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Macron-Kommentar : Der Lieblingseuropäer

Emmanuel Macron (links) und Donald Trump auf dem G-7-Treffen am 7. Juli 2017 in Hamburg Bild: EPA

Donald Trump mag dem französischen Staatsgast Girlanden binden. Finden Amerikas und Frankreichs Präsident in wichtigen Fragen keinen Konsens, dürfte das europäisch-amerikanische Verhältnis von schweren Turbulenzen durchgeschüttelt werden.

          Seit er im Amt ist, hat Präsident Trump viele Staats- und Regierungschefs empfangen, im Weißen Haus oder in seinem Golfklub in Florida. Die Ehre des ersten Staatsbesuchs wird Emmanuel Macron zuteil, dem Präsidenten Frankreichs, des ältesten Verbündeten der Vereinigten Staaten. Daran wird in diesen Tagen wiederholt erinnert werden, etwa in Macrons Rede vor dem Kongress. Aber nicht die historische Verbundenheit lässt der Visite so große Aufmerksamkeit zuteil werden. Es ist der Umstand, dass sich Macron eines besonders engen Verhältnisses zu Trump rühmt – und dass dieser und der sich anschließende Besuch der Bundeskanzlerin eine außergewöhnlich brisante Phase der internationalen Politik einläuten: Bis zum 1. Mai sind europäische Importeure von Stahl und Aluminium von amerikanischen Strafzöllen ausgenommen. Und danach? Bis zum 12. Mai will Trump entscheiden, ob er am Atomabkommen mit Iran festhält. Die Europäer mahnen ihn mit guten Gründen, es nicht zu verlassen.

          Das amerikanische Protokoll mag dem französischen Staatsgast schmeicheln, so wie dieser Trump bei dessen Besuch in Paris im vergangenen Juli geschmeichelt hatte. Aber Macron wird nicht so leicht zu betören sein, vor allem dann nicht, wenn es in der Substanz der vielen kniffligen Fragen keinen Fortschritt aus seiner und der Sicht der europäischen Partner gibt. Trotz aller Bemühungen und behaupteter Nähe hat Macron es bislang nicht geschafft, Trump zur Rückkehr zum Pariser Klimaabkommen zu bewegen. Sollte es im Handelsdisput keine vernünftige, dauerhafte Lösung geben und flammt der Atomkonflikt mit Iran mit neuer Intensität auf, dann wird das europäisch-amerikanische Verhältnis von schweren Turbulenzen durchgeschüttelt werden. Um das vorherzusagen, braucht man kein Prophet zu sein.

          Es wäre somit zu hoffen, wenn Macrons „Freundschaft“ zu Trump politische Rendite abwürfe. Irgendwie müsste es sich ja auszahlen, dass er der neue Lieblingseuropäer im Weißen Haus ist und aktiver Sicherheitspartner dazu. Merkel wird am Freitag als Pflegerin des transatlantischen Verhältnisses auftreten. Sie wird es verkraften, dass für sie keine Girlanden (mehr) gebunden werden. Bedenklicher wäre es, wenn Trump sich auch künftig vor allem an Deutschland abarbeitete, von deutschen Autoexporten über Verteidigungsausgaben bis zur Russland-Politik. Es gäbe genug gemeinsam zu tun.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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