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Enthüllungsbuch über Trump : „Er ist ein wahrer Rassist“

Trump und Manigault Newman kennen sich schon seit über zehn Jahren und sind enge Vertraute. Bild: Reuters

Omarosa Manigault Newman war die letzte Afroamerikanerin im Weißen Haus. Nach ihrem Rauswurf rechnet die ehemalige Trump-Vertraute mit dem Präsidenten ab. Dabei geht sie ein hohes Risiko ein.

  • -Aktualisiert am

          Die Vorgeschichte zum jüngsten Enthüllungsbuch um Donald Trump beginnt im Situation Room, dem Zentrum für verschlüsselte Kommunikation des amerikanischen Präsidenten. Der Stabschef des Präsidenten, John Kelly, will mit Omarosa Manigault Newman sprechen. Einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses. Die Türen des Raums sind verschlossen. Manigault Newman ist sich sicher: „Es ist etwas Ernstes.“ Seitdem sie hier arbeitet, hat Kelly sie kaum beachtet. In dem Raum sind keine elektronischen Geräte erlaubt. Dennoch bereitet sie sich darauf vor, das Gespräch aufzunehmen – in der Gewissheit, jeden Moment entlassen zu werden. So beschrieb Manigault Newman den höchst ungewöhnlichen Vorgang am Sonntag in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender NBC.

          Die 44 Jahre alte Manigault Newman war bis zu diesem Tag die ranghöchste afroamerikanische Mitarbeiterin im Weißen Haus und eine Vertraute Trumps. Ihr Amt: Kommunikationschefin für öffentliche Beteiligung und zwischenstaatliche Angelegenheiten. Trump lernt sie 2005 kennen, als Teilnehmerin an der Reality Show „The Apprentice“. Weitere Auftritte in Reality Shows folgten, bis sie 2016 für Trump afroamerikanische Wähler im Wahlkampf mobilisieren sollte. Sie bezeichnete sich selbst als Freundin Trumps. Nun veröffentlicht sie am Dienstag das Buch „Unhinged“, zu deutsch: verwirrt oder verstört. Angekündigt ist es als weiteres Enthüllungsbuch über Trump, seine Regierung und das Weiße Haus.

          In der vergangenen Woche hat Manigault Newman die Aufnahme ihres Entlassungsgesprächs amerikanischen Medien zugespielt. Darin zu hören: Ihre Stimme und die eines Manns, die Stabschef Kelly gehören soll. „Wir reden mit dir, weil du das Weiße Haus verlassen musst“, sagt die Stimme. „Mir ist in den letzten Monaten zu Ohren gekommen, dass es einige, meiner Meinung nach, signifikante Integritätsprobleme gibt.“ Manigault Newman scheint nicht zu wissen, was sie dazu sagen soll. Sie will wissen, ob der Präsident Bescheid weiß, aber der Mann bricht jede Diskussion ab und sagt, die Mitarbeiter im Weißen Haus arbeiteten für ihn.

          „Ich finde es nicht gut, dass du gehst“

          Am Montag hat Manigault Newman auf NBC eine zweite Aufnahme veröffentlicht, auf der sie mit Trump über ihre Entlassung spricht. Es scheint, als ob er wirklich nichts davon gewusst habe, sofern die Aufnahme echt ist. Trump sagt darin, er habe aus den Nachrichten erfahren, dass sie gefeuert wurde. „Ich finde es nicht gut, dass du gehst“, sagt er in der Aufnahme.

          In ihrem Buch erhebt sie schwere Anschuldigen gegen den Präsidenten und seine Mitarbeiter. Trump sei ein Rassist, ein Fanatiker, ein Frauenfeind. Sie selbst habe nicht glauben wollen, dass er ein Rassist sei, sagte sie am Sonntag in dem NBC-Interview. Ihr hätten drei Quellen bestätigt, dass es eine Aufnahme gebe, auf der Trump Afroamerikaner beschimpfe. Auch sie selbst will die Aufnahme gehört haben. „Mir wurde bestätigt, wovor ich am meisten Angst hatte: Dass er ein wahrer Rassist ist.“ Im Westflügel des Weißen Hauses arbeite nach ihrer Entlassung kein anderer Afroamerikaner mehr. Darauf angesprochen, konnte Trumps Beraterin Kellyane Conway keine Antwort finden.

          Zu NBC sagte Manigault Newman, Trump wirke geistig zurückgeblieben und könne komplexe Informationen nicht verarbeiten. Manigault Newman, die in den Vereinigten Staaten eher unter ihrem Vornamen Omarosa bekannt ist, bedauere es, dass sie unter Trump im Weißen Haus gearbeitet hat. Sie spricht davon, von Trump benutzt worden zu sein. „Ich war Komplizin in diesem Weißen Haus, das die Nation betrügt.“ Im Weißen Haus lüge jeder, sagt sie am Sonntag. „Der Präsident lügt das amerikanische Volk an. Sarah Huckabee lügt jeden Tag.“ Huckabee ist die Haupt-Pressesprecherin des Weißen Hauses.

          Der britische „Guardian“ hat Auszüge aus dem Buch veröffentlicht. Darin sind viele angebliche private Details aus Trumps Leben aufgeführt: Trump hätte bei seiner Amtseinführung auf sein eigenes Buch „The Art of the Deal“ schwören wollen, statt wie sonst üblich auf die Bibel. Manigault Newman sagte ihm, er sollte die Idee vergessen und niemandem davon erzählen. „Wir lachten. Er wollte, dass ich glaube, er mache nur Spaß.“ Auch die Beziehung zu seiner Tochter Ivanka konnte die Autorin beobachten. „Ich habe gesehen, wie er Ivanka umarmt, berührt und küsst [...]. Meiner Meinung nach durchbricht ihre Beziehung die Linie einer angemessenen Vater-Tochter-Beziehung.“

          Will sie mit Trump abrechnen?

          Nachdem der frühere Reality-TV-Star im Dezember gefeuert wurde, hatte sie angeblich das Angebot bekommen, für Trumps Wiederwahlkampagne zu arbeiten, wie sie sagt. Das Gehalt: monatlich 15.000 Dollar – im Gegenzug hätte sie sich zu Verschwiegenheit verpflichten müssen. Der Vertrag hat eine Klausel, in der steht, dass sie keine Informationen über Trump, Vizepräsident Mike Pence oder Familienmitglieder veröffentlichen darf. „Sie haben mir keinen echten Job angeboten. Sie sagten, ich könne von daheim arbeiten, wenn ich überhaupt arbeiten will.“ Es gebe zudem noch weitere frühere Angestellte, die das gleiche Angebot erhalten hätten. 

          Es scheint, als wolle Manigault Newman mit Trump abrechnen. Jelani Cobb, Journalismus-Professor an der Columbia Universität, sagte: „Ihre Erkenntnis über Trump scheint während ihres Buchvertrags gekommen zu sein.“ Manigualt Newman weist diesen Vorwurf zurück, sie habe schon drei Bücher veröffentlicht . „Die Menschen sollten zuerst mein Buch lesen, bevor sie mich kritisieren.“ Sie habe sich lediglich selbst geschützt. „Man muss um sich sehen, sonst drehst du dich um und hast 70 Messer im Rücken“, beschreibt sie ihre Arbeit im Weißen Haus.

          Am Montagmittag reagierte Präsident Trump auf Manigault Newmans Anschuldigungen. „Sie hat mich für einen Job angefleht, Tränen waren in ihren Augen“, schrieb er auf Twitter. Im Weißen Haus hassten die Menschen sie. Sie sei bösartig und er habe nur schlechte Dinge über sie gehört. Auch Stabsschef Kelly habe ihm nichts Gutes von ihr berichtet. „Ich sagte ihm, er soll es mit ihr versuchen, weil sie nur tolle Dinge über mich sagte – bis sie gefeuert wurde“, behauptete Trump weiter.

          Noch ist offen, ob Manigault Newman mit rechtlichen Konsequenzen wegen der Veröffentlichung der Aufnahme aus dem Situation Room rechnen muss. Das Weiße Haus jedenfalls reagierte verärgert. Es sei eine schwere Missachtung der nationalen Sicherheit, wenn Angestellte im Weißen Haus heimlich Gespräche aufnehmen, sagte Pressesprecherin Huckabee: „Dieses Buch ist voller Lügen und falscher Anschuldigungen.“ Es sei traurig, dass eine verärgerte frühere Angestellte des Weißen Hauses versuche, von falschen Attacken zu profitieren.

          Aufmerksamkeit ist Manigault Newman in jedem Fall gewiss. Ihr Buch erscheint am Dienstag.

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