https://www.faz.net/-gpf-9ps5b

Trump reagiert auf Amokläufe : Trauer vom Teleprompter

  • -Aktualisiert am

Trump am Montag bei einer Rede im Weißen Haus Bild: AP

Der Mann, der in El Paso 22 Menschen erschoss, wollte die „Invasion“ verhindern, vor der Trump warnt. Der amerikanische Präsident will davon nun ablenken.

          Am Montagmorgen schlug Donald Trump Großes vor. Der Tod der 29 Menschen, die am Wochenende von zwei jungen Männern in El Paso und Dayton erschossen wurden, dürfe „nicht umsonst“ gewesen sein, schrieb der Präsident auf Twitter – erst später kam aus El Paso die Nachricht, dass die Opferzahl nun auf insgesamt 31 gestiegen sei. Republikaner und Demokraten, so Trump, müssten endlich „zusammenfinden“ und ein Waffengesetz verabschieden, das eine „starke“ Durchleuchtung von Kaufinteressenten vorsehe – „vielleicht gekoppelt mit einer dringend benötigten Einwanderungsreform“. Trump beschwor die Bedeutung des Augenblicks. „Aus diesen beiden tragischen Vorkommnissen muss etwas Gutes, wenn nicht GROSSARTIGES, erwachsen.“

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Waffenrecht und Migrationsrecht sind die vertracktesten Probleme der amerikanischen Innenpolitik. Auf beiden Feldern sind die Gräben immer tiefer ausgehoben worden; Kompromissbereitschaft kommt Politiker teuer zu stehen.

          Trump versucht doppelten Entlastungsangriff

          Schon als die Republikaner in den ersten beiden Jahren der Trump-Präsidentschaft noch in beiden Kammern die Mehrheit besaßen, konnten sich Kongress und Weißes Haus weder in der einen noch in der anderen Sache auf echte Reformen verständigen. Indem Trump nun beide Megathemen zusammenschnürte, hat er den Knoten nur noch fester zugezogen. Er dürfte selbst nicht glauben, einer Lösung so näherzukommen. Aber er schob dem Kongress den Schwarzen Peter zu – und, gleichsam als Sicherheitsnetz, der Presse.

          Denn nur einen Tweet später gab Trump den Medien die Schuld an den Bluttaten: „Die Fake News haben erheblich zu dem Ärger und der Wut beigetragen, die sich über viele Jahre aufgestaut haben“, schrieb Trump. „Die Berichterstattung muss endlich fair werden, ausgewogen und unvoreingenommen, oder diese schrecklichen Probleme werden immer schlimmer werden.“

          Trump hatte guten Grund für den doppelten Entlastungsangriff. Denn sowohl Demokraten als auch viele Leitartikler verwiesen am Wochenende auf die Übereinstimmungen zwischen den Parolen des Präsidenten und den Wahnvorstellungen, die den Texaner Patrick Crusius bewogen hatten, in einem Walmart-Kaufhaus nahe der mexikanischen Grenze um sich zu schießen. Für Trump wurde nichts einfacher dadurch, dass die erste Person, die ihn von jeder Mitschuld freisprach, der Täter selbst war, und das noch vor der Tat.

          In einem ihm zugeschriebenen „Manifest“, das etwa zwanzig Minuten vor dem ersten Schuss auf der Internetseite 8chan auftauchte, beteuerte der 21 Jahre alte Crusius, dass sich seine „Ideologie seit mehreren Jahren nicht verändert“, also nichts mit Trump zu tun habe.

          Der Täter fügte hinzu: „Manche Leute werden dem Präsidenten ... die Schuld an dem Angriff geben. Das trifft nicht zu“ – auch wenn ihm klar sei, so der spätere Mörder, dass ihn die Medien trotzdem als weißen Rassisten bezeichnen und seine Tat mit Trumps Rhetorik erklären würden. Diese angebliche Sorge hinderte den Verfasser nicht, Trump schon im nächsten Satz gleichsam zu zitieren: „Die Medien sind für Fake-News berüchtigt.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Supercomputer Summit von IBM

          KI statt Simulation : Den Superrechnern geht die Luft aus

          Die Leistung von Supercomputern wächst kaum noch. Der Grund ist die fatale Fokussierung auf Künstliche Intelligenz. Numerische Verfahren gelten als „unsexy“.
          Das Faxgerät ist eine schnelle Alternative, wenn die E-Mail aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht genutzt werden kann

          In puncto Datensicherheit : Fax schlägt E-Mail

          Anwälte, Ärzte, Krankenversicherer weigern sich immer häufiger, E-Mails zu verschicken – aus Gründen des Datenschutzes. Das gute alte Faxgerät erlebt ein Comeback.

          Dortmunder Kampfansage : „Wir wollen Barcelona wehtun“

          Für das Champions-League-Duell mit dem FC Barcelona hat sich der BVB einiges vorgenommen. Die Borussia hofft dabei auf ein Fußball-Fest mit Happy End. Doch etwas dürfte die Dortmunder Vorfreude gehörig trüben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.