https://www.faz.net/-gpf-8ncv5

TV-Interview mit Donald Trump : Ein Dollar ist dem Milliardär genug

  • -Aktualisiert am

Das Gespräch fand am Freitag in Trumps Penthouse in seinem New Yorker Trump Tower statt, in einem Raum mit Kristalllüstern, vergoldetem Stuck und einem weißen Piano. Trump trug einen blauen Anzug und eine rote Krawatte sowie eine Flaggen-Anstecknadel am Revers. Das Gespräch wirkte offen und nicht durch irgendwelche PR-Strategen kanalisiert, Trumps Antworten erschienen spontan. Trotzdem fielen vielerorts die Superlative und großen Phrasen ohne Unterbau, mit denen er auch schon seine Wahlkampfauftritte gespickt hatte, und die auch hier keine substantielle Vertiefung fanden.

Es hätten ihm so viele führende Politiker aus aller Welt zur Wahl gratuliert, dass ihm klargeworden sei, was für eine mächtige Nation Amerika sei. Darüber, wie er den IS zerschlagen wolle, wie er es im Wahlkampf versprochen hatte, wollte er sich nicht äußern. „Ich bin ja nicht wie die Leute, die jetzt da reingehen und in Mossul kämpfen und das vor vier Monaten angesagt haben.“ Er werde niemandem etwas sagen. „Alles was ich sagen kann ist, wir werden uns des IS entledigen.“ Zugleich stellte er in Aussicht, künftig weniger Geld in außenpolitische Einsätze zu investieren. „Wir haben sechs Billionen Dollar im Nahen Osten ausgegeben, damit hätten wir unser Land zweimal wieder aufbauen können.“

Er nehme das Amt des Präsidenten sehr ernst und respektiere es, sagte Trump – Angst habe er vor der Verantwortung der Präsidentschaft indes nicht. Insgesamt wirkte der Siebzigjährige weit ruhiger, als man ihn während des Wahlkampfs erlebt hatte. Auf die Frage, ob ihm der Sieg ein wenig die Luft genommen habe, sagte er: „Ja, ein bisschen. Mir wurde klar, dass dies jetzt ein ganz anderes Leben für mich ist.“ Zum Teil gab er sich seltsam versöhnlich – etwa in der Frage, ob er tatsächlich versuchen wolle, Hillary Clinton ins Gefängnis zu bringen, wie er es im Wahlkampf versprochen hatte. „Hillary for Prison“ war einer der populärsten Slogans der Trump-Anhänger. „Ich will ihnen nicht wehtun“, so Trump, „das sind gute Menschen.“ Auch über den amtierenden Präsidenten Obama, mit dem er am Vortag ein 90-minütiges Gespräch geführt hatte, äußerte er sich positiv: „Er war toll, sehr klug und sehr nett.“ Eine definitive Antwort zur Strafverfolgung Hillary Clintons könne er erst beim nächsten Interview geben. 

Nur ein Dollar als Gehalt

Zur Schwulenehe sagte er, die sei bereits vom Obersten Gerichtshof abgesegnet, das sei für ihn erledigt. Falls seine Ernennung eines konservativen Richters zur Kippung des bundesweiten Abtreibungsrechts führe und die Entscheidung darüber wieder den Bundesstaaten überlassen werde, müssten Frauen „gegebenenfalls eben in einen anderen Bundesstaat gehen“.

Im zweiten Teil des Interviews wurde zunächst auch Trumps Ehefrau Melania und später seine vier ältesten Kinder miteinbezogen. Melania Trump bekannte, dass sie Trump sehr wohl die Meinung sage und schon bisweilen finde, dass er zu weit geht. Sie gestehe ihm aber als „Erwachsenem“ zu, dass er seine eigenen Entscheidung treffe. Trumps Kinder Donald Jr., Eric, Tiffany und Ivanka wiesen Spekulationen zurück, dass sie Teil seiner Regierung würden und bekannten, in New York die Firma ihres Vaters weiterführen zu wollen.

Seine Wahl sei weniger die Zurückweisung von Obamas Politik als die Ablehnung dessen, was schon seit viel längerer Zeit stattfinde, so Trump. Das Präsidentengehalt von 400.000 Dollar im Jahr werde er nicht annehmen und sich stattdessen nur einen symbolischen Dollar bezahlen lassen. Ob sein Markenname durch die Kampagne Schaden genommen habe, sei ihm egal. „Wen interessiert das? Dies ist unser Land. Es ist unfair, was den Leuten in diesem Land widerfahren ist, und wir werden das ändern.“

Anm. der Redaktion: In einer ersten Fassung dieses Textes hieß es, die Vereinigten Staaten hätten angeblich sechs Trillionen Dollar im Nahen Osten ausgegeben. Das wäre natürlich selbst für die größte Volkswirtschaft der Welt unbezahlbar. Es sollen vielmehr sechs Billionen Dollar gewesen sein.

Weitere Themen

Sachter Beistand für Joe Kaeser

Nach Trump-Kritik : Sachter Beistand für Joe Kaeser

Hinter vorgehaltener Hand ist Skepsis über Trumps Politik unter Managern durchaus zu spüren. Siemens-Chef Kaeser äußert sie auch öffentlich. Der deutschen Wirtschaft gefällt’s.

Topmeldungen

Hat sich zum Zwei-Prozent-Ziel der Nato-Staaten bekannt: Annegret Kramp-Karrenbauer

Akks Wehretat : Der Streit schwelt weiter

Die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bekräftigt das Ziel der Nato, dass die Verteidigungsausgaben steigen sollen. Das provoziert Widerstand – in der Opposition und selbst beim Koalitionspartner.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.