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Esper und Trump : Eine Frage des Charakters

Mark Esper nach der Unterrichtung von Mitgliedern des Kongresses über die Tötung Qassem Soleimanis Bild: AP

Findet Trump in Mark Esper seinen Meister? Immerhin: Offenbar redet der Verteidigungsminister dem Oberbefehlshaber nicht einfach nach dem Munde.

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          Der Iran-Konflikt, so, wie er sich in den vergangenen Tagen zugespitzt hatte und wie er seither verläuft, verrät viel über die beteiligten Akteure. So rechtfertigte Präsident Trump die Tötung des iranischen Generals Soleimani mit der unmittelbaren Bedrohung, die von diesem für vier amerikanische Botschaften ausgegangen sei. Nach eigenem Bekunden kennt jedoch Trumps Verteidigungsminister Esper keine Beweise.

          Das stützt die Vermutung, der Präsident habe aus dem Bauch heraus gehandelt. Esper hatte Trump zuvor schon widersprochen, als der iranische Kulturgüter zu potentiellen Zielen amerikanischer Angriffe erklärte, und auf das Völkerrecht verwiesen. Offenbar redet er dem Oberbefehlshaber nicht einfach nach dem Munde. Immerhin.

          Die iranische Führung, der die Törung Soleimanis innen- und außenpolitisch schon in die Karten zu spielen schien, hat einen schweren Glaubwürdigkeitsverlust erlitten. Erst wurde der Abschuss des ukrainischen Flugzeugs kategorisch dementiert, dann als tragischer Irrtum zugegeben – nach drei Tagen des Leugnens.

          Dieses Gebaren passt zu einem Regime, das auf Repression und Täuschung setzt und die freie Meinungsäußerung unterdrückt. Wer ist noch so gutgläubig, ihm die Beteuerung abzunehmen, es strebe nicht nach Atomwaffen? Das Atomabkommen sollte den Griff nach der Bombe unterbinden, zumindest für längere Zeit. Was immer dessen Zukunft ist: Die Skepsis gegenüber Iran ist groß.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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