalitäten mehr. Erst wurde der Presse ein Mitschnitt zugespielt, in dem Trump und Cohen mutmaßlich über die finanziellen Folgen einer weiteren Affäre Trumps sprachen – das ehemalige Playboy-Model Karen McDougal sollte ihre Geschichte exklusiv an die Zeitung „National Enquirer“ verkaufen, so dass der mit Trump befreundete Chef des Verlags American Media sie unter Verschluss halten konnte. Und dann meldeten die Fernsehsender CNN und NBC, dass Cohen zu einer noch weit größeren Enthüllung bereit sei: Cohen behaupte, dass der damalige Präsidentschaftskandidat grünes Licht gab, als mehrere Russen sich im Sommer 2016 mit seinem Sohn Donald junior treffen wollten und „Dreck“ über Hillary anboten.

          Alleingang oder nicht?

          Das Treffen im Trump Tower, an dem auch Wahlkamfpmanager Paul Manafort und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner teilnahmen, war bislang von Trump als Alleingang seiner Leute dargestellt worden. Donald junior hatte außerdem stets betont, dass nichts bei dem Termin mit der Anwältin Natalia Wesselnitzkaja und weiteren Russen herauskam und er es aufgrund dessen auch nie mit seinem Vater besprochen habe. Trump verteidigte sich bei Twitter, er habe nichts von dem Treffen gewusst. Über Cohens Behauptung schrieb er: „Klingt für mich, als ob hier jemand versucht, Geschichten zu erfinden, um sich in einer anderen Sache Schwierigkeiten vom Hals zu halten.“

          Tatsächlich heuerte Michael Cohen vor kurzem mit Lanny Davis einen Mann an, der sich mit Skandalen und Schlammschlachten auskennt. Und nicht nur das: Davis kommt aus dem Umfeld von Hillary Clinton, was den Bruch mit dem Präsidenten umso deutlicher illustriert. „Er hat sogar den Anwalt von Bill und der verlogenen Hillary angeheuert. Ich frage mich, ob sie ihm bei der Auswahl geholfen haben!“ twitterte ein wütender Präsident. Davis lieferte sich während der Sex-Skandale Bill Clintons in den neunziger Jahren den täglichen Schlagabtausch mit der Presse – jetzt übernimmt er das für Cohen.

          Sein direkter Gegner ist dabei Rudy Giuliani, der persönliche Anwalt des Präsidenten. Der wurde in den vergangenen Tagen zu den Fernsehsendern geschickt, um Cohens Glaubwürdigkeit anzuzweifeln. Cohen zeige „pathologisches“ Verhalten, sei ein „unglaublicher Lügner“ und lüge seit Jahren. Cohens Klient, in dessen Dienst er dann gelogen hätte, war natürlich Donald Trump, wie viele Beobachter anmerkten. „Trump/Giuliani neben dem Wort Wahrheit = Oxymoron“, twitterte Davis.

          Davis stritt am Donnerstag ab, dass die Drohung mit den Enthüllungen über das Trump-Tower-Treffen von ihm und seinem Klienten kam. Dass Cohen bereit sei, gegenüber dem Sonderermittler Robert Mueller entsprechend auszusagen, dementierte Davis indessen nicht.

          Manche Beobachter spekulierten, dass das Trump-Team die Information selbst gestreut haben könnte. Für Muellers Strategie sei es schließlich nicht günstig, dass diese Beschuldigung nun vorschnell öffentlich geworden sei. Mindestens für Trumps Team, das wiederholt behauptete, Trump nicht informiert zu haben, gäbe es wohl rechtliche Konsequenzen – schließlich sagte Donald Trump junior dies auch vor den Untersuchungsausschüssen des Kongresses.

          Schlammschlacht hat erst begonnen

          Konsequenzen kann es allerdings nur dann geben, wenn Cohen seine Behauptung auch belegen kann. Die Schlammschlacht, die sich Donald Trump und Michael Cohen liefern, hat gerade erst begonnen. Michael Avenatti, Anwalt von Pornodarstellerin Stephanie Clifford, behauptete unterdessen am Freitag, er repräsentiere drei weitere Frauen, die Sex mit Donald Trump gehabt und dafür Schweigegeld erhalten hätten. Für Avenatti ist Cohens Bruch mit dem Präsidenten ein Triumph: Er spekuliert darauf, dass der seine Behauptungen bestätigen wird.

          Bislang ist unklar, ob Trumps ehemaliger Anwalt blufft oder ob er noch mehr in der Hinterhand hat – immerhin nahm Cohen seinen damaligen Klienten mindestens einmal heimlich auf Band auf. Vor einigen Wochen sagte er dem Fernsehsender ABC: „Um glasklar zu sein: Meine oberste Loyalität gehört meiner Frau, meiner Tochter und meinem Sohn, und diesem Land.“ Manch einer wertete das als Kriegserklärung gegen Donald Trump. Jetzt, wo er juristisch in Schwierigkeiten stecke und kaum etwas zu verlieren habe, werde Cohen immer gefährlicher für den Präsidenten. „Obwohl er mit den Schlachten der Regenbogenpresse groß wurde, agiert Trump bislang erstaunlich plattfüßig“, kommentierte das Magazin „Politico“. „Vielleicht hat er ausgerechnet in seinem ehemaligen Anwalt nun einen ebenbürtigen Gegner gefunden.“

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