https://www.faz.net/-gpf-9p7cb

Trumps Beziehung zu Milliardär : Kein „Fan“ von Epstein, aber Partyfreund?

  • -Aktualisiert am

Wie ihn die Zeichnerin sieht: Jeffrey Epstein (rechts) vor Richter Richard Berman am 18. Juli im Gerichtssaal in New York Bild: Reuters

Trumps ehemaliger Arbeitsminister Acosta stolperte bereits über die Epstein-Affäre. Der schwerreiche Unternehmer soll Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht haben. Was wusste der Präsident?

          3 Min.

          Jeffrey Epstein bot viel Geld, aber diesmal bekam er dafür nicht, was er wollte. Der selbst ernannte Milliardär wollte dem Gericht seine Villa und sein Flugzeug als Kaution anbieten. Doch der Versuch schlug fehl. Am Donnerstag lehnte der New Yorker Bundesrichter Richard Berman ab, nachdem er in dieser Woche zwei Frauen angehört hatte, die Epstein als Teenager sexuell genötigt haben soll. Berman sagte, es gebe genug Hinweise, dass Epstein ein Risiko für sein Umfeld sein könne. Aufgrund seiner finanziellen Mittel bestehe auch Fluchtgefahr. Epstein, 66 Jahre alt, wird den Beginn seines Prozesses also in Haft abwarten.

          Unterdessen spekulieren viele Amerikaner weiter über die Verbindungen Epsteins zu Präsident Donald Trump. Auf einem Video, dass der Sender NBC aus seinem Archiv geholt hatte, waren Trump und Epstein auf einer Party im Jahr 1992 zu sehen, wie sie gut gelaunt über eine der anwesenden Frauen sprachen – die sei „heiß“ sagte Trump. Von Interesse war der vertraut wirkende Austausch, weil der Präsident seine Verbindung zu dem selbst ernannten Milliardär zuvor mit den Worten heruntergespielt hatte, er sei „kein Fan“ von Epstein gewesen. George Houraney, einen Geschäftsmann aus Florida, hatte gegenüber der „New York Times“ nach Epsteins Festnahme gesagt, er habe 1992 einmal eine andere Party für Epstein und Trump organisiert. Dort seien außer den beiden nur „zwei Dutzend Models“ geladen gewesen. Houraney will Trump gewarnt haben, dass Epstein übergriffig werden könnte, weil der „junge Mädchen gern habe“, doch der Immobilienunternehmer verteidigte demnach den Freund aus New York.

          Trump hatte 2002 dem „New York Magazine“ gesagt, Epstein sei ein „toller Kerl“ und stehe bekanntlich auf besonders junge Frauen. Es ist lange bekannt, dass Trump wie sehr viele andere wohlhabende Menschen auch, mit Epstein feierte – die Frage ist, ob er selbst dabei Minderjährige oder junge Frauen nötigte, sich von Epstein vermeintliche oder tatsächliche Prostituierte vermitteln ließ, oder ob er ihm in irgendeiner Weise half, die Behörden loszuwerden. Es gibt bislang nur einen einzigen Hinweis in dieser Richtung: die zurückgezogene, aber protokollierte Klage einer Frau gegen Trump und Epstein. Die Klägerin, die aus Angst einen Rückzieher gemacht haben soll, sagte 2016, sie sei von beiden Männern vergewaltigt worden, als sie 13 war. Im aktuellen Fall werfen mehrere Frauen Epstein vor, sie sexuell genötigt zu haben, als sie zum Teil noch Teenager waren. Epstein soll auch Jugendliche dazu benutzt haben, andere Minderjährige, die Geld brauchten, zu „rekrutieren“. Ermittler stellten um die 2000 Seiten Dokumente sicher, die die Vorwürfe belegen sollen und theoretisch auch andere Personen belasten könnten.

          Journalistin Julie K. Brown hatte für den „Miami Herald“ aufgedeckt, wie Epstein mit Hilfe des späteren Arbeitsministers Alexander Acosta 2008 einen Deal mit der Bundesstaatsanwaltschaft in Florida machte. Er bekannte sich des Kontakts mit einer minderjährigen „Prostituierten“ für schuldig und erhielt eine dreizehnmonatige Strafe mit großzügigen Freigangsregeln. Auch damals gab es schon mehrere Dutzend Zeugenaussagen, die Epstein sexuelle Übergriffe auf Minderjährige vorwarfen. Acosta trat inzwischen als Arbeitsminister zurück. Der Fall Epstein ist in seinem Umfang extrem, aber er ist auch ein Beispiel für alltägliche politische Korruption – und dafür, wie wichtig der dauernd von Kürzungen bedrohte regionale Journalismus in Amerika ist.

          Der Umgang mit sexueller Gewalt war 2008 Jahren dem Grunde nach kein anderer als heute, die juristischen Regeln galten auch damals: Jugendliche unter einem bestimmten Alter können sexuellen Handlungen nicht zustimmen. Welche mächtigen Männer außer Alexander Acosta Epstein bei dem Deal und vielleicht beim Vertuschen von Straftaten geholfen haben, könnte im Laufe seines Prozesses herauskommen. Natürlich erzählt Epsteins Fall auch eine Geschichte über Klassengegensätze und Privilegien. Oftmals stammten die mutmaßlich von ihm genötigten und ausgebeuteten Jugendlichen und Frauen aus armen Familien. Und wo andere Menschen kaum einen Job finden können, wenn sie aus dem Knast entlassen werden, konnte Epstein nicht nur als Freigänger Frauen zu sich ins Büro bringen, er kehrte nach der Haft auch in sein Luxusleben zurück und wurde von den anderen Wohlhabenden wieder akzeptiert.

          Laut der New Yorker Anklage fuhr Epstein auch damit fort, junge Frauen und Minderjährige mit Geld zu locken und dann sexuell zu nötigen. Lange interessierten sich nur Journalisten mit sehr langem Atem, wie Brown, für ihn – und die Boulevardmedien. Was in Florida passiert war, warum er als Sexualtäter registriert war, das konnte Epstein lässig erklären, ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen. So sagte er 2011 gegenüber „Page Six“, er sei nicht als Sexualstraftäter (sexual predator), sondern als Person registriert, die ein sexuell konnotiertes Vergehen begangen habe (sexual offender). Das sei wie „der Unterschied zwischen einem Mörder und jemandem, der einen Bagel stiehlt“, so Epstein. Damit kam er auch durch, weil sein Verhalten bis zu einem bestimmten Grad und wenn man die Details nicht so genau nahm, kulturell akzeptiert ist – als Teil des Belohnungssystems reicher Männer. „Es gibt wenig Unterschiede zwischen der Sicht auf Frauen als luxuriöse Ware und der Sicht auf sie als Bagels. Eine Sache ist eine Sache“, spitzte es das „New York Magazine“ zu. „Aber die uns umgebende Reichtums-Pornographie und unsere andauernde Liebesaffäre mit einer bestimmten glamourösen Vorstellung männlichen Erfolgs und männlicher Macht machen uns weiterhin blind.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mehr Zukunft wagen: Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans am Freitag nach ihren Bewerbungsreden beim SPD-Parteitag

          Parteitag in Berlin : Esken und Walter-Borjans zu SPD-Vorsitzenden gewählt

          Sie hätten keine Angst, betonen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans in ihren Bewerbungsreden als SPD-Vorsitzende – und attackieren die Union scharf. Nun wurden sie als Führungsduo bestätigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.