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Einreiseverbote für Europäer : Trump kann das Virus nicht aussperren

  • -Aktualisiert am

Am 6. März trat Trump in der Behörde für Seuchenbekämpfung (CDC) auf. Damals versuchte er noch, die Corona-Krise kleinzureden. Bild: Reuters

Der Präsident führt die Amerikaner in die Irre: Für Abschottung ist es zu spät, das Coronavirus ist nun auch in Amerika zu Hause. Dagegen hilft Händewaschen mehr als Handelskriege. Der Westen ist führungslos.

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          Donald Trump hat seine Behauptung nicht belegt, dass etliche Corona-Infektionsherde in den Vereinigten Staaten von Europäern oder Europa-Reisenden verursacht worden seien. Völlig unplausibel ist das nicht. Es ist auch denkbar, dass das vom amerikanischen Präsidenten verfügte Einreiseverbot für Europäer aus dem Schengen-Raum dazu beiträgt, die Ausbreitung des „ausländischen Virus“ (Trump)  in Amerika ein wenig zu verlangsamen. Wirklich effektiv wäre die Abschottung von den transatlantischen Verbündeten wohl allenfalls dann gewesen, wenn Trump sie schon vor Wochen verfügt hätte.

          Ist eine derart drastische, weitere Panik an den Börsen verursachende und die Weltwirtschaft schwächende Maßnahme verhältnismäßig? Zweifel sind angebracht, aber eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Sicher ist nur so viel: Trump führt seine Landsleute in die Irre, wenn er den Eindruck erweckt, dass das Coronavirus ein ausländischer Feind ist, den man aussperren könnte. Und grotesk ist sein Versuch, der Europäischen Union anzuhängen, was er sich in erster Linie selbst vorwerfen muss: die Gefahr nicht rechtzeitig ernst genommen zu haben.

          Noch am Ende der vorigen Woche hatte Trump sich einen Klamauk-Auftritt bei der amerikanischen Behörde für Seuchenbekämpfung (CDC) geleistet. Er trug seine rote Wahlkampfkappe („Keep America Great“). Er rühmte sich dafür, beim Verständnis komplexer medizinischer Phänomene ein „Naturtalent“ zu sein; mit seinem profunden Wissen überrasche er alle Ärzte. Er bestritt den selbst von seinem Vizepräsidenten und obersten Krisenmanager Mike Pence zugegebenen Engpass an Corona-Tests. Vielmehr versicherte er fälschlich, wer auch immer wolle, könne „einen wunderbaren Corona-Test“ machen; etwaige Verzögerungen habe allein die Obama-Regierung zu verantworten.

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          Ohne Not zog Trump an der Stelle sogar eine Linie zu der Ukraine-Affäre, aufgrund derer das Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet hatte: „Die (Corona-)Tests sind alle perfekt, so wie … das Protokoll perfekt war“, sagte der Präsident vorige Woche mit Blick auf die Mitschrift des Telefonats, in dem er den ukrainischen Präsidenten Selenskij erpresst hatte.  Das sollte heißen: Das Virus und die Kritik am Krisenmanagement ist bloß eine weitere Taktik der Demokraten, die ihn stürzten wollten.

          Trump wandte sich bei derselben Gelegenheit ohne erkennbares Mitleid für infizierte Passagiere gegen die Evakuierung von Kreuzfahrtschiffen, weil das Virus nicht „unsere Schuld“ sei und weil er sich die „schönen Zahlen“ nicht verderben lassen wolle – damals verzeichnete die amerikanische Statistik erst wenige Infizierte. Auf einer Kundgebung versicherte der Präsident den Amerikanern kurze Zeit später faktenwidrig, dass man sich „ziemlich bald“ gegen das neuartige Coronavirus impfen lassen könne.

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